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Reiseratgeber
Das sind die Top-Reiseziele für Homosexuelle

Sieben Urlaubstipps für Schwule und Lesben
Sieben Urlaubstipps für Schwule und Lesben FOTO: dpa, pla
Berlin . Urlaubsziele für Homosexuelle zeichnen sich vor allem durch eine lebendige lokale Szene, Toleranz bei der Bevölkerung und eine liberale Gesetzgebung im Land aus. Die sieben besten Reisetipps.

Was haben Ägypten, Vatikan-Stadt und Jamaika gemeinsam? Sie alle sind interessante Reiseziele, doch bei schwulen und lesbischen Urlaubern nicht ganz so beliebt. Denn wer als Homosexueller verreisen und dabei seine sexuelle Orientierung offen zeigen möchte, erlebt in vielen Ländern immer noch Einschränkungen. Die Gay-Community hat sich daher schon seit einiger Zeit eigene Hotspots geschaffen, wo sie ohne Angst vor Ablehnung oder sogar Verfolgung feiern, entspannen und entdecken kann.

Beliebt ist alles, wo die Sonne scheint. "Das Wetter spielt eine große Rolle", sagt Briand Bedford, Chefredakteur beim "Spartacus International Gay Guide". Spanien, Griechenland, Bali oder Südafrika gehören deshalb zu den wichtigen Reisezielen. Ob eine Destination sich etabliert, hängt aber vor allem von der passenden Infrastruktur ab: Dazu gehören Bars, Kneipen, Clubs oder Hotels, die auf schwule und lesbische Gäste eingestellt sind. Eine gewisse Anzahl an homosexuellen Einwohnern vor Ort bildet dafür oft die Grundlage.

"Wenn die Community da ist, ist es sicher", erklärt Juan Carlos Castellanos den Zusammenhang. Er betreibt in Hamburg das Reisebüro Global Village, das sich auf Angebote für schwule Kunden spezialisiert hat. Wenn die Umgebung stimmt, müsse es auch nicht unbedingt ein Schwulenhotel als Unterkunft sein. "Aber es sollte schon in der Nähe der Ausgehviertel liegen", betont Castellanos.

Natürlich gilt das nicht für alle homosexuellen Reisenden: "Viele Schwule buchen auch ganz normal", erklärt Joachim Volland von Teddy Travel, einem Reisebüro für Schwule in Köln. Und wenn man sich entsprechend verhält, könne man sowieso fast überall hin reisen. Die folgenden Reiseziele sind allerdings besonders beliebt:

  • Gran Canaria: Die Kanareninsel ist das Gay-Reiseziel in Europa schlechthin. "Spanien ist sehr loyal und frei", erklärt Volland. Rund um Playa del Inglés und Maspalomas hat sich über viele Jahre eine lebendige Schwulenszene entwickelt, die immer noch äußerst gefragt ist. Ähnliches gilt für die Balerareninsel Ibiza, Sitges oder Torremolinos in Andalusien. Doch nicht jeden Reisenden zieht es in die Schwulenhochburgen: "Ich habe auch schon Kunden gehabt, die sagen, Gran Canaria ist ihnen zu schwul", erzählt Volland.
  • Mykonos und Lesbos: Während Spanien gleich mehrere Szeneorte hat, sind es in Griechenland hauptsächlich die Inseln Mykonos und Lesbos. Die Gay-Hotspots befinden sich auf Mykonos vor allem entlang der westlichen und südöstlichen Küstenlinie, wo es einige berühmte Schwulenstrände gibt. Lesbos ist vor allem aufgrund seiner Geschichte immer noch ein Anziehungspunkt: Die homoerotische Lyrik der griechischen Dichterin Sappho ist hier entstanden.
  • Städteziele: Barcelona, Wien, Berlin, Tel Aviv - diese vier Schwulenmetropolen zeichnen sich vor allem durch eines aus: Sie werben um ihre Gäste und betreiben gezieltes Marketing. "Damit die Leute wissen, dass sie sich nicht verstellen müssen und sich entspannen können", sagt Brian Bedford. Die Städte, alle für ihr ausschweifendes und tolerantes Nachtleben bekannt, bieten außerdem mit dem Gaixample in Barcelona, dem Nollendorfplatz in Berlin oder dem Naschmarkt in Wien Zentren der schwulen Subkultur. Und Tel Aviv hat dazu noch Badestrände.
  • USA: Immer noch ein Klassiker, wenn auch nicht mehr so gefragt wie zu Hochzeiten. Ob Miami und Fort Lauderdale in Florida, West Hollywood in Los Angeles oder die Metropolen Boston, New York und San Francisco: Wer hierher kommt, weiß, was er bekommt. Die Nachfrage hat allerdings etwas nachgelassen: "Früher hieß es "Amerika, das gelobte Land"", sagt Volland. Inzwischen könne man als Homosexueller aber auch in näher gelegenen Reisezielen gut Urlaub machen.
  • Kreuzfahrten: Seereisen speziell für homosexuelle Kunden sind im Kommen. "Gay-Only-Kreuzfahrten sind sehr gefragt", bestätigt Katharina Hanke vom Reiseveranstalter Dertour, der 2017 mit Royal Caribbean eine deutschsprachige Gay Cruise im Mittelmeer anbietet. Tui Cruises startet ebenfalls 2017 zu einer Rainbow Cruise für Lesben und Schwule. Außerdem gibt es mit La Demence aus Belgien und Atlantis aus den USA zwei Anbieter, die sich rein auf Gay Cruises spezialisiert haben. Ziele sind hier unter anderem Hotspots wie Ibiza und Mykonos, aber auch Kulturstätten oder Naturziele.
  • Fernziele: Wer in die Ferne reisen will, ist in Südafrika, Thailand oder Bali gut aufgehoben. In Südafrika sorgt momentan die günstige Währung für gute Reisebedingungen. Auch die Malediven werden immer wieder angesteuert, obwohl die Akzeptanz von Homosexualität dort nicht besonders hoch ist. Laut aktuellem Spartacus Gay Travel Index, einem Ranking des Berliner Verlags Bruno Gmünder, erkennen die Malediven die Rechte von LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) nicht an. Reisende, die ihre Homosexualität offen zeigen, müssen daher mit Anfeindungen oder sogar rechtlichen Konsequenzen rechnen.
  • Aufsteiger: Trotz der Dominanz der klassischen Reiseziele für Homosexuelle gibt es etwas Bewegung auf dem Markt. Zumindest was potenzielle neue Ziele angeht. Der Gay Travel Index listet Nepal, Mosambik und Puerto Rico als Aufsteiger des Jahres 2016. Hauptgrund: Die rechtliche Situation für Homosexuelle hat sich in diesen Ländern verbessert. Nepal hat ein Diskriminierungsverbot in seine Verfassung aufgenommen, Puerto Rico führt die Homoehe ein, und Mosambik legalisiert Homosexualität. "Puerto Rico wird dadurch bestimmt mehr schwule Touristen anlocken können", prophezeit Bedford.
(dpa)
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