| 11.38 Uhr

Dem Ruf der Freiheit folgen
Erste Schritte zum Miet-Reisemobil

Dem Ruf der Freiheit folgen: Erste Schritte zum Miet-Reisemobil
Mit dem Wohnmobil ist man in den Ferien völlig unabhängig. FOTO: dpa, cw
Kiel/Stuttgart. Das Gefühl von Freiheit, ein Hauch von Abenteuer - das reizt an einem Urlaub im Wohnmobil. Wer das noch nie gemacht hat und ausprobieren will, besorgt sich am besten ein Mietmobil. Experten erklären, wie man das passende Fahrzeug findet - und was der Spaß kostet. Von Thomas Mendle

Für einen Urlaub mit dem Wohnmobil spricht einiges: Mit so einer Ferienwohnung auf vier Rädern ist man unabhängig von Hotels und kann den Urlaubsort nach Herzenslust wechseln. Außerdem umweht Camping-Trips ein Hauch von Abenteuer. Im Jahr 2012 haben deutsche Urlauber laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen 1,25 Millionen Mal die schönste Zeit des Jahres über fünf Tage oder mehr mit einem Reisemobil verbracht - das entspricht immerhin 1,8 Prozent aller Urlaubsreisen. Wer herausfinden will, ob ein Reisemobil-Urlaub sein Ding ist, leiht sich so ein Gefährt am besten für ein paar Tage aus.

Das Angebot an Mietfahrzeugen ist groß, ortsnahe Anbieter lassen sich gut im Internet ausfindig machen. Zunächst stellt sich die Frage, welches Wohnmobil es sein soll und wie viele Schlafplätze und mit Sicherheitsgurt ausgestattete Sitzplätze benötigt werden. Und sollen Fahrräder oder Surfbretter mit auf Reisen gehen, müssen dafür ausreichend Ladekapazitäten vorhanden sein, gibt Nadine Scheufele von der Fachzeitschrift "promobil" zu bedenken. Die Spanne an Fahrzeugkonzepten reicht vom Camping-Van mit zwei Schlafplätzen ohne Sanitäreinrichtung bis hin zum üppig ausgestatteten vollintegrierten Luxusmobil für bis zu sieben Personen.

Reisezeitpunkt beachten

Ausschlaggebend für die Mietkosten ist neben Größe und Ausstattung der Reisezeitpunkt. Denn die Anbieter unterscheiden Tarife für Haupt-, Neben- und Zwischensaison. Und je länger ein Fahrzeug gemietet wird, desto geringer fällt in der Regel der Preis pro Tag aus. Ein Reisemobil mit zwei Schlafplätzen und guter Ausstattung sei außerhalb der Hauptsaison bereits für weniger als 100 Euro pro Tag zu haben, sagt Scheufele. Luxusmobile hingegen könnten in der Hauptsaison durchaus 200 Euro oder mehr pro Tag kosten.

Zu den üblichen Mietbedingungen zählt laut dem Interessenverband Caravaning Information ein Limit zwischen 200 und 300 Kilometern pro Tag, was bei der Tour-Planung berücksichtigt werden müsse. Bei der Anmietung über einen Zeitraum von zwei Wochen oder mehr gebe es aber meist keine Kilometerbegrenzung. Außerdem sollten sich Urlauber zusätzlich auf eine Servicepauschale von rund 100 Euro einstellen, die Anbieter etwa für Gasflaschen, Sanitärflüssigkeiten, Endreinigung und eine technische Einweisung vor der Abfahrt berechnen. Mietmobile sind meist vollkaskoversichert, allerdings oft mit Selbstbeteiligung. Viele Reisemobil-Vermieter überlassen ihre Fahrzeuge nur Kunden, die mindestens 21 Jahre alt sind. In selteneren Fällen verlangen die Anbieter ein Mindestalter von 25 Jahren. Die Führerscheinklasse kann die Wahl des Reisemobils ebenfalls einschränken, denn junge Fahrer mit Lizenz der Klasse B dürfen nur Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bewegen.

Bei der Übernahme des Reisemobils wird ein Übergabeprotokoll ausgefüllt. Wichtig ist nach "promobil"-Angaben, das Auto vorher genau unter die Lupe zu nehmen und Mängel im Protokoll zu erfassen. Sonst bestehe die Gefahr, nach der Reise für Schäden zur Kasse gebeten zu werden, die ein Vormieter verursacht hat - und die hinterlegte Kaution, meist in Höhe der Kasko-Selbstbeteiligung, ist futsch. Wer sich nicht mit Reisemobilen auskennt, sollte auf einer gründlichen Einweisung bestehen. Denn gerade der Umgang mit den Gasflaschen, der Bordelektrik und der Sanitäreinrichtung bedarf einiger Sachkenntnis. Der ADAC rät Wohnmobilisten ohne Erfahrung außerdem, sich mit den ungewohnten Fahrzeugausmaßen vertraut zu machen, um nicht plötzlich an einer Brücke oder Parkhauseinfahrt eine üble Überraschung zu erleben.

Soll die Wohnmobil-Tour in Übersee starten, seien Urlauber mit der Buchung in einem Reisebüro auf der sicheren Seite. Sie könnten oft sogar von vergünstigten Kontingenten bei kooperierenden Vermietern profitieren, sagt Anne Mandel von "promobil". Wer ein Reisemobil erst vor Ort anmietet, hat zwar den Vorteil, die rollende Unterkunft vor der Buchung gründlich checken zu können. Doch er läuft vor allem in der Hochsaison Gefahr, die gewünschte Fahrzeug-Kategorie nicht mehr zu bekommen oder komplett leer auszugehen. Ohne Reisebüro online am Fernziel ein Wohnmobil zu reservieren, ist ebenfalls möglich. Aber Vorsicht: Vorkasse, unvollständige Kontaktdaten oder fehlende Informationen können Hinweise auf einen unseriösen Anbieter sein.

Bei der Preisfrage sollten Reisemobil-Mieter grundsätzlich genau hinsehen: "Häufig werden die Mietpreise nämlich ohne Versicherung angegeben", erklärt Mandel - und hat noch einen Tipp parat: Besonders attraktiv für den schmalen Geldbeutel seien in den USA und Australien Allradfahrzeuge mit Dachzelt oder Pick-ups mit Campingaufbau auf der Ladefläche, die oft nur knapp halb so viel kosten wie Alkoven-Mobile. Wichtig ist ebenfalls, welchen Führerschein die ausländische Vermietstation akzeptiert. Die alten grauen oder rosafarbenen Exemplare würden häufig nicht anerkannt, weiß die Expertin. Ihre Empfehlung: Zum EU-Scheckkarten-Führerschein auch noch einen in Englisch gehaltenen internationalen Führerschein anfertigen lassen. Damit seien Wohnmobil-Mieter immer auf der sicheren Seite.

(dpa)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Dem Ruf der Freiheit folgen: Erste Schritte zum Miet-Reisemobil


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.