| 19.00 Uhr

Flug-Knigge
Liebe Sitznachbarn, könntet ihr bitte..?

Flug-Knigge: Liebe Sitznachbarn, könntet ihr bitte..?
Mit dem Sitznachbarn im Flugzeug kann es zu vielen unangenehmen Situationen kommen (Symbolbild). FOTO: d13 / Shutterstock.com
Berlin . Wer im Flieger unterwegs ist, kann sich seine Sitznachbarn kaum aussuchen. Ein Langstreckenflug kann bei unangenehmen Mitreisenden schnell zur Nervenprobe werden. Was tun, wenn der Nebenmann oder die Nebenfrau die Ruhe über den Wolken stört?

Im besten Fall ist der Sitznachbar im Flugzeug ein anregender Gesprächspartner mit vorbildlichen Manieren. Wer dagegen Pech hat, landet neben einem ausgemachten Störenfried. Dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: aussitzen oder handeln.

Die Gründe für den Streit im Flieger sind vielfältig: Der Sitznachbar beansprucht zum Beispiel besonders viel Platz für sich. Oder er ist auf seinem Weg in den Urlaub schon mächtig angetrunken. Er belegt das gesamte Handgepäckfach über der Sitzreihe für sich. Er hat einen strengen Körpergeruch. Oder er bekommt dauernd Besuch aus anderen Sitzreihen. "Meistens geht es aber um zurückgeklappte Rückenlehnen, Armlehnen zwischen den Sitzen und Tiere in der Kabine", erzählt Theresa Krohn, Sprecherin von Air Berlin. Sie rät dazu, sich bei Problemen erst einmal direkt an den Sitznachbarn oder Vordermann zu wenden - viele Ärgernisse ließen sich mit ein paar Worten klären.

Der Pilot kann sogar die Polizei holen

Sind es Kleinigkeiten, die das Wohlbefinden stören, sind Durchatmen und Ablenken oft hilfreich. "Ohrenstöpsel rein und konzentriert auf den Bildschirm schauen", rät Lufthansa-Flugbegleiterin Angela Belger, wenn der Nebenmann zum Beispiel allzu gesprächig ist. Wer einsilbig antwortet, demonstriert zusätzlich Desinteresse und entkommt so am ehesten dem Wortschwall des Sitznachbarn.

Wenn das alles nicht hilft, sollte man das Problem direkt ansprechen, zum Beispiel so: "Schön, dass sie sich unterhalten wollen, ich würde jetzt aber lieber in meinem Buch lesen." Offene Worte sind ein guter Weg zum Ziel. "Wir sind ja alle erwachsen", sagt Belger. Oft habe der Vordermann zum Beispiel einfach vergessen, den Sitz bei der Ausgabe des Essens geradezustellen. Trifft man auf renitente Mitreisende, die trotz aller Hinweise die eigene Bequemlichkeit in den Vordergrund stellen, könne man sich an die Flugbegleiter wenden. Die seien schließlich darin geschult, Konflikte zu lösen.

Und nicht nur das: Sobald die Flugzeugtüren geschlossen sind, hat der Kapitän auch die Polizeigewalt an Bord. Das heißt: Wer sich den Anweisungen des Personals widersetzt, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, erklärt Reiserechts-Experte Ronald Schmid. "Die Stewardessen sind nicht irgendwelche Hanseln", macht er klar. Wer sich nicht hinsetzt oder anfängt, laut herumzukrakeelen, stelle eine Gefahr für die Flugdurchführung dar. Im Extremfall kann er der Maschine verwiesen werden.

Vorher gibt es aber eine Verwarnung, bei der Lufthansa zum Beispiel durch einen "Warning Letter", erklärt Flugbegleiterin Belger, die als sogenannte Purserin nach dem Kapitän verantwortlich für die Sicherheit an Bord ist. Fährt die Maschine noch auf dem Rollfeld, können Störenfriede noch von der Polizei abgeholt werden. Einmal in der Luft, kann der Kapitän alle ihm erforderlich erscheinenden Maßnahmen einleiten, um den Flug sicher zu Ende zu bringen.
Entscheidet er sich für eine Zwischenlandung, kann das für den Unruhestifter teuer werden: "Die Fluggesellschaft kann Schadenersatz für die zusätzliche Landung verlangen", sagt Jurist Schmid.

Wann es sich lohnt, die Flugbegleiter einzubinden

Generell rät Flugbegleiterin Belger, bei Problemen die Crew einzubinden. Zum Beispiel, wenn der Nebenmann durch sein Handgepäck den ganzen Fußraum ausfüllt: "Wenn jemand seine Beine nicht richtig ausstrecken kann, laden wir ihn auch mal in die Küche oder auf den Flugbegleitersitz ein", erzählt die Purserin. Hat man seinen Wunschplatz nicht bekommen, könne man ebenfalls ruhig auf die Besatzung zugehen. Ein Sitzplatzwechsel lasse sich meist organisieren, oft durch andere tauschbereite Passagiere.

Haarig wird die Lage bei angetrunkenen Gästen: "Da ist Fingerspitzengefühl gefragt", sagt Theresa Krohn von Air Berlin. Solange sich der Schwips nur durch auffallende Fröhlichkeit oder Neigung zum Singen äußert, ist es dem Kabinenpersonal überlassen, für Ruhe zu sorgen. Schluss mit lustig ist beispielsweise bei mitgebrachten Alkoholika oder permanenter Ruhestörung. In einem Vielfliegerforum berichtet ein Nutzer von seinem Flug mit einer skandinavischen Sportmannschaft. Die grölten und schunkelten so exzessiv, dass der Kapitän ein Machtwort sprechen musste.

Fühlen sich Mitreisende persönlich angegangen, zum Beispiel durch Annäherungsversuche oder aggressives Verhalten, sollten sie sofort einen Flugbegleiter einschalten. Das gilt auch bei allen anderen Problemen, denen man sich alleine nicht gewachsen fühlt. "Nett wäre es dann, diese Themen nicht direkt vor der Nase des anderen anzusprechen", rät Sibylle Zeuch vom Deutschen Reiseverband (DRV).

Die Sache mit dem Gang zur Toilette

Ein ewiges Thema ist auch der Gang zur Toilette: Wer am Fenster oder im Mittelblock sitzt, muss entweder mehr oder weniger elegant über seine Sitznachbarn klettern oder diese bitten aufzustehen. Doch was tun, wenn der Nebenmann friedlich schlummert? "Das kommt auf die eigene Behändigkeit an", sagt Flugbegleiterin Belger. Wer nicht gelenkig genug ist, unfallfrei über den Schlafenden zu steigen, sollte ihn möglichst sanft wecken: Zum Beispiel, indem man dem anderen freundlich über die Schulter streicht. "Man muss ihm ja nicht gleich gegen das Bein treten", findet Belger.

Bei manchen Unannehmlichkeiten ist aber auch einfach Ausharren gefragt. Den Körpergeruch von Mitreisenden müssen Passagiere zum Beispiel hinnehmen - sofern es keine Möglichkeit für einen Platzwechsel gibt. Ein Recht auf einen störungsfreien Flug gibt es nicht, erklärt Reiserechtler Schmid. So haben Reisende auch keinen Anspruch auf Schadenersatz, wenn sie aufgrund ihres Sitznachbarn schlecht schlafen oder sich eingeengt fühlen. In solchen Fällen hilft nur: abschalten und warten, bis die Maschine wieder am Boden ist.

(ham/dpa)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Flug-Knigge: Liebe Sitznachbarn, könntet ihr bitte..?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.