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Aurora Borealis
So fängt man Nordlichter mit der Kamera ein

Norwegens spektakuläre Polarlichter
Norwegens spektakuläre Polarlichter FOTO: visitnorway.com
Kittilä. Die Nordlichter jenseits der Polarkreise sind faszinierende Schauspiele der Natur - und locken jeden Winter Urlauber und Hobbyfotografen an. Doch wie findet man die Lichter? Und wie lassen sie sich mit der Kamera einfangen?

Markus Kiili schleppt jede Menge Ausrüstung mit sich herum, wenn er in dunklen Nächten im Norden Finnlands auf die Jagd geht. Mehrere Spiegelreflexkameras hat er dabei, mindestens ein Stativ und einige Objektive. Der Fotograf jagt Nordlichter - und die sind unberechenbar. Das hängt damit zusammen, wie die schillernden Lichter am Himmel entstehen. Und wie das Wetter ist.

"Die Sonne schleudert Teilchen ins Weltall, die elektrisch geladen sind: den Sonnenwind, der ständig durchs All rast", erklärt der Astrophysiker Emanuel Jacobi, der für ein Jahr das South Pole Neutrino Observatory IceCube am Südpol betreut hat. "Das Magnetfeld der Erde lenkt diese Sonnenwinde ab, wenn sie in unsere Nähe kommen - und leitet sie zu den Polen um." Darum sind die Lichter stärker, je weiter im Norden oder im Süden man sich aufhält - und je dunkler es ist.

Ungewöhnliche Reiseziele FOTO: dpa, Ragnar Sigurdsson

Für Reisende auf der Suche nach dem spektakulären Naturphänomen bedeutet das: "Jeder Ort nördlich und südlich der Polarkreise ist während des dortigen Winters ein guter Platz, um Lichter zu sehen", erläutert Jacobi. Auf der Nordhalbkugel kommen als Reiseziele also der Norden Skandinaviens, Grönland, Island, Nordkanada, Alaska und Russland in Frage. Auf der Südhalbkugel dagegen kann man die Lichter kaum sehen - denn in die Antarktis kommt man im dortigen Winter nach Jacobis Worten nur mit einer Sondergenehmigung. Und in Argentinien, Chile, Neuseeland und Australien sind die Aurora australis, wie sie dort genannt werden, eine extrem seltene Erscheinung.

Schneefall und dichte Wolken können verhindern, dass man die Nordlichter sieht. "Und nichts ändert sich in den Polarregionen so schnell wie das Wetter", sagt Fotograf Kiili. Allerdings muss der Himmel nicht vollkommen wolkenfrei sein. "Es kann auf den Bildern sogar gut aussehen, wenn Wolken zwischen den Nordlichtern sind." Diese müssen dann aber entsprechend hell strahlen. Berge und Bäume sorgen für Abwechslung auf den Fotos. Ganz wichtig: Hobbyfotografen müssen sich von jeglichem künstlichen Licht entfernen.

Wie fängt man die Nordlichter nun mit der Kamera ein? So geht es: Stativ aufstellen, Kamera installieren, Einstellungen vornehmen. "Die Programmautomatik hat in den Nächten Pause, zunächst stellt man auf den manuellen Modus um", sagt Kiili. Der Autofokus wird nur einmal gebraucht - um die Bilder in die Unendlichkeit scharfzustellen. "Und dann muss man den Autofokus gleich ausschalten." Sonst werden die Bilder unscharf, oder der Auslöser funktioniert gar nicht erst.

Der Blick von Alexander Gerst auf die Erde FOTO: dpa, nasa mda kno

Am besten ist ein Weitwinkelobjektiv, um möglichst viel Grün und Pink am Himmel einzufangen. Kiili verwendet meist ein lichtstarkes 14-Millimeter-Objektiv mit Festbrennweite. "Die Blende sollte möglichst klein, die Linse also möglichst weit geöffnet sein." Auch an der ISO-Schraube kann der Fotograf drehen, um die Belichtungszeit zu verkürzen. Das ist besonders sinnvoll, wenn sich die Nordlichter am Himmel recht schnell verändern. Bei einer langen Belichtungszeit erhält man sonst eventuell nur farbige Flcken auf dem Foto. "Bei einem ISO-Wert von 2000 muss man etwa 20 Sekunden belichten, da kann viel passieren am Himmel", sagt der Fotoexperte.

Wer sich für die Jagd nach Nordlichtern in die Natur begibt, muss auf seine Ausrüstung aufpassen. Im Winter kann die Temperatur jenseits der Polarkreise leicht weniger als minus 30 Grad betragen. Die Batterien entladen sich schnell, daher sollte man sie in die Jackentasche stecken, solange man nicht fotografiert.

Um Nordlichter zu sehen, muss man aber kein Abenteurer sein und die halbe Nacht im Wald verbringen. In Skandinavien und Nordamerika gibt es Unterkünfte, von denen aus man in den Nordhimmel schauen kann. Natürlich sind diese Hotels und Lodges nicht günstig. Eine andere Möglichkeit: an der Rezeption um einen "Aurora Call" bitten. Denn meist haben die Unterkünfte in den polaren Breitengraden einen Späher, der bei aktiven Polarlichtern einen Rundruf startet.

Übrigens sind die Nordlichter nicht nur zu sehen, wenn die Sonne sich im Winter am Polarhimmel gar nicht mehr zeigt. "Man kann sie von September bis Mai finden. Im Herbst und im Frühjahr ist es nicht ganz so kalt", sagt Fotograf Kiili.

(dpa)
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