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Individuelle Rundreise
Nur die Welt und ich

Individuelle Rundreise: Nur die Welt und ich
Mit dem Kamel zu den Pyramiden: Das geht mit einer Reisegruppe, viel mehr Freiheiten aber haben Urlauber oft, wenn sie auf eigene Faust unterwegs sind. FOTO: dpa, zeh
Düsseldorf . Wer eine individuelle Rundreise plant, muss sich über ein paar Dinge vorher Gedanken machen. Ein Patentrezept dafür, dass nichts schiefgeht, gibt es allerdings nicht.

Wer individuell eine Rundreise plant, dem steht eine besondere Zeit bevor. Eine Zeit, in der man neue Dinge auf sich wirken lässt, sich der Horizont weitet, sich das Ich anders anfühlt als daheim. Damit man den Kopf unterwegs frei hat und mehrere Wochen ohne einen Veranstalter im Rücken reibungslos ablaufen, sollten sich Individualreisende allerdings vorher über eine Sache klar werden - zumindest ein bisschen: "Wer bin ich?"

Das klingt jetzt vielleicht etwas philosophisch - aber individuelle Reisen sind so einzigartig wie die Menschen, die ins Flugzeug, in den Zug oder ihren umgebauten VW-Bus steigen. Die Checkliste, die man vorher abhaken sollte, hängt also von vielen Faktoren ab. Die wichtigsten: das eigene Sicherheitsempfinden, die persönliche Risikobereitschaft und die Gesundheit. Erst dann kommen passende Reiseziele und die finanziellen Möglichkeiten.

Sharm el Sheikh - Ägyptens beliebtester Urlaubsort FOTO: Studio Flash / Shutterstock.com

Wirklich gut auf seine Tour vorbereiten kann man sich in Sachen Gesundheit, "wobei es erst einmal kein Land oder keine Gegend auf der Welt gibt, von der ich generell abraten müsste", sagt Prof. Tomas Jelinek. Allerdings schränkt der Leiter des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf sofort ein, "dass es viele individuelle Gründe gibt, um einige Gegenden nicht aufzusuchen". Schwangere sollten zum Beispiel Länder meiden, in denen das Zika-Virus grassiert. "Auch Malaria-Gebiete sind für Frauen mit Baby im Bauch tabu", so Jelinek.
Daneben rät der Reisemediziner Herzkranken ab, in ihre Rundreisen Höhenlagen von mehr als 3000 Metern einzuplanen.

Beruhigend: Die Faustformel von einst, dass ärmere Länder auch eine schlechtere medizinische Versorgung böten, stimmt nicht mehr. "Besonders in strukturell schwächeren, asiatischen Ländern gibt es seit Jahren einen Boom von Privatkliniken", weiß Jelinek. Diese nach amerikanischem Vorbild aufgebauten Krankenhäuser versorgen die neue Oberschicht in Ländern wie Vietnam, Laos und Kambodscha. Westliche Touristen sind da im Notfall gerngesehene Patienten - vorausgesetzt, man hat eine Kreditkarte und eine Auslandskrankenversicherung. Jedoch rät die Allianz Global Assistance, "auf keinen Fall vor Ort ohne Rücksprache mit der Versicherung irgendetwas zu unterschreiben".

Doch bei aller Vorsorge: "Machen Sie sich nicht zu verrückt", rät Jelinek. Die meisten Menschen seien gesund, und gerade jüngere sollten nur eines wirklich abklären: Was für Impfungen brauche ich? "Dafür einfach fünf bis sechs Wochen vor Abflug zu einem Reisemediziner gehen und beraten lassen. Fertig", so der Professor.

Bei der Wahl der Ziele und der anschließenden Detailplanung müssen sich Individualisten im Prinzip die gleichen Gedanken machen, wie ein Reiseveranstalter. Ein Spezialist für die Planung von Rundreisen ist Tom Rostek, Produktleiter Rundreisen à la carte bei Dertour. Sein Tipp: "Wenn möglich, Hochsaisontermine vermeiden. Die Preise außerhalb der Ferien sind oft sehr attraktiv." Und überall auf der Welt funktioniert die touristische Infrastruktur besser, wenn Hotels, Pensionen und Flughäfen nicht aus allen Nähten platzen. Aus Sicht des Profis eignen sich Südafrika und China besonders gut für Rundreisen. China wegen der vielen kulturellen Höhepunkte. "Und das Land am Kap, weil die Nebenkosten vor Ort so gering sind", sagt Rostek.

Die größte Herausforderung: "die Fahrtzeiten zwischen den einzelnen Stationen richtig zu planen", so der Experte. Viele verschätzten sich bei der örtlichen Infrastruktur. Faustregel: lieber drei Stunden mehr einplanen als eine zu wenig. Ein Irrglaube ist, dass eine Rundreise ohne Veranstalter immer günstiger wäre. Den einen oder anderen Flug wird man als Einzelner immer irgendwo günstig bekommen. Doch auf die Strecke einer ganzen Rundreise mit zig Transfers, mehreren Hotels und Eintrittsgeldern gerechnet, sind die Einkaufspreise eines Konzerns kaum zu schlagen.

Dubai - Mega-Metropole in der Wüste FOTO: Shutterstock/ Arthur Hidden

Ums Geld darf es also nicht gehen, wenn man individuell unterwegs sein möchte. Wer ohne Veranstalter unterwegs ist, gönnt sich vielmehr den Luxus der Spontaneität. Eine Freiheit, vor der viele mittlerweile ja schon Angst haben, so ungewohnt ist sie in unserer durchgetakteten Gesellschaft geworden. Doch es geht: Mit niemand abends an der Bar stehen müssen, auf den man keine Lust hat. Keine Pause, wenn man selbst weiter will. Kein Weiter, wenn man selbst eine Pause will. Kein vorher bis ins Kleinste festgezurrtes Programm. Stattdessen: übernachten, wo es einem gefällt. Einfach ein paar Tage länger an einem Ort bleiben, weil man gerade jemanden kennengelernt hat. Sich die Freiheit nehmen, einen Programmpunkt komplett über den Haufen zu werfen, weil einem einfach danach ist. Unbezahlbar!

Doch wie alles im Leben hat auch die Freiheit eine Kehrseite der Medaille: Tritt eine Notlage ein, etwa politische Unruhen, ein Attentat oder eine Naturkatastrophe, dann ist kein Veranstalter da, der einen automatisch auf einer Teilnehmerliste hat und nach Hause holt. Individualisten hilft im Ernstfall die nächste Botschaft. Und der Weg dorthin kann - trotz 200 Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes (AA) - weit sein.

70 000 Deutsche haben sich im Jahr 2015 im Ausland hilfesuchend an die Konsulate gewandt. Dazu kamen Tausende Bundesbürger, denen neue Ausweisdokumente ausgestellt werden mussten. Gibt es keine erreichbare deutsche Botschaft, hilft aber auch jede Vertretung eines anderen EU-Mitgliedsstaates weiter.

Damit es möglichst gar nicht zu einer Notsituation kommt, rät das AA allen Reisenden, sich im Zuge ihrer Planungen mit den aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen auf der Website des Ministeriums auseinanderzusetzen. Denn auch wenn für ein Land keine Reisewarnung ausgesprochen ist, "kann trotzdem von einzelnen Regionen dringend abgeraten werden", sagt AA-Sprecher Heinrich Hubbe. Letztlich seien die länderspezifischen Hinweise des AA "die Basis für eine eigenverantwortliche Entscheidung", so Hubbe - also dafür, ob man eine Reise macht oder nicht.

(dpa)
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