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Stralsund
Reif für die Halbinsel

Stralsund. Fischland-Darß-Zingst ist vielleicht Deutschlands schönste Halbinsel. Aber auch das Hinterland lohnt einen Besuch. Von Ekkehard Eichler

Fischland. Darß. Zingst. Bei diesen Namen schnalzen Ostsee-Kenner genüsslich mit der Zunge. Wegen der Puderzuckerstrände, die an der Westflanke zwischen Dierhagen und Darßer Leuchtturm und im Norden zwischen Prerow und Zingst nahtlos ineinander übergehen. Wegen des Nationalparks "Vorpommersche Boddenlandschaft", der seit 25 Jahren alle Welt fasziniert mit seiner Vielfalt an Landschaften, Gewächsen und Tieren. Wegen zigtausender Kraniche, die hier zweimal jährlich einen ausgiebigen Zwischenstopp zum Tanken und Tanzen einlegen. Wegen der rostbraun getakelten Zeesboote, die zu Törns um die Halbinsel und auf Regatten um den Sieg segeln. Wegen der Kunst- und Fotoszene, die ihren Ursprung einst in der Künstlerkolonie Ahrenshoop hatte. Und nicht zuletzt wegen diverser Hotels und Lokale, die auch verwöhnten Schlemmern ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Kurzum: Auf Fischland-Darß-Zingst kann so ziemlich jeder sein persönliches Urlaubsglück finden. Ob beim Baden oder Segeln, beim Radeln oder Wandern. Ob beim Futtern oder Fasten, beim Vögel gucken oder Fische fangen. Ob mit Familie oder solo. Ob mit Hund oder sogar auf dem Pferd - auf "FDZ" kann sich jedermann nach Herzenslust austoben. Sofern er sich an die Regeln hält.

Bei aller Ostsee-Euphorie wird dabei oft vergessen, dass Fischland-Darß-Zingst auch ein Hinterland hat. Das ist jammerschade. Denn jenseits vom Bodden, nur wenige Minuten weg von Sonne, Strand und buntem Treiben, belohnt eine Welt voller kleiner Wunder denjenigen, der sich auf die Suche macht. Ganz und gar malerisch zum Beispiel mäandert die Recknitz durch die romantische Wildnis uralter Torfmoore. Ein vorpommersches Flüsschen, das urwüchsige Natur in frappierender Einsamkeit und Stille offenbart. Ein Paddelrevier, wie man es sich schöner kaum vorstellen kann: mit Weiden und Schilfinseln. Mit Trollblumen und Orchideen, Libellen und Moorfröschen, Fischottern und Molchen.

Seit dem Mittelalter wurde auf dem Grenzfluss zwischen Mecklenburg und Vorpommern Salz transportiert - vor allem aus der Saline in Bad Sülze, die bereits 1243 urkundlich erwähnt wird. Im Salzmuseum der Stadt erfahren Besucher so gut wie alles über unser wichtigstes Gewürz, in den Wellness-Salztürmen von Trinwillershagen die wohltuende Wirkung von salzhaltigem Mikroklima am eigenen Leib. Und auf dem Wirtshausschild vom "Schmugglerkrug" in Eixen schleppt nicht von ungefähr ein Mann einen schweren Sack über die Grenze - das "weiße Gold" war die klammheimliche Schufterei seinerzeit offenbar mehr als wert.

Auch das "Gold des Nordens" kann man hier in erstaunlicher Masse und Klasse erleben: Das "Deutsche Bernsteinmuseum" zu Ribnitz-Damgarten präsentiert Europas schönste Bernsteinausstellung mit 1600 ausgesuchten Exponaten im atmosphärischen Backsteinkloster. Und in der Schaumanufaktur von Ostdeutschlands größtem Schmuckproduzenten am gleichen Ort spielt Bernstein ebenfalls eine herausragende Rolle - auf drei Etagen des beeindruckenden Bauwerks.

Zum regionalen Touristenmagnet hat sich in den letzten 20 Jahren eine Einrichtung gemausert, in der man Störchen genauso begegnet wie Steppenadlern, Uhus und Kakadus, - der Vogelpark Marlow. Hier leben Tiere aus allen Kontinenten in außergewöhnlichen Anlagen wie zum Beispiel begehbaren Riesen-Volieren. Einmalig etwa der Nachbau des Nationalparks oder die Küstenvogelvoliere, wo man Austernfischern, Kormoranen und Lachmöwen zur Brutzeit sogar direkt ins Nest schauen kann. Der neueste Clou: In drei Baumpfahlhäusern kann man direkt im Vogelpark übernachten, entweder mit Blick auf Südamerika- und Madagaskaranlage oder sogar mittendrin im Storchenrevier.

Quelle: RP
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