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Berlin
Reisen zu den Fabelwesen

Berlin. Fabelwesen beflügeln die Fantasie: Existieren Bigfoot, Yeti und Dracula vielleicht wirklich? In vielen Regionen der Welt können sich Reisende auf die Suche begeben. Von Oliver Kauer-Berk

Das angesagteste Fabelwesen dieser Tage ist ohne Zweifel das Taschenmonster, kurz: Pokémon. Es taucht auf Smartphone-Bildschirmen auf und lässt sich fangen. Für die meisten mythischen Kreaturen dieser Erde gilt das nicht. Sie wurden weder jemals zur Strecke gebracht, noch gibt es handfeste Beweise für ihre Existenz. Doch der Aberglaube ist stark. Und deshalb können Urlauber an vielen Orten auf Fabelwesen stoßen. Zumindest auf deren Heimat und Mythos.

Bigfoot, USA In Nordamerika wurde er in den vergangenen Jahrhunderten angeblich immer wieder gesichtet: Bigfoot. Ein riesiges, stark behaartes Tier von Menschengestalt mit überdimensionalen Füßen. Die Bigfoot Field Researchers Organization nimmt an, es handele sich um ein seltenes Tier, wahrscheinlich einen Primaten. Andere Wissenschaftler sehen ein kulturelles Phänomen: Der Bigfoot werde durch Sichtungen bekannter Tiere, Wunschdenken und gefälschte "Beweise" am Leben gehalten.

Troll, Skandinavien Der Troll spielt in den norwegischen Volksmärchen eine große Rolle, man findet ihn aber auch an den Souvenirständen zwischen Hammerfest und Malmö oder auf Island und in Dänemark. Der Troll ist ein beliebter Namensgeber, besonders in Norwegen. Die Wanderregion Trollheimen ist nach dem Unhold benannt, der angeblich kleine Kinder stiehlt. Das verschweigt man im Familienurlaub besser. Stattdessen erklärt man mit dem Troll alles Unerklärbare: Wer war's? Der Troll war's!

Yeti, Himalaya Zwei bis drei Meter soll das Wesen groß sein und Fußabdrücke von mehr als 40 Zentimetern im Schnee hinterlassen. Zu Hause ist der Yeti im höchsten Gebirge der Welt, dem Himalaya. Bergsteiger Reinhold Messner kommt - wie auch Zoologen - zu der Auffassung, dass der Yeti mit dem Tibetbären identisch sein könnte. Wer beim Trekking felsenfest glaubt, einen Yeti zu sehen, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen: Eine ernstzunehmende Höhenkrankheit kann Halluzinationen auslösen.

Nessie, Schottland Eines der am meisten beforschten Fabelwesen ist Nessie. Das Ungeheuer von Loch Ness soll eine Seeschlange von bis zu 20 Metern Länge sein. Das legen Erwähnungen und angebliche Sichtungen nahe, die bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Richtig berühmt wurde Nessie ab 1933 durch Zeitungsberichte. Ein Dutzend Filme widmeten sich seitdem der "Bestie aus der Tiefe". Die meisten Wissenschaftler glauben an absichtliche Falschmeldungen oder grobe Fehlbestimmungen anderer Tiere. Fest steht: Loch Ness, mit 230 Metern der tiefste See Schottlands, ist wegen Nessie eine der populärsten Touristenattraktionen des Landes.

Meerjungfrau, Dänemark Zugegeben, die Meerjungfrau ist kein Ungeheuer. Und es gibt eine klare Vorstellung von ihr: oben Mensch, unten Fisch. Dafür sorgte der Dichter Hans Christian Andersen mit seinem Märchen "Die kleine Meerjungfrau". Die Meerjungfrau geht auf die Sagenfigur der Undine zurück, einen weiblichen Wassergeist, der von einem Bräutigam erlöst wird.

Skinwalker, USA Die Navajo-Indianer im Reservat zwischen Utah, Arizona und New Mexico fürchten bis heute die bösen Menschen, die sich in beliebige Tiere wie Kojoten, Füchse oder Wölfe verwandeln können - oder sogar in andere Menschen. Dann verbreiten sie Unheil. Über "den, der auf allen Vieren geht", redet der Navajo mit Fremden für gewöhnlich nicht.

Kappa, Japan Dieser Kobold ist genauso süß wie heimtückisch und in Japan eine große Nummer. Die Mischgestalt - ein Affe mit Schildkrötenpanzer auf dem Rücken und Schwimmhäuten - lebt dem Volksglauben nach in Gewässern und zieht andere unter Wasser. Die größte Schwäche des Kappa ist eine Delle in der Schädeldecke, die stets mit Wasser gefüllt sein muss. Sonst verliert der Dämon seine Kraft. Reisende müssen sich vor dem Kappa verbeugen, worauf sich dieser freundlich wie alle Japaner ebenfalls verbeugt.

Drop Bear, Australien Dieses Beuteltier soll auf australischen Bäumen leben und sich von oben herab auf den Kopf seiner Opfer fallen lassen. Das Wesen sieht dem Koala ähnlich und kann etwa durch Zahncreme hinter den Ohren abgeschreckt werden. Touristen werden öfter Opfer des Drop Bears als Menschen mit australischem Akzent - wenn man einem Aprilscherz des Magazins "Australian Geographic" glaubt.

Vampir, Südosteuropa Er ist der Filmstar unter den Fabelwesen. Sein Mythos geht auf den Aberglauben zurück, dass das Trinken von Blut neues Leben spendet. Der Vampir ist demnach ein wiederbelebter menschlicher Leichnam auf Nahrungssuche. Sein bekanntester Vertreter: der Rumäne Dracula. Ein Vampir kann mit einem Holzpflock ins Herz getötet werden. Auch mit Weihwasser, Knoblauch und einem Kruzifix sind schreckhafte Reisende in Transsilvanien, Bulgarien oder Albanien gut ausgerüstet.

Wolpertinger, Bayern Wer im Freistaat Urlaub macht, hat gute Chancen, bei der Einkehr im Wirtshaus einen echten Wolpertinger zu erleben - Tierpräparatoren sei Dank. Leichtgläubige Touristen, die eines der legendären bayerischen Fabelwesen ihr Eigen nennen wollten, gab es früher offenbar viele. Jeder Wolpertinger scheint einzigartig, unterschiedliche Tierarten geben ihm ein Gesicht. Oft hat er einen gehörnten Hasenkopf und Flügel. Einen echten Wolpertinger können nur junge, hübsche Frauen bei Vollmond erblicken, wenn sie vom Mannsbild in den Wald begleitet werden. Dabei haben sich die Bayern sicher was gedacht.

(dpa)
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