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Ostafrika
Sagenhafte Mondberge

Ostafrika: Sagenhafte Mondberge
Wilder Bach entlang des Weges zum Bugata Camp - neblig und verwunschen sieht die Natur im Ruwenzori aus. FOTO: Philipp Laage
Im Herzen Ostafrikas liegen die legendären Mondberge, das höchste nichtvulkanische Gebirge des Kontinents: Ruwenzori. Eine Trekking-Tour. Von Philipp Laage

Wenn sich der Nebel in den Mondbergen lichtet, zeigt sich eine scheinbar urzeitliche Version dieser Welt. Lobelien und Senezien ragen bis zu vier Meter in die Höhe. Flechten hängen an den Ästen der Bäume wie Bärte schweigsamer Naturgeister. Sümpfe, Feuchtigkeit, nasse Erde, schier undurchdringliches Grün: Die Landschaft wirkt im Sinne des Wortes sagenhaft.

Ruwenzori heißt dieses Gebirge auf der Grenze von Uganda und dem Kongo in Ostafrika. Seine höchsten Gipfel messen mehr als 5000 Meter und sind noch vergletschert. Der Begriff Mondberge soll auf Ptolemäus zurückgehen, der schon 150 nach Christus von schneebedeckten Bergen in Afrika sprach. Schlammige Pfade führen durch enge Täler. Ohne Gummistiefel geht nichts. Übernachtet wird in kargen Hütten ohne Strom und Wasser oder in Zelten.

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"Die Herausforderungen sind das steile Terrain, der Matsch und die rutschigen Stämme, die Höhe und Wetterbedingungen, die körperliche Fitness", sagt Richard Dramaza, 33. Der junge Mann ist einer der beiden Bergführer auf dieser einwöchigen Trekkingtour. Der andere ist Samuel Ociti, 31, mehr der Typ Draufgänger.

Aufbruch in Kilembe. Das kleine Dorf westlich der Stadt Kasese besteht aus Kirche, Schule und einfachen Hütten. Die heimischen Bakonjo sind vor allem Bauern. Auf den Feldern rund um das Dorf pflanzen sie Bohnen, Kaffee und Maniok an. Von den unwirtlichen Bedingungen im Ruwenzori ahnt der Wanderer hier noch nichts.

Die Agentur Rwenzori Trekking Services betreibt in Kilembe ein Gasthaus. Der von ihr unterhaltene Kilembe Trail wurde im Jahr 2008 eröffnet. Vorher waren fast alle Touristen auf dem Central Circuit Trail weiter nördlich unterwegs. Beide Routen treffen unterhalb des Mount Stanley aufeinander. Das Ziel ist der 5109 Meter hohe Margherita Peak. Die Bakonjo glauben, dort wohne das Götterpaar Ketasamba und Nyabibuya. Wenn es sich bewegt, heißt es, dann lösen sich Steine.

Diese Gefahr ist noch fern an den unteren Hängen des Ruwenzori. Dicht und überschwenglich steht hier die Vegetation. Lianen umschlingen die Tropenbäume des immergrünen Bergwalds. Wo der Nationalpark beginnt, betreibt die Uganda Wildlife Authority einen Rangerposten. Danach wird der Pfad steil. Unten im Tal rauscht ein Fluss. Auf 2500 Metern beginnt die zweite Vegetationsstufe, der Bambuswald. Dicht und haushoch stehen die Stämme. Der erste Trekkingtag endet nach sechs Stunden Wanderung im Kalalama Camp auf 3134 Metern mit einem heftigen Platzregen. Die Sonne verschwindet.

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Am folgenden Morgen verlässt man endgültig die Spuren der Zivilisation und betritt eine kaum zugängliche Welt des Nebels, durchsetzt von Bächen und Tümpeln, überzogen mit Heidekraut und mythisch anmutenden Riesengewächsen. Immer wieder bleiben die Gummistiefel im Matsch stecken. Schwer vorstellbar, wie sich die ersten Entdecker durch diese Wildnis gemüht haben müssen. Der Tourismus hatte es lange schwer, auch wegen der Diktatoren Obote und Amin. Während des Zweiten Kongokrieges schloss die Regierung Ugandas den Nationalpark. In dem Unesco-Weltnaturerbe operierten Rebellengruppen. 2001 wurde der Park wieder für ausländische Besucher geöffnet.

Auf dem Weg zum Bugata Camp lichtet sich die Vegetation mehr und mehr, je höher man aufsteigt. Die alpine Zone kommt näher. Abends fällt der Blick vom Lager auf 4062 Metern über das Namusangi-Tal mit seinen Gletscherseen. Der Himmel reißt für ein paar Minuten auf, dann wird es schnell dunkel. Die Träger kochen jetzt Reis und Gemüse. Ohne sie wäre ein Trekking im Ruwenzori nicht möglich.

Schlüpfrig ist der Steig hinauf zum Bamwanjara-Pass (4450 Meter) am Tag darauf. Der Regen hat den Weg in einen Bach verwandelt. Steiler noch ist aber der Abstieg durch einen nebelverhangenen Senezienwald. Hier zeigen sich für ein paar Minuten die höchsten Gipfel des Ruwenzori: zackige, schneebedeckte Felstürme. Wenig später fällt der Blick auf einsame Bergseen inmitten grün bewachsener Hänge und dahinter auf ein dichtes Wolkenmeer. Die Hänge westlich des Sees gehören schon zur nördlichen Kivu-Provinz im Kongo. Statt dorthin biegt der Wanderpfad zum Stanley-Massiv nun nach Nordosten ab.

Eine weitere Übernachtung im Hunwick's Camp auf 3974 Metern wird fällig, bevor am nächsten Tag die letzte Tagesetappe vor der Gipfelnacht ansteht. Unverändert sumpfig und feucht führt der Weg vorbei an den Kitandara-Seen hinauf zum höchsten Lager der Tour. Um drei Uhr nachts betritt Richard das mannshohe Zelt mit den Stockbetten - Zeit aufzubrechen. Das Gestein ist glatt. Nach gut einer Stunde folgt der erste Gletscher. Danach seilt sich Samuel über eine steinschlaggefährdete Felsrinne bis zum Fuß des Margherita-Gletschers ab. Der Anstieg über dieses Eis ist steil.

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Die Nacht verschwindet langsam, die Wolken bleiben. Die letzten Höhenmeter zumGipfel führen in leichter Kletterei über verschneite Felsen. Hier wird auf einmal die Sicht frei. Was fühlt man hier oben, so entrückt von der Welt? Erschöpfung, Erleichterung, Erhabenheit.

Quelle: RP
 
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