| 18.33 Uhr
Garmisch-Partenkirchen
So gesund ist Wandern auf der Zugspitze
Heilklimatische Wandertour am Fuße der Zugspitze
Heilklimatische Wandertour am Fuße der Zugspitze FOTO: dpa, Verena Wolff
Garmisch-Partenkirchen . Wandern erfreut sich großer Beliebtheit. In Garmisch-Partenkirchen hat man ein Rezept gefunden, aus der besonderen Lage und der hervorragenden Luft ein spezielles Angebot zu machen: Beim heilklimatischen Wandern geht es um mehr als Ausdauer. Von Verena Wolff

Es ist nicht besonders schön an diesem Wintertag in Garmisch. Die Berge sind in dicke Wolken gehüllt, in der Nacht hat es geschneit. Doch jetzt fällt Regen. Es ist grau, es ist nass und kalt. Ein Wetter, um sich ins Bett zu kuscheln oder den Tag in der Sauna zu verbringen. Doch auch im bayerischen Oberland gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung.

Also: Bergschuhe und Pulsuhr an, Walkingstöcke rausholen, Funktionskleidung in Lagen - "aber nicht zu viel, denn wir kommen ordentlich ins Schwitzen", sagt Christine Söllner.

Eine Tour mit Mehrwert

Sie schaut in die Runde, an jedem Wanderer bleibt ihr Blick kurz hängen. "Wie geht es euch denn?", fragt sie - und meint das ganz ernst. Von jedem will die Klimatherapeutin und Wanderführerin wissen, ob er Leiden oder Wehwehchen hat - und wie die Tagesform ist. "Nur so kann ich eine Wanderung leiten, die allen Spaß macht", sagt sie. Denn ihre Gruppe geht nicht einfach nur wandern in den Bergen um Garmisch und Partenkirchen. Christine Söllner leitet eine heilklimatische Wanderung - eine Tour mit Mehrwert, wie es beim Fremdenverkehrsamt heißt.

Puls- und Blutdruckmessen, Atemtechniken und das sogenannte Thermoregulationstraining - das alles gehört dazu, wenn Söllner mit ihren Gruppen loszieht. Sommers wie winters, bei Sonnenschein, Regen und Schnee.

Schöllers Gruppe blickt an diesem Morgen noch etwas skeptisch drein: Alle Teilnehmer haben sich aufgerafft und stehen nun vor dem Skistadion, dem Ausgangspunkt für die Tour. Und sie alle wollen los, denn es wird nicht wärmer, wenn man Gipfel und Sprungschanzen anschaut. Doch zunächst weist die Bergführerin die Wanderer ein:
Passen die Stöcke? Wie ist der Ruhepuls, wie der Blutdruck?

Garmisch-Partenkirchen ist einer von nur 15 heilklimatischen Kurorten der Premium-Class in Deutschland. Das bedeutet, dass der Ort am Fuß der Zugspitze nicht nur Reizklima hat, sondern auch besonders gesunde und allergenarme Luft. Dazu mehr als 300 Kilometer markierter Wanderwege. Und eben die speziell ausgebildeten Klimatherapeuten, die die Gruppen begleiten und anleiten.

Pause in der Partnachklamm

Am Eingang der Partnachklamm die erste Pause: Ein paar Euro Eintritt sind fällig, und schon steht man drin im finsteren, schmalen Tunnel. Immer wieder ist der Blick zwischen den einzelnen Abschnitten frei auf die Felsen, über die die Partnach hier rauschen muss und wilde Stromschnellen formt.

Auch dieser Weg ist bald geschafft, allerdings sieht man nun deutlich mehr Atemwolken in dem immer noch trüben Himmel: "Wir sind dieses Bergauf einfach nicht gewohnt", sagt ein Wanderer aus dem Ruhrgebiet und muss einen Moment Luft holen. Belohnt werden die Gäste mit endlosem, unberührten Schnee und einem etwas aufreißenden Himmel. Das Ziel ist schon zu sehen: das Forsthaus Graseck auf 903 Metern Höhe, ebenfalls idyllisch eingeschneit.

Ein Schmankerl hat Söllner noch in petto, davon weiß ihre Gruppe noch nichts: Niemand muss mehr durch das wenig einladende Wetter zurück ins Tal. Hinter dem Haus fährt die Graseckbahn ab, die älteste Kleinkabinenbahn der Welt. Und dann wird es Zeit, sich schön warm ins Ferienquartier zu kuscheln oder schwimmen zu gehen - denn die Ansage der Wanderführerin war richtig: Sie hat ihre Gäste ins Schwitzen gebracht.

Quelle: dpa
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