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Pro und Contra
Soll das Handgepäck kleiner werden?

Soll das Handgepäck kleiner werden? - Pro und Contra
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Düsseldorf. Die führenden Airlines haben sich auf kleinere Koffer-Standards für das Kabinengepäck verständigt. Die einen finden das gut, die anderen sind dagegen. Was wofür spricht, lesen Sie hier. Von Stefan Weigel und Horst Thoren
  • JA.

Die Maßeinheiten für Handgepäck sind nicht Kubikzentimeter oder Liter, sondern Tage, Wochen oder Monate: Wer mit Handgepäck verreist, muss keinen Koffer aufgeben, er kann direkt zur Sicherheitskontrolle gehen und eine halbe Stunde später am Flughafen sein. Ein wichtiger Unterschied, wenn man den Flieger um 6.10 Uhr nehmen muss.

Wer mit Handgepäck reist, muss bei der Ankunft nicht am Gepäckband warten; er spart noch eine halbe Stunde. Ein wichtiger Unterschied abends auf dem Heimweg.

Wer mit Handgepäck verreist, läuft nicht Gefahr, nach Rom umzusteigen, während sein Gepäck nach Mailand fliegt. Da spart er - na, Sie wissen schon. Kurzum: Handgepäck ist Lebenszeit.

Das wissen viele Menschen, was wiederum erklärt, warum die Koffer nun schrumpfen sollen. Denn leider wissen die Airlines mittlerweile nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug. Die Fächer über den Sitzen reichen bei weitem nicht aus, wenn ein Flugzeug ausgebucht ist. Und anders als viele Stewardessen glauben, kann der normal gewachsene Mitteleuropäer unter dem Vordersitz entweder seine Füße verstauen oder sein Gepäck, aber nicht beides.

Während verzweifelte Reisende dann versuchen, für ihren Trolley doch noch Platz im überfüllten Gepäckfach zu finden, blockieren sie den Gang, das Einsteigen verzögert sich, das Flugzeug kann nicht pünktlich starten. Mühsam gewonnene Lebenszeit verrinnt nutzlos.

Um dieses Problem zu lösen, kann man mehr Platz schaffen oder die Größe des Handgepäcks reduzieren. Mehr Platz würde zwangsläufig den Ticketpreis treiben.

Meine Wahl ist daher klar: Ich fliege lieber für weniger Geld mit weniger Handgepäck. Wer das nicht will, kann ein Business-Ticket buchen, dann darf er zwei Köfferchen mitnehmen.

 

  • NEIN.

In der Schlange stehen nervt. Besonders am Flughafen. Wer für ein, zwei Tage verreisen will, ist deshalb dankbar, wenn er zumindest am Gepäckschalter nicht anstehen muss. Doch diese Zeitersparnis könnte demnächst wegfallen. Denn das erlaubte Handgepäck soll kleiner werden. Viel kleiner.

Wenn aber in der Mini-Tasche nicht einmal mehr genug Platz bleibt, um das Ersatzhemd, die Shorts, ein T-Shirt und den Kulturbeutel zu verstauen, dann bleibt nur noch der Weg über die Gepäckschlange. Das kostet Zeit. Gern mal mehr als eine halbe Stunde zusätzlich, wenn am Terminal wieder einmal Touristenflieger und Dienstreisende aufeinander treffen.

Begründet wird die neue Errungenschaft mit Platzmangel (im Flugzeug) und Zeitersparnis beim Aus- und Einsteigen. Lächerlich. Gute Airlines sammeln am Flugzeug sperriges Handgepäck ein und geben es nach dem Ausstieg zurück. Gedrängelt wird (leider) immer. Daran ändert auch die jetzt verordnete Schrumpftasche nichts.

Was die Viel- und Kurzzeitflieger am meisten ärgern wird: Sie brauchen jetzt alle neue Trollys. In die passt zwar kaum noch etwas hinein, dafür sind die Rollkoffer vermutlich nicht gerade billig, weil die Hersteller sich bei der Produktion auf die bisherigen Standardmaße eingestellt hatten.

Ein Glück, dass die neue Vorschrift nicht verpflichtend ist. Die Entscheidung, ob die neue Mini-Tasche oder das Standard-Handgepäck zugelassen wird, trifft jede Fluglinie für sich. Das könnte in Zukunft (neben Preis und Service) ein wichtiges Argument bei der Wahl der Fluglinie sein.

Für mich lautet das neue Qualitätskriterium: Platz satt für Handgepäck!

Quelle: RP
 
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