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Spa: Neuer Glanz für alte Pracht
Die belgische Kleinstadt mitten im Grünen war einst das St. Moritz des 19. Jahrhunderts. Jahrhunderte lang kamen Könige zum Kuren und Promis zum Protzen. Dann blieben die Gäste weg. Heute wird der Tourismus wiederbelebt – auch mit Bed-and-Breakfast auf Luxus-Niveau. Von Christian Schreiber

Spa In jedem besseren Hotel findet man mittlerweile eine ausufernde Relax-Zone namens Spa. Die drei Buchstaben stehen für Erholung, Wohlfühlen und Abschalten. Aber nur wenige wissen, wo dieser Begriff herkommt – aus Spa in Belgien, irgendwo im Nirgendwo zwischen Aachen und Lüttich, 10 000 Einwohner, eine Hauptstraße, eine Kirche, viele Quellen, Ursprung der Wellnessbewegung. Jahrhunderte lang kamen Könige zum Kuren und Promis zum Protzen. Spa war das St. Moritz des 19. Jahrhunderts. Aber das Erbe war zuletzt eine Bürde. Nach Kriegen und Krisen blieben die Reichen und Schönen fast 40 Jahre weg, der Ruhm zerbröselte wie der Putz an den Häusern. Aber nun tut sich etwas: Alte Bauten werden restauriert, und mutige Investoren verwandeln die heruntergekommenen Villen in komfortable Bed-and-Breakfast-Hotels. Ein Besuch in Spa lohnt sich – wieder.

Bis vor kurzem werkelten noch die Restauratoren im Zentrum, um der historischen Trinkhalle "Pouhon Pierre Le Grand" wieder ein freundliches Gesicht zu geben. Vor dem Kasino blühen Blumen, der Springbrunnen spuckt Fontänen Richtung Baumkronen. Das benachbarte Kurbad wird in ein Nobel-Hotel verwandelt. Die Räte der Stadt wollten damals keine astronomischen Summen in die Hand nehmen, um das alte Bad in einen Wellness-Tempel zu verwandeln. Sie beschlossen einen Neubau am Hang, der jetzt hoch über Spa thront. Ein kluger Schachzug, denn der Ausblick über die Stadt und das Hohe Venn fördern die Entspannung gleich doppelt. Zwar kann die Therme in Sachen Größe und Bespaßung nicht mit den Big Playern im Alpenraum mithalten, aber es wurde an alles gedacht: Außenbecken, ein Stockwerk für Behandlungen und Saunabereiche. Das lockt monatlich knapp 15  000 Gäste. Damit sind alle zufrieden. Fast alle.

"Man könnte aus Spa noch viel mehr machen", sagt Georges Lacroix. Er gehört zu einer Generation mutiger Hoteliers, die ein neues touristisches Thema für die Region entdeckt haben: Bed-and-Breakfast auf Luxus-Niveau. Hinter meterdicken Hecken, hochhausgroßen Bäumen und verfallenen Zäunen thronen alte Villen. Manche sehen aus wie Schlösser aus Harry-Potter-Filmen. Erker hier, Türmchen da, Spitze obendrauf. Im 18. und 19. Jahrhundert waren sie die Zweitwohnsitze für Industrielle und Adlige. Heute kann sich kaum jemand den Unterhalt der ehemaligen Luxus-Schuppen mehr leisten.

Außer man macht es wie Georges. Er kam als Urlauber aus Brüssel und erlag dem Charme der alten Villa mit 20 Zimmern. Wenig später nahm er einen Kredit auf, modernisierte das Haus und füllte es mit Leben. In fünf stilvoll-schnuckelig eingerichteten Doppelzimmern übernachten jetzt Paare, die die Aura alter Häuser zur Entspannung und zum Entschleunigen nutzen. Dabei hilft natürlich auch ein Thermenbesuch oder eine Wanderung durch das Hohe Venn. Georges grüßt ein junges Paar im Wald, das bei ihm im "weißen Zimmer" wohnt und sich gerade mit Plastikbechern zuprostet. Darin ist Wasser, frisch gezapft am Brunnen der Sauvenière, die unter anderem die Fruchtbarkeit fördern soll. "Heute Morgen haben sie mir beim Frühstück erzählt, dass sie noch keine Kinder haben", sagt Georges.

Quelle: RP
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