Städtereisen Rhodos
Verborgene Schönheiten

Rhodos entdecken
Rhodos entdecken FOTO: Rhodos Tourism
Rhodos (rpo). Rhodos - das ist fast wie Ballermann, nur auf griechisch. An der Ostküste der Insel haben sich Tausend-Betten-Hotels breitgemacht, Souvenirläden, Gyrosbuden und Cocktailbars gehören zum Bild. Doch es lohnt sich ein zweiter Blick auf die griechische Ferieninsel, der die Augen öffnet für die verborgenen Schönheiten.

 

Die Luft ist modrig und feucht in dem Raum, der auf den ersten Blick wie eine in den Fels gehauene Höhle aussieht. Nur die Vertiefungen in den Wänden lassen erahnen, wofür die mitten in Rhodos-Stadt gelegenen Stätten früher einmal gedient haben: Es sind Gräber. "Wo immer in Rhodos gegraben wird, findet man antike Überreste", sagt der Archäologe Michael Triantafillou. Da es so viele von ihnen gibt, werden die Katakomben derzeit nicht erforscht. Sicher ist nur, dass sie weit verzweigt und einige Grabstätten vollständig erhalten sind. Und so bekommen die Nischen der Höhlen auf den zweiten Blick eine neue Bedeutung, die Besucher leicht erschauern lässt.

Es lohnt sich, auf Rhodos genau hinzuschauen; vorbeizublicken an den Tausend-Betten-Hotels, die sich an der Ostküste breit machen, vorbei an den Busladungen voll Touristen und den obligatorischen Souvenirläden, Gyros-Buden und Cocktailbars mit ihren bunt bemalten Säulen aus Gips. Der zweite Blick zeigt kleine Schätze: verwinkelte Gässchen, in denen nur ein abgestelltes Moped zeigt, dass die Zeit hier nicht in früheren Jahrhunderten stehen geblieben ist; Innenhöfe mit kunstvoll gelegten Bodenmosaiken; oder wilden Oregano, der aus Felsritzen sprießt.

300 Sonnentage im Jahr

Wer den Touristenmassen entfliehen möchte, findet auf der Insel kleine Oasen. Ulla Poporou verkauft Tickets am Einlass des Hamams, des städtischen Bades in Rhodos-Altstadt. Zu einer Zeit, als ihr Gesicht noch keine Falten hatte, heiratete die Dänin einen Griechen. "Ich vermisse nur den Schnee", sagt sie. Auf Rhodos scheint an rund 300 Tagen im Jahr die Sonne. Von Mai bis Ende Oktober läuft die Saison. Voll wird es vor allem im Juli und August, wenn das Thermometer bis auf über 40 Grad klettert und die Badegäste zu den Stränden eilen.

Ins Hamam kommen jedoch nur wenige Besucher. Dort, unter einer Kuppel mit Sternenfenstern, durch die Sonnenstrahlen einfallen, dringen die Stimmen von draußen gedämpft herein. Gelegentlich fällt ein Wassertropfen auf den Marmorboden und hallt leise nach. Das Hamam wurde bereits im Jahr 1558 errichtet und hat sich seitdem nur wenig verändert. An den Wänden des großen Baderaums hängen Marmorbecken. Abwechselnd können sich die Badenden kaltes und warmes Wasser über den Körper gießen, so wie es hier einst die Türken taten, die fast 400 Jahre lang auf der Insel herrschten.

Moscheen in der Altstadt

Die Moscheen in der Altstadt sind Zeugen dieser Zeit. Das Minarett der Suleiman Moschee, nur wenige Straßen vom Städtischen Bad entfernt, ragt rund 30 Meter gen Himmel. Es ist in etwa so hoch, wie der einst als Weltwunder berühmt gewordene Koloss von Rhodos und gibt eine Idee davon, wie die Statue einst über die Stadt gethront haben muss, bevor sie 227 vor Christus bei einem Erdbeben einstürzte.

Wo einst die antike Stadt lag, stehen heute mittelalterliche Häuser, eingerahmt von einer vier Kilometer langen Stadtmauer. Die Befestigungsanlage wurde im 13. Jahrhundert von den Byzantinern errichtet und später von den Rittern des Johanniterordens bis auf 14 Meter Breite verstärkt. Doch auch die dickste Mauer konnte den Einfall der Türken 1523 nicht verhindern. Später kamen Italiener, Deutsche und Briten, bevor 1948 die Griechen die Insel übernahmen. Trotz dieser bewegten Geschichte ist die Altstadt fast vollständig erhalten geblieben.

Ritterstraße mit prächtigen Gebäuden

Zu den Hauptsehenswürdigkeiten gehört die Ritterstraße mit den prachtvollen Herbergen der Johanniter und dem Großmeisterpalast, den Italiens Duce Mussolini viel zu groß nachbauen ließ. Abseits davon sind die Gassen leer. Wein rankt über steinerne Streben, die die Häuser wie Torbögen verbinden und als traditioneller Erdbebenschutz dienen. Gelegentlich erlaubt ein geöffnetes Fenster einen Blick in Wohnungen, in denen einige alte Rhodier noch wie in früheren Zeiten leben: in einem einzelnen Raum mit dem auf einem Podest gebautem Bett, um möglichst viel Platz für Habseligkeiten zu schaffen.

"In diesen Häusern lebten früher bis zu acht Personen", erzählt Artemis Kakkiou. Nur ein Vorhang schützte die Privatsphäre der Eltern vor den Blicken ihrer Kinder. Kakkiou führt durch ein traditionelles Haus im alten Ortskern von Kóskinou, das heute ein Museum ist. Das Dorf, neun Kilometer südlich von Rhodos gelegen, hat im Zentrum seinen ursprünglichen Charme bewahrt und steht heute zum Teil unter Denkmalschutz. Trotzdem bleiben die Touristenbusse weitgehend fern, und so lässt es sich ungestört durch die Gässchen schlendern. Bunte Türen zieren die Häuser, und so mancher, dem das nicht reichte, malte gleich sein ganzes Haus in leuchtenden Farben an.

Leckereien aus Honig und Sesam

Wenige Schritte von dem historischen Haus entfernt, backt Sofia Moskou Hochzeitskuchen. Zu jeder Hochzeit wird die Leckerei aus Honig, Sesam und Orangenschalen an die Gäste verschenkt. "Das Leben des Paares soll so süß sein wie der Honig", erklärt sie. Doch während früher die Frauen zu Hause gemeinsam die Küchlein backten, ist diese Tradition heute verloren gegangen - eine Marktlücke für Sofia Moskou, die seither tagein, tagaus tausende Hochzeitskuchen backt.

Tradition wird auch bei Michalis und Dimitris Mavrikos groß geschrieben. Die Brüder kochen in ihrem Restaurant nach Rezepten der Großmutter: Soupioriso zum Beispiel, Risotto mit Sepiatinte, ein traditionelles Gericht in Lindos. Lindos liegt im Südosten von Rhodos und war in der Antike neben Ialyssós und Kamirós der dritte Stadtstaat der Insel und ein bedeutender Seehafen. Die meisten der kubisch geformten weißen Häuser, die sich an den Berg anschmiegen, stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden von wohlhabenden Reedern aufwendig gestaltet. Neue Gebäude dürfen nur im traditionellen Stil errichtet werden, und so gehört Lindos zu den schönsten Inseldörfern.

Atemberaubender Blick aufs Wasser

Hoch oben über den Wohnhäusern erhebt sich, durch mittelalterliche Ritterbauten eingefasst, die Akropolis mit dem Athenetempel. Hier drängen sich die Besucher hinauf, entweder auf dem Rücken eines Esels oder zu Fuß, vorbei an überladenen Souvenirständen. Den Touristen hier auszuweichen ist nur früh am Morgen und spät abends möglich. Doch der Aufstieg lohnt, schon allein wegen des Blickes auf das türkisblaue Wasser. Zu Linken liegt die Bucht von Lindos, rechts die Apostel-Paulus-Bucht, in der - so erzählt es die Legende - der Apostel im Jahr 51 nach Christus gelandet sein soll.

Doch auch im Gedränge von Lindos gibt es ruhige Stellen. Zum Beispiel unter der Kuppe des riesigen Baums, der mitten im Restaurant der Mavriko-Brüder wächst. Abseits von Souvláki und Pommes Frites servieren sie die Mezédes genannten traditionellen griechischen Vorspeisen. Kleine Gerichte werden auf den Tisch gestellt: eingelegter Feta, knusprig gebackenes Brot mit Olivenöl und Meeresfrüchtesalat. Immer wieder kommen neue Teller hinzu und werden leer gegessene abgeräumt, bis der Gast dankend abwinkt. Dimitri lernte als Koch in Italien, Michalis hat in London Ökonomie studiert, um anschließend in das Restaurant nach Lindos zurückzukehren: "Weil das mein Leben ist. Das, wofür ich geboren bin."

Kein Tierarzt auf der Insel

Ganz ähnlich drückt sich Lakis Chatzi-Vasiliou aus. Der Reitlehrer steht auf seinen Hof, der rund zehn Kilometer südlich von Rhodos-Stadt liegt. Dort hat er neben einem großen Reitplatz auch einen runden Parcours gebaut, in dessen Mitte ebenfalls ein Olivenbaum steht. Mehreren seiner 20 Pferde hat Lakis selbst auf die Welt geholfen. Einen Veterinär gibt es auf Rhodos nicht, sagt er.

Lakis reitet mit seinen Gästen ins Gelände, je nach Können auf den breiteren Straßen oder auf einsamen Pfaden zum Strand hinab. Hier im Landesinneren ist es auch im trockenen Sommer erstaunlich grün. Nicht ohne Grund ist Rhodos für seine Vegetation berühmt. Viele Quellen versorgen die Aleppokiefern, Platanen, Kastanien und Olivenbäume. Letztere sind - so wird erzählt - oft viele hundert Jahre alt.

Die Fahrt vom Mandráki-Hafen in Rhodos-Stadt bis zu Lakis' Hof dauert mit dem Auto rund zehn Minuten. Trotzdem kommen nur wenige Touristen vorbei. Dafür liegt der Hof zu sehr abseits und ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Doch es lohnt sich, den Weg zu suchen - wie es sich oft lohnt auf Rhodos, rechts und links der ausgetrampelten Touristenpfade ein zweites Mal hinzuschauen.

Info

Reiseziel: Rhodos ist die größte Insel der Dodekanes. Die zu Griechenland gehörende Inselgruppe liegt in der südlichen Ägäis vor der türkischen Westküste.

Anreise und Formalitäten: In der Sommersaison gibt es regelmäßige Charterflüge von Deutschland nach Rhodos - nicht nur von den großen Flughäfen Frankfurt/Main, München, Düsseldorf, sondern auch von kleineren Flughäfen aus. Der Nonstopflug dauert rund drei Stunden. Daneben gibt es Linienflüge nach Athen mit Anschlussflug nach Rhodos.

(gms)
 
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