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Südkarpaten
Winter mit Biss in Transsilvanien

"Lonely Planet": Die Top Ten der schönsten Reiseregionen
"Lonely Planet": Die Top Ten der schönsten Reiseregionen FOTO: Shutterstock.com/ Gaspar Janos
In den Südkarpaten steckt der Wintertourismus noch in den Anfängen. Kein Pistenrummel, kaum Liftanlagen - stattdessen Bergpanoramen mit unberührter Schneedecke, einsame Wälder und natürlich eine Prise Dracula. Von Monika Hippe

An diesem Tag spielt der Nebel mit der Sonne Armdrücken. Gewinnt die Sonne Oberhand, schaufelt sie Gucklöcher durch die Wolken ins Himmelblau und fegt den Blick zum Bucegi-Gebirge frei. Dabei flirren winzige Eiskristalle wie Glitter durch die Luft. Bei jedem Schritt knirscht es unter den Füßen. Zu dieser Jahreszeit sind Schneeschuhe das beste Fortbewegungsmittel. Denn in den Südkarpaten in Transsilvanien gibt es noch richtige Winter mit deftigen Minusgraden und ordentlichen Mengen Pulverschnee, der Wiesen und Wälder in eine weiße Märchenlandschaft verzaubert.

Eisige Winter, in denen Kinder auf Schlitten in die Schule rodeln und Bauern sonntags die Kirche ausfallen lassen, weil der Weg durch den Tiefschnee zu lange dauern würde. "Hier kann man stundenlang durch den Wald wandern, ohne einem Menschen zu begegnen", schwärmt Udo Kraus von seinem Geburtsland. Als Guide führt der Deutsche jeden Winter Schneeschuhwanderer durch die rumänische Landschaft.

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Stützpunkt der Reise ist das Bauerndorf Fundata, das in der Kniekehle der Karpaten liegt - im südwestlichen Zipfel von Siebenbürgen. Vor den Häusern türmen sich Heuhaufen mit weißen Mützen und auf den Feldern werfen Holzzäune ihre Silhouetten in den Schnee. Auf den weit auseinander liegenden Höfen ist lediglich das Bellen der Hunde zu hören: Je näher man ihnen kommt, desto lauter werden sie.

Entgegen dem Skirummel in den Alpen, ist hier der Fremde im Winter ein Unikum und die Bauern freuen sich über jede Begegnung. Am Waldrand versorgt Hirte Georg seine Schafherde. Auf seinem Kopf thront die typische schwarz gefärbte Schaffellmütze, die an die Turmfrisuren der Frauen aus den 1960er Jahren erinnert. Er holt ein neugeborenes Lamm aus dem Stall und zeigt es stolz. "Früher haben wir 2000 Schafe bis ins Donaudelta getrieben. Das war eine gefährliche Zeit", erzählt Georg. "Wir wurden oft überfallen. Heutzutage ist zum Glück alles friedlich."

Am nächsten Tag hat die Sonne den Nebel beinah niedergezwungen. Perfekt für eine Wanderung ins Piatra-Craiului-Gebirge. Die zweitgrößte Gebirgskette Europas liegt in einem der 13 Nationalparks. Hier wohnen Wildkatzen, Edelmarder und Karpatenhirsche. In der Zarnesti Schlucht ragen riesige Felswände empor. Aufgepludert wie Blätterteig, erzählt der Kalkstein Geschichten über die Erdentstehung. Filmemacher nutzen die Schlucht gern als Kulisse für dramatische Gladiatorenkämpfe oder als romantischen Schauplatz. So wurde auf einer Steinbank vor den Felsen die Kussszene aus dem Kinofilm "Cold Mountain" mit Nicole Kidman gedreht.

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Mehrfach zeigt Guide Udo auf den Boden: Hier die Spur eines Hirschen, dort lief womöglich ein Bär entlang. Einige Tierspuren später lädt die Sonne vor einer einsamen Hütte zur Rast ein. Mit einem weiten Blick auf den Königsteingrad schmecken Thermoskannen-Tee und belegte Brote herrlich. Gut gestärkt geht es durch feinen Pulverschnee bergab und vom Dörflein Magura per Bus zurück nach Fundata.

Über Nacht hat der Schnee sich ein Stück der Zufahrtsstraße einverleibt. Der Bus bleibt in einer Schneewehe stecken. Dabei steht an diesem Tag ein Ausflug zum Dracula-Schloss in Bran auf dem Programm. Schnell ist die halbe Dorfjugend zur Stelle, um beim Anschieben zu helfen. In Bran angekommen, steht die Sonne schon tief und die Törzburg wirkt mit ihren Rundtürmen und Spitzgiebeln besonders mystisch.

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"Mit Dracula hat das Schloss gar nichts zu tun", gesteht Udo, "Touristen haben immer wieder nach dem Vampir gefragt, bis man die Törzburg offiziell als Dracula-Schloss ausrief." Schließlich führt er die Gruppe hinein in die alten Gemäuer, in denen einst Königin Maria von Rumänien wohnte. Drinnen riecht es nach 14. Jahrhundert. Holzgeschnitzte Türrahmen zwingen die Besucher, sich zu ducken, Kachelöfen erinnern an Großmutters Stube. Von Dracula keine Spur. Dafür hängen draußen an den Souvenirständen Gruselmasken. Die Verkäufer warten auf den Frühling, darauf, dass die Sonne den Nebel endgültig besiegt und die Touristenströme wieder das Geschäft ankurbeln.

Die Redaktion wurde von Wikinger Reisen zu der Reise eingeladen.

Quelle: RP
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