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Verschärfte Sicherheitshinweise
Reiseveranstalter pochen auf Einhaltung von Türkei-Buchungen

Türkei-Urlaub: Trotz Sicherheitshinweise pochen Reiseveranstalter auf Buchungen
Strand in Belek an der Türkischen Riviera (Symbolbild). FOTO: dpa, kno lof
Düsseldorf. Trotz der neuen Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes können Reisende ihren gebuchten Türkei-Urlaub nicht kostenlos stornieren oder umbuchen. Darauf weisen große Touristikunternehmen hin. Ob Kunden im Einzelfall mit Kulanz rechnen können, ließen die Reiseveranstalter offen.

Die Reisen würden wie gebucht stattfinden, teilten mehrere große Reiseveranstalter unserer Redaktion mit. Zwar habe das Auswärtige Amt seine Hinweise für die Türkei überarbeitet, aber keine offizielle Reisewarnung ausgesprochen. Deshalb seien Kunden grundsätzlich nicht dazu berechtigt, eine gebuchte Urlaubsreise kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. 

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte am Donnerstag gesagt, dass deutsche Staatsbürger "vor willkürlichen Verhaftungen in der Türkei nicht mehr sicher" seien. Er reagierte damit auf die Inhaftierung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner in der Türkei. Der 45-Jährige ist der zehnte deutsche Staatsbürger, der seit dem Putschversuch vor einem Jahr festgenommen wurde. 

Das Auswärtige Amt habe deshalb seine Reisehinweise angepasst, sagte Gabriel weiter. "Wir können daher gar nicht anders, weil wir für den Schutz der Bürger unseres Landes verantwortlich sind." Das Auswärtige Amt schreibt nun auf seiner Website: "Personen, die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reisen, wird zu erhöhter Vorsicht geraten." Außerdem werde empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste der Konsulate und der Botschaft einzutragen – "auch bei kurzzeitigen Aufenthalten".Bislang galt dieser Hinweis lediglich für Menschen, die "nicht zu touristischen Zwecken in die Türkei reisen". 

Verbraucherzentrale fordert Kulanz

Wegen der geänderten Sicherheitshinweise forderte die Verbraucherzentrale NRW die Reiseveranstalter zu Kulanz auf. "Wer angesichts dieser aktuellen Entwicklung von einer bereits gebuchten Reise zurücktreten will, sollte bei Veranstaltern auf Verständnis treffen", sagte Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der NRW-Verbraucherzentralen.

Die Reiseveranstalter reagierten darauf mit einem Hinweis auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). "Es gelten die regulären Storno- und Umbuchungsgebühren", teilten Thomas Cook und DER Touristik dazu mit. "Wir sehen zurzeit keinen Anlass für eine Änderung unserer Reisevertragsbedingungen", sagte eine Sprecherin von Alltours. Von TUI gab es eine ähnliche Auskunft. Ob Kunden im Einzelfall mit Kulanz rechnen können, ließen die Unternehmen offen.

Bisher gebe es aber keine Storno- oder Umbuchungswünsche, die sich auf die neuen Hinweise des Auswärtigen Amtes beziehen, sagte eine Sprecherin von DER Touristik. "Wir rechnen auch nicht mit einer Stornowelle." Es wolle auch kein Urlauber, der gerade in der Türkei sei, vorzeitig zurückkehren. Ein Sprecher von DER Touristik sprach von "vereinzelten Anfragen von Gästen", die sich aber "eher allgemein informieren wollten. Die Situation vor Ort ist ruhig." 

Die Buchungszahlen waren im vergangenen Jahr eingebrochen. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes reisten 2016 knapp 3,9 Millionen Deutsche in die Türkei, zwei Millionen weniger als 2015. In den vergangenen Wochen sei die Nachfrage aber wieder gestiegen. "Die Türkei erlebt als aktuell gefragteste Last Minute-Destination ihr Comeback" sagte ein Sprecher von Thomas Cook. "Die Buchungseingänge für Reisen in die Türkei waren in den letzten Wochen sehr hoch." Allerdings liege die Türkei noch nicht wieder auf dem Buchungsniveau früherer Jahre, sagte eine TUI-Sprecherin. Eine Prognose für die nächsten Wochen wagten die Unternehmen nicht.

(wer)
 
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