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In Spanien drohen schon Engpässe
Trotz Terror bleibt die Reiselust groß

Nach dem Terror: Wo kann man noch sicher Urlaub machen?
Nach dem Terror: Wo kann man noch sicher Urlaub machen? FOTO: Lisa S. / Shutterstock.com
Düsseldorf. Die Deutschen bleiben 2016 voraussichtlich Reiseweltmeister. Doch die Ziele verschieben sich: Muslimische Staaten verlieren nach mehreren Attentaten, Kreuzfahrten boomen - und für Spanien warnt Tui schon vor Engpässen. Von Reinhard Kowalewsky

Zuerst im Juni 2015 das Attentat in Tunesien mit 38 Toten in einem Tui-Hotel, dann im November der Anschlag auf ein russisches Flugzeug, das gerade in Scharm El-Scheich in Ägypten gestartet war, nun die Serie von Anschlägen des IS in der Türkei - es gibt wahrlich genug Gründe, die deutschen Grenzen erst einmal nicht zu verlassen.

Tatsächlich ist die Reiselust der Deutschen aber so groß wie nie. Dies bestätigt eine am Freitag  vorgelegte Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zur Stuttgarter Reisemesse CMT. "29 Prozent der Bürger wollen dieses Jahr mehr Geld für Reisen ausgeben als noch in 2015", sagt FUR-Forscher Martin Lohmann, "denn 80 Prozent von ihnen erwarten dieses Jahr für sich eine bessere oder mindestens stabile Finanzlage."

Dagegen rechnen nur 20 Prozent der Bürger mit einer knapperen Kasse , und nur 16 Prozent der Bürger wollen beim Urlaub dieses Jahr sparsamer sein als im Vorjahr. "Wir prognostizieren dieses Geschäftsjahr ein Umsatzplus von zwei Prozent und halten daran fest", erklärt Stefan Suska, Sprecher von Alltours in Düsseldorf. Die Tui peilt als größter Tourismuskonzern Europas sogar ein Gewinnplus von zehn Prozent an.

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"Tourismus bleibt ein Wachstumsgeschäft", sagt Tui-Chef Fritz Joussen, "obwohl Anschläge die Menschen immer wieder verunsichern. Wir müssen lernen, mit mehr Unsicherheit zu leben - das betrifft aber nicht nur den Tourismus."

Dabei verschieben sich die Ziele. Das westliche Mittelmeer gewinnt an Popularität gegenüber dem östlichen Mittelmeer inklusive der Türkei. Kreuzfahrten werden populärer. Fernreisen in die Karibik und nach Südostasien (Thailand) kommen wegen günstigerer Flugtickets regelrecht in Mode.

Touren per Wohnmobil oder mit dem Auto an die Nord- und Ostseeküste legen auch zu. "Wir rechnen an der belgischen Küste diesen Sommer mit steigenden Buchungen", sagt beispielsweise Lothar Peters, Direktor des Tourismusbüros Flandern-Brüssel in Köln.

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Entscheidender Gewinner wegen der Unsicherheit in muslimischen Ländern ist Spanien. Vergangenes Jahr seien die Hotelpreise auf Mallorca und in den anderen Zielen Spaniens um durchschnittlich 15 Prozent wegen steigender Buchungen hochgegangen, berichtet Tui-Chef Joussen, jetzt erwartet er weiteren Zuwachs: "In Spanien sind praktisch alle Hotels im Sommer schon unter Vertrag." Viele Gäste, die früher nach Tunesien gereist seien, würden außerdem nun nach Bulgarien fliegen.

Speziell den Spanienboom bestätigt Alltours-Sprecher Suska: "Günstige Schnäppchenangebote kurz vor der Saison halte ich für sehr unwahrscheinlich."

In der Karibik entwickelt sich Kuba zum Magneten. Der Lufthansa-Ableger Eurowings hat eine neue Strecke von Köln auf die Insel aufgelegt, die trotz Pannen gut gebucht wird. Ab Düsseldorf folgt nun Air Berlin mit einer eigenen Verbindung. Bevor nach dem Ende der politischen Eiszeit zwischen Kuba und den USA viele Millionen an US-Touristen das sozialistische Land besuchen, wollen gerade jüngere Deutsche die Insel noch sehen.

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Laut FUR-Untersuchung steigerten alle deutschen Reiseveranstalter 2015 den Umsatz um vier Prozent bei einem Zuwachs der Reisezahl um zwei Prozent. 69 Milliarden Euro wurden in 2015 für 70 Millionen Reisen ausgegeben - das macht pro Urlaub im Schnitt knapp 1000 Euro.

Zwei Trends sind interessant: 42 Prozent der Deutschen wollen 2016 einen Ort besuchen, an dem sie noch nie waren. 82 Prozent der Immigranten machen Urlaub - nicht nur in der früheren Heimat.

Quelle: RP
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