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Italien
Varese: Geheimtipp in der Nähe des Lago Maggiore

Varese am Lago Maggiore
Varese am Lago Maggiore FOTO: Fototeca ENIT/Vito Arcomano
Varese (rpo). Nicht viele Touristen verschlägt es in die lombardische Provinz. Vielleicht liegt es daran, dass Varese in manchen Reiseführern kein besonderer Platz eingeräumt wird. Doch wer sich dorthin begibt, wird mit schönen Eindrücken wieder zurück kehren. Gerade weil Varese ein Geheimtipp ist, erschließt sich dem Besucher ein Stück Italien von einer ganz anderen Seite.

An der europäischen Nord-Süd-Achse zwischen zwei wichtigen Verkehrswegen - dem Simplon und dem Gotthardpass - gelegen, fristete die lombardische Provinz am Lago Maggiore touristisch ein Mauerblümchendasein. Dabei hat das Grenz- und Durchgangsgebiet kulturgeschichtlich seit jeher eine Schlüsselposition. Das nahe gelegene Mailand machte aus dem 7-Seen-Land "sein Versailles". Es war die Sommerfrische vornehmer Adelsfamilien. Davon zeugen heute herrschaftliche Villen, Parkanlagen, prächtige Gärten und Paläste wie die imposante mittelalterliche Borromäer-Burg Angera auf einem Kalkfelsen über dem südlichen Seeufer.

Nonnen und Touristen 

Ihre Erfüllung im "Varesotto" hat auch eine Oblatin aus Lübeck gefunden. Gemeinsam mit weiteren acht Laienschwestern lebt sie in der Einsiedelei von Santa Caterina del Sasso. Das im 13. Jahrhundert malerisch auf einem Felsvorsprung über dem Lago Maggiore errichtete Dominikanerkloster ist ein Edelstein der Baukunst. Gegründet wurde der einstige Wallfahrtsort der Legende nach bereits 1170, als sich der Wucherer Alberto auf den Sasso Ballarò zurückzog, nachdem er durch Fürsprache der Heiligen Katharina einen Schiffbruch überlebte. Während die deutsche Laienschwester, die ihren Namen nicht nennen will, im Touristenshop Ansichtskarten, Souvenirs und regionale Produkte wie Honig verkauft, erzählt sie: "Wir leben mit unserem Prior nach den Regeln des heiligen Benedikt, kümmern uns um die Touristen, haben aber auch genug Zeit zur Meditation."

Sehenswerte Wallfahrtskirchen, Abteien und Klöster erinnern daran, dass es vornehmlich Mönche waren, die die Sumpflandschaft trocken legten und kultivierten. Ein Ort der Meditation für Varesiner und Besucher ist der Sacro Monte. Die Anhöhe der Voralpen von 883 Metern im Norden der Provinzhauptstadt Varese gehört zu den Welterbestätten der UNESCO. 1604 entstand hier ein Kreuzweg zur Klosterburg Santa Maria del Monte. Er führt an 14 Steinkapellen vorbei, in denen lebensgroße Terracotta-Figuren und Fresken die Mysterien zeigen. Immer wieder lohnt sich ein Blick auf das wunderbare Panorama mit Varese-See und Lago Maggiore. Nach dem einstündigen Fußmarsch sollte man in der Villa Borducan den gleichnamige Kastanienlikör kosten.

"Via Verde Varesina"

Beeindruckende Aussichten auf die Seen-Landschaft vor dem majestätischen Hintergrund der Alpenkette mit schneebedeckten Gipfeln ermöglicht auch der 184 Kilometer lange Panorama-Wanderweg "Via Verde Varesina". Er führt in Etappen von Ceresio bis Verbania mit Rastmöglichkeiten in Berggaststätten und Hütten, wo die landestypischen Produkte wie Honig, Käse, Ziegensalami und Gänsesalami umso besser schmecken.

Auf wanderbare Eselswege und 50 Kilometer Fahrradrouten in ihrem Gemeindegebiet Casalzuigno verweist Bürgermeisterin Angela Viola. Ausflüge zu Fuß oder mit dem Mountainbike kann sie nur empfehlen. Mit besonderem Stolz präsentiert sie Arcumeggia. Das kleine, in die grünen Täler des Varesetto eingebettete Bergdorf auf 570 Metern über dem Meeresspiegel gehört zu den "Paesi dipinti" (bemalte Dörfer). Es hat nur 62 Einwohner. "Um die Abwanderung in die Städte aufzuhalten, wurde vor 50 Jahren der alte Brauch fortgeführt, die Außenwände der Häuser mit Fresken zu bemalen", sagt die 48-Jährige. "Wir haben 40 namhafte Künstler in den Ort geholt. 100 Fresken entstanden." Die "Kunstgalerie im Freien" macht der schönen Aussicht Konkurrenz.

Aber es gibt 1.000 Gründe für einen Zwischenstopp im "Varesotto", der "Gartenprovinz". Wie sagte doch Stendhal? "Glaubt mir, auch wenn ihr ganz Frankreich und Deutschland bereist, nirgendwo werdet ihr ähnliche Eindrücke empfinden."

(afp)
 
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