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Aufseß
Von Bier zu Bier

Aufseß. Auf dem Brauereienweg in der Fränkischen Schweiz lassen sich Naturerlebnis und Genuss perfekt verbinden. Von Felicitas Wilke

Das Glück leuchtet bernsteinfarben, schmeckt malzig und süffig und kostet 2,40 Euro. Hier in der Gegend ist das fast schon ein stolzer Preis. Oben auf dem Hügel thront das Schloss Unteraufseß, unten im Biergarten des Braugasthofs "Rothenbach" genießen die Gäste die Sonne - und das gute Dunkle, aber auch Pils, Zwickl oder Hefeweizen von der gleichnamigen Privatbrauerei. Die jungen Backpacker am Nebentisch legen ihre müden Füße nach oben, für andere beginnt die Tour gerade erst.

Denn dieses Wirtshaus ist nicht das einzige in der Gegend, wo noch das eigene Bier verkauft wird. Mit vier Brauereien hält Aufseß mit seinen umliegenden Dörfern den Weltrekord für die Gemeinde mit der größten Brauereidichte pro Einwohner. Auf einem 14 Kilometer langen Wanderweg kann man sie entdecken und erschmecken - und während eines Kurzurlaubs obendrein die Fränkische Schweiz kennenlernen.

Die Region liegt im Norden Bayerns zwischen Bamberg, Bayreuth und Nürnberg. Mit Hügeln, Felsen, Höhlen, kleinen Flüssen und mehr als 70 Burgen und Schlössern hat sie alles zu bieten, was eine verwunschene Gegend braucht. Das handwerklich hergestellte Craft-Beer, das in Großstädten vermehrt gebraut wird, kennt man hier seit Jahrhunderten: Mehr als 200 Brauereien gibt es in Oberfranken, etwa 70 allein in der Fränkischen Schweiz.

Nachdem eine bereits getestet wurde, ist jetzt die zweite dran. Das nächste Seidla, so heißt der halbe Liter Bier in Franken, muss man sich verdienen: Auf fünf Kilometern geht es von Aufseß immer den Wegweisern nach Richtung Sachsendorf. Dabei überqueren Wanderer einen kleinen Bach, der auch den Namen Aufseß trägt, und gehen an Wiesen und kleinen Dörfern mit alten Bauernhäusern vorbei.

An Wochenenden belagern auch Männer und Frauen den Wanderweg, die das Ende ihres Junggesellendaseins mit gutem Bier begießen möchten. Manche Wirte sind von den allzu ausgelassen feiernden Gruppen gar nicht begeistert, weshalb etwa in Aufseß und Heckenhof Schilder am Eingang anmerken, dass Junggesellenabschiede nicht willkommen sind - gemäßigte Biertrinker auf Wanderschaft glücklicherweise schon.

Auf dem Weg zur zweiten Brauerei ragen in Neuhaus wie aus dem Nichts beeindruckende Felsen in die Höhe. Am Ortsausgang versuchen sich ein paar Familien mit Kindern professionell gesichert daran, diese zu erklimmen. Und nicht nur dort: Klettern gehört zur Fränkischen Schweiz genauso dazu wie das Landbier.

In mehreren Schulen, etwa in Betzenstein, Muggendorf oder Hiltpoltstein, können Besucher klettern lernen - und haben dann die Wahl zwischen rund 12.000 Kletterrouten an 800 Felsen. Auf besonders beeindruckende Weise fügen sich die Felsen in Tüchersfeld in die Landschaft ein: Zwischen Wäldern und Fachwerkhäusern bebildern sie die Fränkische Schweiz so typisch wie kaum ein anderer Ort.

Zurück auf dem Brauereienweg. Von Neuhaus ist es nicht mehr weit bis Sachsendorf. In der Ortsmitte sind die Bierbänke vor dem Brauereigasthof "Stadter" schon gut gefüllt. Eine Wandergruppe aus dem Odenwald stößt mit einem Landbier aus der hiesigen Brauerei an und lässt sich Schmalzbrote bringen.

"Wir kommen seit acht, neun Jahren jedes Jahr für einen Kurzurlaub hierher", sagt eine der Frauen. Die schöne Landschaft überzeuge sie und ihre Verwandten. "Und dass es hier so günstig ist." Tatsächlich muten die Preise in der "Fränkischen" gerade für Großstädter paradiesisch an: Das Bier von "Stadter", mild und süffig im Geschmack, kostet gerade einmal 2,20 Euro. Und auch beim Essen wird es selten zweistellig in Oberfranken. Für 7,90 Euro gibt es bei "Stadter" am Wochenende Schäufele, das fränkische Leibgericht aus der Schweineschulter.

Wer das deftige Essen und die großen Portionen hier in der Gegend zu sehr genießt, muss die angefutterten Kilos irgendwann auch wieder abtrainieren. Das geht nicht nur beim Klettern, sondern auch beim Kanufahren auf der idyllischen Wiesent, die durch zahlreiche Gemeinden in der Fränkischen Schweiz fließt.

Oder aber man wandert einfach weiter. Neben dem Brauereienweg in und um Aufseß können Besucher auch auf mehreren anderen Bierwanderwegen Genuss mit Bewegung kombinieren: auf dem Fünf-Seidla-Steig bei Gräfenberg, dem Bierquellenweg-Wanderweg oder dem Brauereienweg im Ahorntal.

Die zweite Etappe des Aufseßer Brauereienwegs führt von Sachsendorf nach Hochstahl und erstreckt sich wie das erste Teilstück auf etwa fünf Kilometern. Es geht an Weizen- und Maisfeldern entlang, später bekommen Besucher im Sommer auch Sonnenblumen zu Gesicht. Schließlich geht es noch durch ein Waldstück, bevor man schon kurz nach dem Ortseingang von Hochstahl den Brauereigasthof "Reichold" erreicht. Dort können die Wandersleute auf ihrer Rast zwischen vier verschiedenen Bieren und zahlreichen Braten wählen. Außerdem stehen hier 28 Gästezimmer und ein nahe gelegener Wohnmobilstellplatz bereit.

Nach zehn Kilometern in den Beinen und anderthalb Litern Bier im Bauch freut man sich auf der dritten Teilstrecke, die längeren Etappen hinter sich zu haben. Durch Wald und Wiesen führt der zwei Kilometer lange Weg in das Dorf Heckenhof. Hier liegt idyllisch die "Kathi-Bräu", benannt nach der langjährigen Brauereichefin Kathi Meyer. Im Biergarten sitzt man unter Bäumen. Das dunkle Lager schmeckt auch als Radler hervorragend.

Für die letzte Etappe geht es vor allem über Feldwege zwei Kilometer lang zurück nach Aufseß. Man nähert sich dem Dorf von oben - und erhält so noch einmal einen schönen Ausblick auf das Schloss aus dem 11. Jahrhundert. Die Tour endet da, wo sie begann: am Brauereigasthof "Rothenbach". Wer möchte, kann hier nach einem letzten Dunklen gleich ins Bett sacken.

(dpa)
 
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