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Radebeul
Edle Tropfen von der Elbe

Deichläufer – die Hüter der Elbe
Deichläufer – die Hüter der Elbe FOTO: dpa, Hendrik Schmidt
Radebeul. Hoch auf dem "Goldenen Wagen" ist die Aussicht phänomenal. Vom Spitzhaus, dem Wahrzeichen von Radebeul, erfasst der Fernblick die Festung Königstein, die Sächsische und bei klarer Luft sogar die Böhmische Schweiz. Davor breitet sich das idyllische Elbtal aus. Und zu Füßen liegt Radebeul mit dem vielleicht größten, ganz sicher aber ältesten Schatz der Gegend: Wein von erlesener Qualität. Von Ekkehart Eichler

"Schon der Name des Weinbergs Goldener Wagen lässt Rückschlüsse zu auf die herausragende Güte der hiesigen Tropfen", erklärt Weingästeführer Thomas Teubert, "denn seinerzeit war Wein tatsächlich so viel wert wie ein Wagen voller Gold." Woraufhin der begeisterte Hobbywinzer, der selbst 830 Rebstöcke der Sorte Solaris sein Eigen nennt und einen Weinkeller mit ausschließlich sächsischen Weinen betreibt, erst richtig loslegt. Und seine Gäste sächsisch heiter mit Historie füttert, mit Anekdoten amüsiert.

Deutschlands schönste Radwege FOTO: www.bodensee-radweg.com

Um 1100 bereits soll der Meißner Bischof Benno hier Reben gepflanzt haben; urkundlich erwähnt wurde Wein erstmals 1161. Das sonnige und milde Klima entlang des Flusses ist perfekt für die Reife der Trauben - keine andere Region Sachsens ist wärmer als das Elbtal vor Dresden. Aus Löß-, Sand- und Verwitterungsböden ziehen 58 verschiedene Rebsorten die Kraft zum Wachsen, an der Spitze Müller-Thurgau, Riesling, Weiß-, Grau- und Spätburgunder, Scheurebe, Traminer, Kerner, Dornfelder und Goldriesling. Und: Im sächsischen Elbland wird Wein extrem häufig auf Steilhängen angebaut - so wie seit 1710 im "Goldenen Wagen", dem größten terrassierten Steillagenweinberg im gesamten Anbaugebiet.

Dieses ist mit 500 Hektar Anbaufläche eines der kleinsten im Lande - Rheinhessen zum Vergleich hat 26 600 Hektar -, dafür aber auch eines der feinsten. "Wir protzen nicht mit Hektoliterzahlen", sagt Weinführer Teubert, "wer sich Weine aus Sachsen gönnt, genießt Raritäten." Mit 0,2 Prozent kommt gerade mal jede 500. Flasche deutschen Weins aus Sachsen, und die meisten davon werden im Freistaat getrunken. Vor Ort und beim Winzer lässt sich dieser Weingenuss auf 55 Kilometern intensiv ausleben - so lang nämlich ist die 1992 gegründete Sächsische Weinstraße zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz.

Besonders dicht liegen die Spitzengüter in Radebeul. Da ist das zertifizierte Bio-Gut Hoflößnitz mit über 600 Jahren Weinkultur. Nebst Berg- und Lusthaus, in dem einst der sächsische Hof gern bacchantische Zwischenstopp-Gelage feierte auf dem Weg von der Dresdner Residenz zum Barockschloss Moritzburg. Da ist Frederic Fourré, der einzige Franzose mit eigenem Weinberg in Sachsen. Da ist der gelernte Steinmetz Karl Friedrich Aust, der sich seine Winzermeriten mit erstklassigen klassischen Weinen und viel Experimentierfreude verdiente.

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Wenn es um Wein in Sachsen geht, darf ein Name nicht fehlen: Schloss Wackerbarth. Zum einen natürlich, weil nirgendwo sonst eine barocke Schloss- und Gartenanlage aus der Zeit Augusts des Starken so kongenial romantisch mit einem fürwahr königlichen Weinberg verschmolzen wurde. Zum anderen, weil Wackerbarth markante Akzente setzt als erstes Erlebnisweingut Europas. Unter dem Motto "Willkommen im Reich der Sinne" können Weinliebhaber dabei nicht nur Wackerbarths Tropfen nach Herzenslust goutieren; sie dürfen auch ausgiebig hinter die Kulissen schauen und sich dabei unter vielem anderem an leuchtenden und musizierenden Weintanks erfreuen. Glauben Sie nicht? Schauen Sie rein!

Quelle: RP
 
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