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Interview
Wie es ist, seit 1250 Tagen auf Reisen zu sein

Maartje Smit: Seit vier Jahren um die Welt
Maartje Smit: Seit vier Jahren um die Welt FOTO: Maartje Smit/ Facebook Wanderlicious
Düsseldorf. Maartje Smit ist 31 Jahre alt und seit April 2012 tut sie nur eine einzige Sache: Reisen. Wie es ist, seit dreieinhalb Jahren von Land zu Land zu reisen - und wie man sich das überhaupt leisten kann, erklärt die Niederländerin im Interview mit unserer Redaktion.  Von Susanne Hamann

Maartje, auf deiner Facebook-Seite steht, dass du seit drei Jahren reist. Wann genau bist du los gefahren - und vor allem: Warum bist du nie wieder nach Hause zurück gekehrt?

Smit: Ich habe ein One-way-Ticket nach Cancun, Mexiko gebucht und bin am 6. April 2012 losgeflogen. Eigentlich wollte ich nur ein Jahr reisen, aber ich schätze, mich hat der Reisevirus gepackt, und so habe ich einfach nicht mehr damit aufgehört. Je mehr man reist, desto mehr Orte will man sehen... Und so lange man es genießt, ganz ehrlich - wieso aufhören?

Und wie haben deine Eltern reagiert, als du ihnen gesagt hast, dass du zum Non-Stop-Traveller werden willst?

Smit: Sie finden es großartig! Sie unterstützen mich eigentlich immer in allem was ich tue, so auch bei dieser Entscheidung. Das liegt wohl auch daran, dass sie selbst ziemliche Globetrotter sind. Im Moment leben sie in Frankreich, planen aber den Winter in der Türkei zu verbringen und wollen dann durch Ost-Europa und Asien reisen. 

Was am Reisen genießt du am meisten?

Smit: Das Gefühl der absoluten Freiheit! Schlafen, wann immer man müde ist. Essen, wann immer man hungrig ist. Weiter ziehen, wann immer es einen nicht mehr hält. Einfach tun zu können, was immer man will. Ich wache jeden Morgen mit dem Gedanken auf, dass heute etwas Wunderbares passieren wird. Und wenn ich darauf achte, merke ich, dass es meistens auch so kommt. 

Das klingt natürlich wunderbar. Aber hat das Reisen nicht auch Schattenseiten? Was ist das Schwierigste für dich?

Smit: Da bin ich mir ehrlich gesagt gar nicht sicher. Ich schätze, es ist wirklich das Leichteste überhaupt - einfach zu reisen. Höchstens der Umstand, dass ich in einer Situation oder für jemanden nicht da sein kann, wenn etwas in den Niederlanden vorfällt, das kann schon mal belasten.

Scheint als lebst du einen Traum, den sich viele wünschen, der aber in der Regel schon alleine an den Kosten scheitert. Wie kannst du dir das Dauerreisen leisten?

Smit: Bevor ich losgefahren bin, habe ich vier Jahre lang als Projektmanagerin gearbeitet. So konnte ich ziemlich viel sparen. Außerdem arbeite ich unterwegs. Wenn ich einen Ort mag, dann jobbe ich dort in einer Bar, einem Restaurant oder einer Reiseagentur. Eigentlich mache ich alles, was sich anbietet. Letztes Jahr habe ich außerdem die Prüfung zum Tauchlehrer bestanden, und dann einige Monate in dem Job gearbeitet, um mal wieder richtig Geld zu verdienen. 

Du reist ja die ganze Zeit alleine. Hast du denn gar keine Angst alleine und als Frau unterwegs zu sein?

Smit: Man reist ja eigentlich gar nicht wirklich alleine, sondern ist immer von anderen Menschen und Reisenden umgeben. Außerdem weiß ich nicht, wieso andere Länder gefährlicher sein sollen als zu Hause. In Holland und Deutschland gibt es auch zwielichtige Gestalten und Gegenden. Wenn ich darüber nachdenke, habe ich mich nur in einem Land unwohl gefühlt. Das war Jordanien. Passiert ist aber trotzdem nichts, nur alleine als Frau in einem muslimischen Land zu reisen, das ist nicht immer so angenehm. 

Das heißt, du bist noch nie in eine gefährliche Situation geraten?

Smit: Nein, nicht wirklich. In eine angreifbare Situation gerate ich allerdings schonmal. Beispielsweise, wenn ich per Anhalter fahre und mir dann wünschte, ich wäre nie in das Auto eingestiegen - weil der Fahrer nach rechts fährt, obwohl die Schilder zur Stadt in die ich wollte nach links zeigen. Da hofft man, dass man am Ende lebendig aus dem Auto raus kommt. Aber nein, mir ist nie etwas passiert, und ich bin auch nie bestohlen worden. 

Dein ganzes Hab und Gut befindet sich ja in deinem Rucksack. Was ist denn das Wichtigste, das du dabei hast?

Smit: Mein Laptop! Gerade wenn man lange reist, ist es wichtig Informationen über den Computer zu bekommen, die Fotos organisieren zu können und in Kontakt mit Freunden und Familie zu bleiben. 

Vermisst du es nicht auch mal einfach an einem Ort zu bleiben, also ein Zuhause zu haben?

Smit: Wenn es mir irgendwo gefällt, dann nehme ich mir ein Apartment und bleibe dort auch mal länger. So kann ich ausruhen und meinen Rucksack mal richtig auspacken. Wenn ich dann weiter will, ziehe ich eben wieder los. Diese Kombination aus bleiben und reisen mag ich sehr gerne. 

Hattest du jemals einen Kulturschock?

Smit: Ehrlich gesagt, der einzige Ort, der mir einen Kulturschock verpasst ist Zuhause in den Niederlanden. Wenn ich sehe wie die Leute dort hart arbeiten, um die Schulden für ihr Haus abzubezahlen, obwohl sie dort kaum Zeit verbringen, weil sie die ganze Zeit arbeiten...Das ist so eine andere Kultur zu dem was ich kenne. Ich meine damit den Wert darauf zu legen Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen und damit die Dinge zu tun, die man liebt, anstatt so viel Wert auf Geld und Status zu legen. 

Utila in Honduras - Der Insel-Geheimtipp FOTO: Shutterstock.com/ Amanda Nicholls

Was ist deine beste Reiseerinnerung bisher? 

Smit: Richtig toll fand ich Utila, das ist eine Insel in Honduras - dort hatte ich die beste Zeit meines Lebens. Die Insel ist so besonders, weil sich dorthin nur Backpacker verirren und so gibt es kaum Tourismus. Ich habe viele kennen gelernt, die für ein paar Tage nach Utila wollten, und am Ende Jahre lang geblieben sind. Es ist eine Insel auf der man absolut frei ist alles zu tun, worauf man Lust hat. Und das obwohl der Ort eigentlich nur aus einer Straße mit ein paar Läden, Restaurants, Bars und Tauchgeschäften besteht. 

Was sagst du, gibt es für dich ein Leben nach dem Reisen?

Smit: Ich habe keine Ahnung. Ich schätze ich lebe eher so von einem Tag zum anderen. Das heißt, ich reise so lange weiter, bis ich das Gefühl habe mich niederlassen zu müssen oder keine Lust mehr zu haben. 

Was würdest du Menschen empfehlen, die auch Lust haben sich auf ein großes Reiseabenteuer zu begeben, sich aber nicht trauen, oder nicht wissen, wie sie es angehen sollen?

Smit: Mein Rat für alle ist, wenn ihr wirklich reisen wollt, dann tut es einfach! Spart so viel Geld wie ihr könnt vorab und dann fahrt einfach los! Unterwegs kann man sich dann Jobs suchen, damit man das Gesparte als Notnagel auf dem Konto lassen kann. Man kann unterwegs nach Jobs suchen, und es gibt viele Webseiten, auf denen man das schon vorab organisieren kann. 

Das Gespräch führte Susanne Hamann.

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