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Steinhuder Meer
Wie Robinson Crusoe mit Besuch

Eindrücke vom Steinhuder Meer
Eindrücke vom Steinhuder Meer FOTO: dpa, lea
Mitten im See liegt eine Festungsinsel. Der einzige ständige Bewohner ist der Inselvogt. Doch er bekommt häufig Besuch von Urlaubern, die auf der Suche nach Ruhe sind. Von Bernd F. Meier

Michael Zobel hat die Nacht auf der Festungsinsel Wilhelmstein im Steinhuder Meer verbracht. Er ist Inselvogt auf dem winzigen Eiland, das wie ein dunkler Klecks in den größten Binnensee Niedersachsens gefallen zu sein scheint. Im Auftrag seines Herrn, des Inselinhabers Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg, verwaltet er seit elf Jahren das Inselchen, dessen Ausmaße 107 mal 109 Meter betragen.

Zobels morgendlicher Rundgang führt ihn vorbei an den Gästehäusern, der Wasseraufbereitung und der Kläranlage. Dann in den Turm des ab 1765 erbauten Festungsbauwerkes, vorbei an den Räumen mit der historischen Waffensammlung, dem Trauzimmer des Standesamtes Wunstorf und hinauf zur Aussichtsterrasse.

"Zwei- bis dreimal pro Tag geht's hinauf, das hält fit", sagt der 55-Jährige, der sich auf eine Zeitungsanzeige für einen der ungewöhnlichsten Jobs weit und breit beworben hatte. Tischler, Kommunikationsorganisator und Kulturmanager war Zobel in der Vergangenheit, bevor er sich zusammen mit seiner Frau Heidrun "für das Stück andere Welt mitten in Deutschland entschied".

Diese andere Welt wollen auch die Besucher erleben: Rund 60.000 kommen jährlich per Schiff auf das Eiland im Privatbesitz der Adelsfamilie Schaumburg-Lippe. Die meisten bleiben nur wenige Stunden: Einmal rund um die Insel spazieren, das ist in zehn Minuten erledigt. Dann noch hinein in das trutzige Festungsbauwerk mit dem Museum, das eine Rarität zeigt: das Modell von Deutschlands erstem Tauchboot, dem Steinhuder Hecht. Das U-Boot wurde 1771 nach Ideen des Ingenieurs, Geografen und Offiziers Jakob C. Praetorius für Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe gebaut. Überliefert sind nur zwei Entwurfszeichnungen, auf denen das U-Boot eine Fischform hat: Unter Wasser sollte es durch Schläge des Fischschwanzes angetrieben werden, bewegt von der Besatzung.

Für Übernachtungsgäste wurden 2008 sieben Zimmer in den einstigen Unterkünften der Soldaten eingerichtet. Wenn das letzte Linienschiff um 17.30 Uhr nach Steinhude abgelegt hat, schließt bald darauf auch das Inselgasthaus. Zurück bleiben nur Inselvogt Zobel und die Übernachtungsgäste. Sie erfreuen sich an der Stille des winzigen Eilandes und dem Untergang der Sonne, die über der Naturschutzzone Meerbruchswiesen versinkt.

In diesem Naturschutzgebiet ist Wolfgang Nülle häufig mit Besuchergruppen unterwegs. Über den Steinhuder Meer-Rundweg kommt der Diplom-Biologe per Fahrrad in das weitläufige Naturschutzgebiet, wo Besucher auf dem Meerbrucherlebnisweg die Natur erkunden. Von Beobachtungshütten sind Wasser- und Watvögel im Schilf zu erkennen: "Von der sandigen Geest über Grünlandzonen, Niedermoore und Sumpfwälder haben wir viele Landschaften auf kleinem Raum." Ein schmaler Holzsteg führt Besucher zum Winzlarer Turm. Von dort schweift der Blick weit über die offene Wasserfläche und zur Festungsinsel Wilhelmstein.

Acht Kilometer lang von Osten nach Westen und etwas mehr als vier Kilometer breit in der Nord-Süd-Richtung ist das Steinhuder Meer, das vor etwa 14.000 Jahren nach der letzten Eiszeit entstand. Radtouristen und Wanderer umrunden das Gewässer auf dem 32 Kilometer langen Rundkurs, der durch dichte Laubwälder führt, im Westen die Meerbruchwiesen und im Osten das Tote Moor durchquert.

"Fünf Stunden sollte man für die Radtour einplanen", rät Nülle. Besonders an den Wochenenden konzentrieren sich die Besuchermassen auf den Hauptort Steinhude. Wasserratten zieht es zum feinen Sand der Weißen Düne in Mardorf und auf die autofreie Badeinsel vor Steinhude. Sie ist per Fahrrad oder zu Fuß über eine Brücke erreichbar.

Segelsportler schwärmen von der frischen Brise am Steinhuder Meer. "Selbst im Sommer haben wir hier häufiger Wind als etwa auf dem Bodensee", sagt Stefan Ibold von der Wettfahrtvereinigung Steinhuder Meer. Mehr als 3000 Segelboote - vor allem Jollen - sind nach Angaben der Touristikzentrale verzeichnet. "Für Dickschiffe ist der See mit der mittleren Wassertiefe von nur 1,35 Metern viel zu flach." Zum Umrunden der Festungsinsel braucht es nicht viel mehr als eine Jolle.

Quelle: RP
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