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Wir Sind Dann Mal Weg!
Winterwandern in den Allgäuer Alpen

Rund um Oberstdorf laden rund 140 Kilometer präparierte Wege zum Naturerlebnis ein. Aber auch für Skifahrer ist die Region interessant. Von Jörg Isringhaus und Thomas Reisener

Wer den südlichsten Zipfel Deutschlands erkunden will, landet automatisch in Oberstdorf. Die drittgrößte Gemeinde Bayerns liegt inmitten der Allgäuer Alpen. Ausblicke auf Nebelhorn, Fellhorn und Söllereck sind von vielen Ecken des Ortes möglich, irgendein Bergblick bei der Zimmerbuchung ist fast immer inklusive. Oberstdorf ist zu allen Jahreszeiten einen Kurztrip wert, im Winter liegt oft bis in die Tallagen Schnee. Aber nicht nur Skifahrer kommen auf ihre Kosten.

Wie gut begehbar sind die Wanderwege im Winter? Sehr gut sogar. Das Winterwanderwegenetz in Oberstdorf umfasst rund 40 Kilometer und ist bestens präpariert, selbst nach starkem Schneefall. Vom Spaziergang bis zur langen Wanderung ist alles möglich.

Welche Touren sind zu empfehlen? Sehr schön ist der Weg nach Spielmannsau durch das Trettachtal. Der etwa 13 Kilometer lange Weg ist meist sonnig, nicht sonderlich anstrengend und mit rund viereinhalb Stunden Gehzeit gut zu schaffen. In Spielmannsau bietet sich eine Einkehr mit imposantem Panorama an. Lohnenswert wegen der tollen Ausblicke ist auch der Abstieg vom Söllereck über den Freibergsee, etwa drei Stunden. Zur Einkehr ist der Berggasthof Hochleite zu empfehlen, sehr freundliches Personal, gutes Essen, unschlagbarer Blick. Eine Wanderkarte mit den besten Routen bekommt man in der Oberstdorfer Tourismus-Zentrale.

Was wird Skifahrern geboten? Skifahrer umwirbt Oberstdorf mit 128 Pistenkilometern. Das ist übertrieben. Damit läge "Deutschlands größte Skiarena", wie sie sich nennt, formal auf Augenhöhe mit europäischen Top-Skigebieten wie St. Anton. Aber die 128 Pistenkilometer rund um Oberstdorf verteilen sich in Wahrheit auf sechs kleinere Skigebiete, die gar nicht miteinander verbunden sind. Das größte davon ist das "Fellhorn" mit 36 Pistenkilometern, die dank aufwändiger Beschneiungstechnik relativ schneesicher sind. An Tiefschneetagen ist das Fellhorn wegen seiner gleichmäßigen Hangstruktur auch eine gute Adresse für Freerider. Das Nebelhorn-Gebiet ist deutlich kleiner (13 Pistenkilometer), lockt dafür aber mit einer 7,5 Kilometer langen Talabfahrt. Beide Teilgebiete sind familientauglich. Für ambitionierte Fahrer könnte es nach ein paar Tagen langweilig werden - aber für einen Kurztrip reicht es allemal.

Lohnt sich eine Bergfahrt auch für Nicht-Skifahrer? Auf jeden Fall. Vom 2224 Meter hohen Nebelhorn sind bei gutem Wetter rund 400 Gipfel zu sehen. Auf der Mittelstation lässt es sich an einem sonnigen Tag in bereitgestellten Liegestühlen ausruhen und ein Radler genießen. Die Berg- und Talfahrt kostet allerdings 32,50 Euro pro Person (Kinder ermäßigt). Auch das Fellhorn und das Söllereck sind per Gondel zu erreichen.

Welche Attraktionen bieten sich an? Unbedingt empfehlenswert ist ein Spaziergang durch die spektakuläre Breitachklamm am Ortsrand. Die vom Wasser ausgewaschene, teils sehr enge Schlucht entführt gerade im Winter in eine andere, magische Welt aus Fels und Eis. Der gut ausgebaute und gesicherte Weg ist familientauglich. Ein Ausflug nach Österreich ins benachbarte, enge Kleinwalsertal ist kein Muss, aber landschaftlich durchaus reizvoll. Bei schlechtem Wetter bietet sich ein Besuch in der Therme an. Die ist zwar schon etwas betagt, punktet dafür aber mit einem Wellenbad.

Wo kann man gut essen? Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis auf leicht gehobenem Niveau gibt es im "Riegers" (Rankgasse 7). 21,50 Euro sind für edel zubereitete Hirschmedaillons nicht zu viel, und auch das Glas Zweigelt-Rotwein für 4,90 Euro ist sein Geld wert. Das Lokal ist gut besucht - die meisten Gäste lassen sich am Vortag Tische reservieren. Ansprechend zünftig geht's zu im "Landgasthof Zum Augustiner" (Bachstr. 6). Zu bayerischen Schmankerln gibt es leckeres Bier, die Preise sind moderat, die Qualität stimmt. Höhere Ansprüche befriedigt die "Einkehr" (Pfarrstr. 9). Das Preisniveau liegt etwas höher, ist aber angemessen. Eine Reservierung ist auch hier empfehlenswert. Wer abends ein wenig Remmidemmi sucht, ist in der Dampfbierbrauerei (Bahnhofplatz 6-8) bestens aufgehoben. Zu deftiger Kost und selbstgebrautem Bier spielt an vier Abenden die Woche eine Kapelle.

Das "Alt 168" (Kirchstr. 5) hat seinen Ursprung in einer Dorf-Käserei und wirbt mit seinem Käsefondue. Das kostet für zwei Personen knapp 30 Euro, ist aber weder besser noch schlechter als anderswo. Insgesamt moderates Preisniveau bei einer wenig gemütlichen Atmosphäre, für die das betont herzliche Personal aber entschädigt. Mit Abstand die exzellentesten selbstgebackenen Kuchen serviert der winzige Oberstdorfer "Käsladen & Café" (Oststr. 37). Unübertroffen: die Heidelbeer-Baiser-Torte. Gerade mal zwei Tische innen und einige draußen hat der Laden, aber das Warten lohnt sich. Einen höchstleckeren Apfelstrudel hat auch das "Café Gerlach" (Metzgerstr. 13), ebenfalls eine Oberstdorfer Institution, auf der Karte. Voll ist es nachmittags auch dort, aber dafür ist die Zahl der gebotenen Plätze deutlich größer.

Wie gut ist das Shopping-Angebot? Absolut ausreichend. Für einen Ort dieser Größe sogar sehr gut. So gibt es viele Sport- und Trachtengeschäfte, die auch hochwertige Marken im Sortiment haben.

Wo kann man gut übernachten? Die Stadt bietet eine Vielzahl an Pensionen, Hotels, Ferienwohnungen, Gasthäusern und Apartmenthäusern wie beispielsweise das komfortable Haus Edelweiss. Interessante Arrangements etwa mit Wellness oder Bergbahntickets findet man auf www.oberstdorf.de.

Quelle: RP
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