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Am 20. März wird es dunkel
Was Sie über die kommende Sonnenfinsternis wissen müssen

Sonnenfinsternis: Am 20. März wird es dunkel
Bei einer totalen Sonnenfinsternis ist nur noch ein goldener Ring am Himmel zu sehen. 2015 ist in Europa eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten. FOTO: AP
Düsseldorf. In knapp zwei Wochen ist am Himmel ein ganz besonderes Ereignis zu sehen. Am hellichten Tag verdunkelt sich für eine Stunde die Sonne. Was Sie wissen müssen. Von Susanne Hamann

So verläuft die Sonnenfinsternis 2015

Am 20. März 2015 spielt sich über Deutschland ein seltenes Naturereignis ab. Dann stehen Sonne, Mond und Erde genau in einer Linie. Schiebt sich dann der Mond von einem Punkt auf der Erde aus gesehen vor die Sonne, kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Wissenschaftlich gesprochen wirft der Mond dabei seinen Kernschatten auf die Erde. An den Orten, an denen dieses Ereignis sichtbar ist, schiebt sich eine schwarze Scheibe vor die Sonne und lässt damit das Tageslicht verschwinden. Es gibt auch abgeschwächte Varianten, dann tritt die Erde nur in den Halbschatten des Mondes. Solche partiellen Sonnenfinsternisse bleiben oftmals von vielen unbemerkt – im Jahr 2011 war das etwa so.

Die Sonnenfinsternis 2015 ist eine totale Sonnenfinsternis, auch Eklipse genannt. Für einige Minuten wird am Himmel eine "schwarze Sonne" zu sehen sein. Das Ereignis beginnt 700 Kilometer südlich der grönländischen Küste und zieht in einem Bogen nach Nordosten. Die Sonnenfinsternis endet schließlich etwa 70 Kilometer vom Nordpol entfernt. Sowohl die Färöer-Inseln als auch Spitzbergen liegen im totalen Schatten. Die Sonnenfinsternis wird hier für gut zwei Minuten am besten zu sehen sein. 

Wo ist die Sonnenfinsternis sichtbar?

Hohe Bedeckungsgrade, die zu einer erkennbaren Verdunkelung des Tageslichtes führen, werden in fast ganz Europa, im Nordwesten Sibiriens, in der Arktis inklusive Grönlands sowie auf den Azoren und auf Madeira sichtbar.

Was wird von Deutschland aus zu sehen sein?

Zwischen etwa 9.30 Uhr und 12 Uhr wird in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen sein. Das heißt, bis zu 82 Prozent der Sonne werden durch den Mond abgedeckt. Im Süden Deutschlands ist es weniger. Dort wird die Sonne zu rund 67 Prozent verdeckt. Da die Verdunkelungen des Tageslichts ab einer Abdeckung von 50 Prozent der Sonne sichtbar wird, ist das Ereignis in ganz Deutschland wahrnehmbar. Je nach Ort ist die "schwarze Sonne" in Deutschlands Städten zwischen 10.30 Uhr und 10.50 Uhr zu sehen.

Wie läuft eine Sonnenfinsternis ab?

Wenn der Himmel nicht von Wolken bedeckt ist, wird plötzlich eine runde Scheibe sichtbar, die sich langsam über die Sonne schiebt. Das ist der Mond. Bei einer totalen Sonnenfinsternis steht er auf seinem Weg irgendwann genau zwischen Sonne und Erde. Menschen, die nun an einem günstigen Ort stehen, sehen, wie die Sonne bis auf einen leuchtenden Kranz schwarz wird. Der Kranz nennt sich Corona. Dann schwindet auch das Tageslicht deutlich. Ungefähr so, als würde es innerhalb von wenigen Sekunden früher Abend oder Nacht werden. In Regionen, die im Zentrum des Schattens stehen, verstummen in den dunkelsten Minuten sogar die Vögel. Das war in Deutschland das letzte mal am 11. August 1999 der Fall. Damals konnte die totale Sonnenfinsternis vor allem von Bayern aus gut beobachtet werden.

Wie die Sonnenfinsternis 2015 über dem Himmel von Bonn aussehen könnte, zeigt dieses Video:

Wie Sie die Sonnenfinsternis beobachten können

Um die Sonnenfinsternis zu sehen, benötigt man keine elektronischen Geräte. Der Blick in Richtung Himmel genügt. Allerdings sollte der niemals ohne eine spezielle Schutzbrille erfolgen. Denn die Strahlung der Sonne ist extrem gefährlich für die Augen - und das auch noch während der Verdunkelung. Mögliche Folgen sind Entzündungen und Sehschäden im schlimmsten Fall bis zur Erblindung. Passende Brillen mit speziellen Schutzfolien sind im Handel beim Optiker zu bekommen. Dabei handelt es sich übrigens nicht um 3D-Brillen, sondern um Brillen mit speziellen Filterfolien für die Sonnenstrahlen. Nur das Design ähnelt den Kino-Brillen. Wer mit einem Fernglas in den Himmel gucken will, braucht übrigens ebenfalls eine spezielle Schutzlinse.

Sternwarten in der Region

 

Warum ist immer wieder in den Medien zu lesen, dass es durch die Sonnenfinsternis zu einem Kollaps kommen könnte?

 

Die Sonnenfinsternis am 20. März könnte das Management des europäischen Stromnetzes auf die Probe stellen: Mit verstärkten Bemühungen um Reserven zum Ausbalancieren von starken Netzschwankungen und Schulungen von Mitarbeitern in Netzleitstellen bereiten sich die vier Übertragungsnetzbetreiber auf das Naturereignis vor. Das sind die Unternehmen 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet. Denn bei sehr sonnigem Wetter wird demnach während der Sonnenfinsternis die Stromeinspeisung zunächst deutlich sinken und dann drastisch ansteigen - und zwar um die Leistung von 19 Großkraftwerken.

Angesichts des mit rund 39.000 Megawatt hohen Anteils an installierter Photovoltaik-Leistung (PV) in Deutschland sowie in Italien und Frankreich könnte die partielle Sonnenfinsternis eine große Herausforderung darstellen. Bei sonnigem Wetter werde in der ersten Hälfte der Sonnenfinsternis die PV-Einspeisung in Deutschland um rund zwölf Gigawatt zurückgehen und in der zweiten Hälfte der Finsternis - wenn die Sonne aufgrund der Mittagszeit noch höher steht - um etwa 19 Gigawatt ansteigen.

Der an der Strombörse vermarktete PV-Strom müsse während dieser beiden Phasen durch viele flexible Erzeugungsanlagen vollständig ausgeglichen werden. Daher wollen die Übertragungsnetzbetreiber für die Zeit der Sonnenfinsternis mehr sogenannte Regelenergie beschaffen, um so Schwankungen zwischen Stromangebot und -nachfrage auszugleichen. Bei bewölktem Himmel dürfte dagegen der Einfluss der Sonnenfinsternis auf die PV-Einspeisung vergleichsweise gering sein.

Reisemöglichkeiten zu den besten Orten für die Sonnenfinsternis

Die besten Orte um die Sonnenfinsternis zu sehen, sind die Faröer-Inseln und Spitzbergen. Die Anreise ist mit der Airline SAS ab Oslo über Tromsø mehrmals wöchentlich nach Longyearbyen möglich. Echte Astronomie-Fans sollten dagegen ein Ticket der Reederei Smyril Line erstehen. Sie bietet speziell für die Sonnenfinsternis eine neuntägige Sonderreise an. Die Fähre MS Norröna dient während des Aufenthalts im Hafen von Tórshavn als schwimmendes Hotel. Je nach Wetterlage wird die Fähre während der Sonnenfinsternis den Hafen verlassen, damit die Passagiere einen freien Blick haben.

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