| 11.28 Uhr

Training bei der Feuerwehr
So ist die Flucht durch ein verqualmtes Treppenhaus

So ist die Flucht aus einem brennenden Haus
Im Übungshaus der Feuerwehr Köln können Brandsituationen trainiert werden. Unsere Autorin hat sich von der Feuerwehr zeigen lassen, was zu tun ist, wenn es im eigenen Haus brennt.  Von Susanne Hamann (Text) und Sarah Biere (Video), Köln

Drei Minuten. Das ist die Zeit, die ein Mensch in einem verqualmten Treppenhaus bei Bewusstsein bleiben kann. Der tiefschwarze Rauch beißt stark in der Lunge und in den Augen. Man kann fast nichts mehr sehen. "Deswegen kann ich Ihnen auch sagen: Wäre das hier eine reale Situation, wären Sie schon längst tot", sagt Christian Heinisch, Sprecher der Feuerwehr Köln.

Es sind nicht unbedingt die Worte, die man hören möchte, wenn man sich gerade durch ein völlig verqualmtes Gebäude an die frische Luft vorgearbeitet hat. Sieben Minuten habe ich dafür gebraucht. Mindestens einmal bin ich dabei gegen eine Wand gelaufen, weil ich sie durch den Rauch nicht sehen konnte.

Im Übungshaus der Feuerwehr Köln begebe ich mich an diesem Tag zweimal in Lebensgefahr. Zumindest in gespielte Lebensgefahr. Feuerwehrmann Heinisch ist es wichtig, dass mehr Menschen wissen, was in einer solchen Situation zu tun ist. In dem zweistöckigen Betonklotz befinden sich ein paar Möbel und eine Rauchanlage, die das Gebäude innen komplett vernebeln kann, sowie ein Licht- und Klangsystem, das Feuer simuliert. "Etwa einmal im Monat machen wir hier eine Übung mit unseren Feuerwehrmännern in der Ausbildung", sagt Heinisch. Die Truppe heute ist im ersten Lehrjahr und muss eine Rettung simulieren. Wie die Rettung durch die Feuerwehr abläuft, sehen Sie hier im Video.

Wenn die Feuerwehr zur Rettung anrückt

"Ich schlage vor, Sie versuchen, sich selbst durch das verqualmte Treppenhaus zu retten", sagt Heinisch. Dann geht es auch schon los. Ich begebe mich in das oberste Stockwerk, während das Haus langsam eingenebelt wird. Es dauert etwa 15 Minuten, dann bekomme ich den Startschuss: "Sie können jetzt losgehen, aber seien Sie vorsichtig. Das Haus ist so verraucht, dass es tatsächlich gefährlich ist." 

Okay, denke ich. Luft holen. Los gehen. Man macht das mit dem Luft holen, obwohl man weiß, dass man nicht ersticken wird. Als ich die Tür öffne, verstehe ich, was Heinisch meint. Vor mir ist nichts als weißer Rauch. (Sehen Sie hier im Video die Flucht aus dem verrauchten Haus.) Er hat das Geländer und die Treppen verschluckt. Was nun beginnt, erinnert etwas an das Kinderspiel "Blinde Kuh". Ich nutze meine Füße und Hände, um zu ertasten, wann ich an die erste Stufenkante stoße, und um das Geländer zu finden. Das braucht Zeit. Zeit, die man niemals hätte, wenn es eine reale Situation wäre. 

Ich spüre die Stufenkante und suche tastend die nächste. Es bringt nichts, auf meine Füße zu gucken. Ab den Knien ist mein Körper vernebelt. Dass das geht, hätte ich nicht gedacht, aber auf der Treppe wird der Rauch noch dichter. Ich bin das Treppenhaus nur einmal auf dem Weg nach oben abgelaufen. Als ich die letzte Stufe der ersten Treppe finde, verschätze ich mich in der Kurve und laufe gegen eine Wand. Nicht auszudenken, unter was für einem Stress ich stehen würde, wenn das echter schwarzer, verruster Rauch wäre. 

Heinisch weiß, dass viele Menschen den Fehler machen und bei Feuer durch das Treppenhaus flüchten. Es ist die Angst vor den Flammen, die sie aus ihren Wohnungen treibt. "Dabei wäre die Wohnung der sicherste Ort – außer wenn es dort brennt natürlich." Die dramatischste Geschichte, an die sich Heinisch erinnert, liegt schon etwas zurück. Ein Ehepaar hatte versucht, sich vor dem Brand in einer anderen Wohnung über das Treppenhaus aus dem fünften Stock ins Freie zu retten. "Wie durch ein Wunder haben sie es auch tatsächlich bis vor die Haustür geschafft und sind dann dort wegen einer Rauchvergiftung tot zusammengebrochen", sagt Heinisch. Das Tragische: Wären die beiden in der Wohnung geblieben, hätten sie vermutlich überlebt.

Inzwischen habe ich den ersten Stock erreicht. Fast biege ich in die Wohnung dort ab, anstatt die nächste Treppe zu finden. Dann endlich sehe ich die Umrisse der Haustür und das Tageslicht von draußen. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich mich die ganze Zeit im Halbdunkel bewegt habe. 

Mein Gang wird schneller. Es ist ein bisschen, wie wenn man endlich aus dem Geisterhaus auf der Kirmes herauskommt. Eine reale Gefahr war es nicht, aber die rettende Tür in die Freiheit sorgt für echte Erleichterung.  

Was man bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus tun sollte: 

  • In der eigenen Wohnung bleiben (Ausnahme: dort ist der Brandherd).
  • Fenster und Türen verschließen. 
  • Die Feuerwehr rufen, den Brand melden und dabei den eigenen Standort durchgeben.
  • Größere Ritzen, die Rauch aus dem verqualmten Treppenhaus reinlassen, mit Tüchern abdecken. 
  • Warten, bis man von den Rettungskräften abgeholt wird. Sie haben eine spezielle Atemschutzmaske dabei, mit der sich Bewohner gefahrlos durch den Rauch bewegen können.
(ham)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Training der Feuerwehr: So ist die Flucht durch ein verqualmtes Treppenhaus


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.