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Düsseldorfer Startup
Einen Mietweihnachtsbaum, bitte!

Weihnachtsbaum mieten: Start-Up in Düsseldorf leiht Tannenbäume aus
Jan Wehmeyer und Sebastian Schönfeld bieten Weihnachtsbäume zur Miete an. FOTO: CHRISTIAN ROLFES photography
Düsseldorf . Schön geschmückt wärmt der Weihnachtsbaum die Herzen und Wohnzimmer zahlreicher Familien. Bis er letztlich im Container der Müllabfuhr landet. Doch das muss nicht sein: Ein Düsseldorfer Startup liefert lebende Öko-Tannen nach Hause - und pflegt sie nach dem Fest, bis zum nächsten Weihnachten.  Von Susanne Hamann

Es ist das wohl am häufigsten geschossene Foto zum Fest: Kinder, die mit leuchtenden Augen und großen Geschenken in der Hand unter einem Weihnachtsbaum sitzen. Kein Wunder, ist die geschmückte Tanne doch in knapp 80 Prozent der deutschen Wohnzimmer jedes Jahr fester Bestandteil, und soll dort für Romantik, Festlichkeit und weihnachtliche Stimmung sorgen. Tut sie auch – jedenfalls so lange man nicht über die Details nachdenkt.

Denn fast alle in Deutschland verkauften Tannen werden intensiv mit Herbiziden und Pestiziden gespritzt. Rund 30 Prozent der Bäume haben einen langen Weg aus Ungarn, Österreich oder Polen hinter sich. Und auch, wenn sich der wurzelfreie Stumpf besonders gut in einen Ständer setzen lässt, der flache Schnitt am Ende des Baumstamms bedeutet, dass die Tanne das Fest nicht überleben kann.

Weihnachtsbaum: Typologie der Tannenbaum-Käufer FOTO: shutterstock/ Pressmaster

"Genau das konnten wir einfach nicht mehr sehen", sagt Jan Wehmeyer, Mitbegründer der Weihnachtsbaumvermietung Happy Tree. "Es ist ein wirklich trauriges Bild, wenn man vor die Tür geht und die ganzen Weihnachtsbäume am Wegesrand liegen sieht, und da haben wir uns gedacht, das muss doch auch anders gehen." 

Weil die Situation ihn und auch seinen Freun Sebastian Schönfeld nicht mehr los ließ, setzten sich die beiden kurz danach gemeinsam an einen Computer und begannen eine große Rechereche. Sie wollten herausfinden, ob man Weihnachtsbäume auch nachhaltig züchten kann. "Das einzige was wir wussten war, dass die typischen Verkaufsbäume tot sind, weil man sie oberhalb der Wurzel abschlägt. Wir mussten also einen Weg finden, Tannen mit mit Wurzeln verkaufen", sagt Wehmeyer. 

Seit diesem Abend sind etwa drei Jahre vergangen. Ein Jahr haben die beiden für die Planung und Logistik gebraucht. 2014 ging dann der Web-Shop "Happy Tree" online. Eine Weihnachtsbaumvermietung, deren Hauptziel es ist, das Wohl der Bäume und ihre Nachhaltigkeit sicherzustellen.

So mietet man sich einen Weihnachtsbaum

Damit das gelingt, bringt "Happy Tree" die Tannen einfach samt Wurzelwerk im Topf zu den Kunden. Die gesamte Abwicklung läuft online. Dort hat man die Wahl zwischen vier Größen von Tanneliese (1,25 Meter) bis Thorwald (2 Meter). Weil der Kunde den Baum vorher nicht sehen kann, bietet das Startup nur beste Qualität von Nordmanntannen an, so sollen Enttäuschungen vermieden werden. Sind die Kontodaten und die Adresse hinterlegt, muss der Käufer nur noch abwarten. Ab dem 18. Dezember kommt der Weihnachtsbaum dann an die Haustür und wird kurz nach den Feiertagen wieder mitgenommen. Insgesamt bleiben die Tannen so rund 14 Tage in den privaten Wohnzimmern.

Die Nordmanntannen von Happy Tree werden von kleinauf im Topf gezüchtet und können so mit den Wurzeln vermietet werden. FOTO: Shutterstock.com/ Chamille White

Viele Kunden fänden eine längere Zeit mit ihrem Baum zwar schöner, aber die Nordmanntannen verkraften die warme Raumtemperatur nur eine kurze Zeit. Vom Laster kommen die Gewächse wieder zurück in die Baumschule und werden dort erst samt Topf in die Erde eingepflanzt und dann bis zum nächsten weihnachtlichen Ausflug gepflegt.

"Ganz kann man in Deutschland zwar nicht auf Spritzmittel verzichten", sagt Wehmeyer, "aber inzwischen sind wir so weit, dass wir sie kaum einsetzen müssen, also in Bioqualität züchten." Mit diesem Konzept kann ein Baum bis zu fünfmal als Weihnachtsschmuck genutzt werden. Wächst die Tanne über die Wohnzimmergröße von rund zwei Metern hinaus, bringen sie Wehmeyer und Schönfeld in eines der zahlreichen deutschen Aufforstungsprojekte, wo sie ganz ohne Topf wieder in die freie Natur integriert wird. 

Der Weg zum glücklichen Weihnachtsbaum

Was sich wie eine simple Idee anhört, war für die beiden Gründer in der Umsetzung allerdings ziemlich kompliziert. "Eines der größten Probleme neben der Logistik war, dass uns so viele Baumschulen abgelehnt haben, weil sie das Konzept für Unsinn hielten", sagt Wehmeyer. Ein "Happy Tree" muss im Gegensatz zu Bäumen, die geschlagen werden, von klein auf im Topf in der Erde gezüchtet werden.

Übersicht: Hier kann man Weihnachtsbäume selber schlagen

So wird das Wurzelwerk natürlich begrenzt und transportierbar. Außerdem verkraftet es der Baum besser, wenn er aus der Erde genommen und später wieder eingepflanzt wird. "Aber viele Baumschulenbesitzer glaubten nicht daran, dass die Bäume den Prozess wirklich überleben würden, und fanden es im Gegensatz zum Fällen zu viel Aufwand." Letztlich sagten doch zwei Baumschulen zu, und die Internetseite ging an den Start.   

400 Bäume haben Wehmeyer und Schönfeld 2014, also im ersten Geschäftsjahr, in deutsche Wohnungen gebracht. Die meisten ihrer Kunden sind Familien oder alleinstehende Seniorinnen, die dankbar dafür sind, dass ihnen jemand den Baum nach Hause bringt. 2015 rechnet Wehmeyer schon mit 1000 vermieteten Tannen. 

Angst davor, dass ein Baum mal eingeht, hat er kaum. "Die meisten Kunden, die bei uns einen Baum mieten, tun das ja, eben weil ihnen das Wohl der Tannen am Herzen liegt, deshalb gießen sie die Tannen auch." Eben diese Bindung zwischen Mensch und Tanne wollen Wehmeyer und Schönfeld demnächst noch mehr stärken. Dann könnte es bei ihnen den persönlichen Weihnachtsbaum geben, der, wie das Christkind, alle Jahre wiederkommt, aber nur einer ganz bestimmten Familie zugewiesen ist. 

Info: Bestellungen für Weihnachtsbäume im Jahr 2015 nimmt Happy Tree noch bis inklusive den 18. Dezember an. 

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