(RP) Der nordrhein-westfälische Philologenverband NRW schlägt Alarm: Er registriert immer mehr Beschwerden aus den Gymnasien über die schriftlichen Abiturprüfungen. Tenor: Die Prüfungen seien etwa in Mathematik, in den naturwissenschaftlichen Fächern, in Erziehungswissenschaften und in Niederländisch so umfangreich, dass auch die guten Schüler reihenweise Probleme bekommen hätten. Dies erklärte am Dienstag NRW-Philologenverbandschef Peter Silbernagel auf Anfrage unserer Redaktion.
Viele Schüler aus ganz NRW beschweren sich, dass die Abitur-Prüfungen zu umfangreich waren. Foto: ddp
Probleme mit einer Aufgabe im Mathematik-Leistungskurs zum Thema Oktaeder waren offenbar nur die Spitze eines Eisbergs. An dieser Aufgabe waren, wie Eltern unserer Zeitung berichtet hatten, zahlreiche, auch sehr gute Schüler gescheitert.
Die Aufgabenstellungen waren nach Einschätzung vieler Lehrer in naturwissenschaftlichen, aber auch in sprachlichen Fächern deutlich länger als im vergangenen Jahr, berichtet nun Philologenverbandschef Silbernagel. Im Biologie-Leistungskurs etwa hätten die Schüler 18 Seiten Material sichten müssen, um sich dann für die Bearbeitung von zwei von drei Aufgaben zu entscheiden. Für diese Auswahlphase seien 30 Minuten vorgesehen – zu knapp, so der Philologenverband. Die Folge: Die Schüler verloren erheblich Zeit für die Bearbeitung der eigentlichen Aufgaben.
Viel zu lange Texte
Den Trend zu einem Übermaß an Material bestätigte auch Gabriela Custodis von der Landeselternschaft der Gymnasien (LEG) gegenüber unserer Redaktion. Ob Geschichte, Englisch oder Deutsch – „uns berichten Schüler, dass die zugrunde gelegten Texte deutlich länger sind als im vergangenen Jahr“, sagte die LEG-Vorsitzende. Wenn ein Text nicht mehr eine, sondern eineinhalb Seiten lang sei, gebe es eben mehr zu lesen und mehr zu bearbeiten. „Wir haben gehört, dass auch gute Schüler nicht mehr dazu gekommen sind, ihre Arbeit am der Klausurzeit noch einmal gegenzulesen“, so Frau Custodis.
Der Philologenverband befürchtet nun, dass auf die Schulen eine Welle von so genannten Abweichungsprüfungen zukommt. Sie werden fällig, wenn die Abiturnote von der Vornote um vier Punkte (eineindrittel Note) abweicht. Um dies zu verhindern, fordert der Philologenverband von Schulministerin Barbara Sommer (CDU), gebenenfalls die Bewertungsgrundlage für die Benotung zu ändern. Dies sei in den sprachlichen Fächern weniger problematisch, in den naturwissenschaftlichen aber nicht ohne grünes Licht aus dem Ministerium machbar.
Quelle: RP