Dinslaken: 106 Frauen wollen Türks-Preis
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 26.04.2008Dinslaken (RPO). 106 Frauen wollen ihn haben, eine wird ihn bekommen: Der mit 7500 Euro dotierte Kathrin-Türks-Preis für Autorinnen ist deutschlandweit auf große Resonanz gestoßen. Auf die Jury wartet viel Arbeit.
4230 Seiten bedrucktes Papier wiegen schwer. Um die zuzustellen, bedurfte es gestern Morgen gleich zweier Paketboten. Thorsten Weckherlin, Intendant der Burghofbühne, und Dramaturg Lars Helmer teilten sich die Arbeit. Gelocht und geheftet legten sie Marlies Strych 111 Theaterstücke zu Füßen.
Die Leiterin der Dinslakener Kinder- und Jugendbibliothek ist eine von sechs Jury-Mitglieder, die aus dem Stapel das beste Jugendtheaterstück 2008 auswählen sollen. Bis zum 20. September ist Zeit zum Lesen. Die Preisvergabe erfolgt am 19. Oktober, dem 25. Todestag von Kathrin Türks.
Die Jury
Dr. Andrea Kresimon (Kultursekretariat Gütersloh), Marlies Strych (Leiterin Kinder - und Jugendbibliothek Dinslaken), Vasco Boenisch (Theaterkritiker), Henning Fangauf (Vizeleiter Kinder- und Jugendtheaterzentrum Frankfurt), Thilo Reffert (Autor), Dorothea Marcus (Kritikerin).
Gute Qualität
Die Gründungsintendantin der Burghofbühne gilt als Pionierin des deutschen Kinder- und Jugendtheaters. Sie hätte sich nicht nur über die Zahl der Einsendungen gefreut. Auch die Qualität vieler Arbeiten hätte sie beeindruckt. „Es sind sehr gute Stücke dabei“, sagte Lars Helmer, räumte aber zugleich ein, dass auch eine Reihe „richtig schlechter“, vor allem sprachlich misslungener Werke darunter ist. Er muss es wissen. Bis auf vier hat er sie alle gelesen.
Die meisten Einsendungen, die so schöne Titel tragen wie „Bubendrücken“, „Dunzelloch“ und „Else blau“ kommen aus Deutschland. Auch einige Autorinnen aus Österreich, der Schweiz und Südtirol sind dabei. Eine Dinslakenerin versucht ebenfalls ihr Glück. Keine Chance haben die Kinderstücke. Der von der Burghofbühne gemeinsam mit der Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe ausgelobte Preis will die Autorin des besten Jugendtheaterstücks belohnen. Und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Neben dem Preisgeld gibt es eine Uraufführung ihres Stücks im Frühjahr 2009 am Landestheater Burghofbühne.
Jugendstücke schreiben können nicht nur 18- bis 20-Jährige. Die Altersspanne der Autorinnen, die nach dem Kathrin-Türks-Preis schielen, reicht bis 65. Auch die Themen sind breit gestreut. „Es geht um Liebe, Drogen und erstaunlich oft um die Suche nach der eigenen Identität“, erklärte Lars Helmer. Aufgefallen ist dem Dramaturgen, dass politische Themen offensichtlich so gut wie gar nicht vorkommen. Marlies Strych hat eine Erklärung: „Für uns war Politik wichtig. Wir waren die 68er. Heute interessiert sich die Jugend für andere Dinge.“ Einige wird die Jurorin in dem Papierstapel finden, den sie vor der Lektüre schon mal Probe heben durfte.
Preisverleihung: 19. Oktober
Nicht jedes Jurymitglied wird alles lesen müssen. Die Arbeit wird geteilt, jeder bestimmt einen Favoriten für die Endrunde. Die sechs besten Stücke präsentiert die Burghofbühne am 1. Oktober in einer szenischen Lesung der Öffentlichkeit. Wer das Rennen macht, entscheidet die Jury am 18. Oktober, dem Vorabend der Preisverleihung.
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