Dinslaken: 40 Kirchen – eine Gemeinschaft
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 18.09.2006Dinslaken (RPO). Das Gustav-Adolf-Werk greift seit nunmehr 174 Jahren evangelischen Christen in Europa, Asien und Lateinamerika unter die Arme. In diesem Jahr feierten die Mitglieder das 163. Jahresfest in Dinslaken.
Die Arbeit des GAW
Das GAW pflegt partnerschaftliche Kontakte zu über 40 Kirchen in 35 Ländern der Welt. Alleine das GAW im Rheinland sammelt pro Jahr etwa 300 000 Euro Spenden. „Die werden zum Beispiel für den Gemeindeaufbau oder zum Zwecke missionarischer Projekte genutzt“, erklärt Geschäftsführerin Elvira Hücklekemkes.
„In den Gemeinden meines Landes können wir uns nicht einfach nur hinstellen und predigen. Da muss man zunächst einmal die Ärmel hochkrempeln und helfen“, erklärt Pfarrer Renato Becker. Vor 150 Jahren wanderte sein aus Darmstadt stammender Großvater nach Brasilien aus. Durch schlechte Geschäfte verarmte die Familie, und Renato Becker musste schon mit zehn Jahren Geld verdienen. Erst durch ein Stipendium, das sein Pfarrer ihm vermittelte, wendete sich das Schicksal des Brasilianers. Anlässlich des 163. Jahresfestes des Gustav-Adolfs-Werk (GAW) der Evangelischen Kirche im Rheinland stellte der momentan in München lebende Pfarrer den Kirchenalltag in Brasilien vor.
Neben ihm lauschten seine Kollegen aus Österreich, Frankreich, Paraguay und der Slowakei kopfnickend seinen Ausführungen. Sie alle wissen um die Probleme der protestantischen Kirche in vielen Teilen der Welt. Umso dankbarer sind sie für die Hilfe, die ihnen das Gustav-Adolf-Werk seit Jahren zukommen lässt.1832 als Laienbewegung gegründet, ist es heute das älteste in Deutschland tätige evangelische Diasporawerk. Jährlich sammeln die über das gesamte Bundesgebiet verteilten Zweiggruppen rund drei Millionen Euro für die Unterstützung evangelischer Christen in Europa, Asien und Lateinamerika, die in ihren Ländern als konfessionelle Minderheit leben. Und dadurch nicht selten allerlei Nachteile verkraften müssen.
So erzählte Pfarrer Yo Ludwig stellvertretend für die Französische Protestantenkirche von den vielen Schwierigkeiten, die der Laizismus, also die Trennung von Kirche und Staat, nach 1905 mit sich gebracht hat. Etwa 110 000 protestantische Familien wohnen derzeit in Frankreich. Sie alleine müssen für die jährlich benötigten 25 Millionen Euro aufkommen, die ihre Gemeinden und deren Mitarbeiter über Wasser halten. „Das ist der Preis für die Eigenverantwortung“, schloss Yo Ludwig. Und gab damit das Wort an Diakon Ricardo Schlegel weiter, der für Paraguay am Runden Tisch saß. In seinem Land mache vor allem die politische Korruption den insgesamt nur elf protestantischen Kirchengemeinden zu schaffen. Die liegen nicht selten 400 Kilometer auseinander. Das aufwendige Netzwerk lohne sich dennoch. „Trotz der geringen Größe überzeugt ihr durch die Qualität eurer Arbeit“, resümierte Moderator Ronny Schneider. So plauderte man weiter durch den Nachmittag und freute sich über das, was jeder gemeinnützigen Arbeit Antrieb verschafft: Die Sicherheit der Solidarität.
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