Dinslaken: Achtung im Straßendschungel
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 01.08.2007Dinslaken (RPO). Nach den Sommerferien beginnt für viele i-Dötzchen der Ernst des Lebens. Und der führt die Kleinen nicht nur durch verkehrsberuhigte Zonen. Polizeioberkommissar Dieter Kehr gibt hilfreiche Tipps für den sicheren Schulweg.
„Langsam das rechte Bein nach vorne stellen, das linke durchgestreckt halten, mit dem Arm auf das angewinkelte Bein stützen und vorsichtig gucken.“ Dieter Kehr spricht über seine linke Schulter, denn den Ausfallschritt, den er gerade beschrieben hat, macht der Polizeioberkommissar, der sich mit der RP auf den Weg zur Gartenschule gemacht hat, natürlich auch gleich vor.
Ausschau halten, aber sicher
Zwei Vorteile hat diese Art der Verkehrsbeobachtung: Erstens können die Kleinen durch das Aufstützen des Armes ihr Gleichgewicht halten und laufen nicht Gefahr, versehentlich vornüber auf die Straße zu stolpern. Zweitens haben auch die Autofahrer eine Chance, das Kind zwischen den parkenden Pkw zu entdecken. „Besonders in den ersten Wochen nach Schulbeginn gilt sowieso: Vermehrt auf kleine Köpfchen zwischen den Autos achten.“ Die gehören nämlich meist zu frisch gebackenen i-Dötzchen, für die nicht nur die ersten Schulwochen ein einziges großen Abenteuer sind. Auch der Schulweg ist spannend. Birgt er doch so viele Gefahren, denen die jungen Verkehrsteilnehmer noch nicht routiniert entgegen treten können. Um aber eine gewisse Grundsicherheit zu schulen und bestimmte Verhaltensweisen im Straßenverkehr möglichst früh zu festigen, nutzen viele Kindergärten und Grundschulen die Unterstützung der Polizei. Die für den Bezirksdienst zuständigen Beamten trainieren dann in einer zweistündigen Übungseinheit das richtige Verhalten im morgens meist üppigen und hektischen Straßenverkehr. „Meist schicken wir die Lehrerin vor und diskutieren dann, welche Fehler sie gemacht hat“, lacht der Beamte.
Drei goldene Regeln
Auf vieles muss man achten, nicht alles kann man vorhersehen. Die drei wichtigsten Regeln im Straßendschungel lauten daher: Die Kleinen frühzeitig losschicken, denn wer sich hetzen muss, ist unkonzentriert. Den Schulweg vorher mehrmals abgehen und die sichersten Überquerungsstellen suchen. Die Kinder möglichst alleine oder nur in sehr kleinen Gruppen gehen lassen, damit sie sich untereinander nicht vom Straßenverkehr ablenken.
„Grundsätzlich gilt, dass Kinder im Straßenverkehr unberechenbar sind“, erklärt er weiter. Selbst wenn Eltern wieder und wieder den Weg zur Schule geprobt haben, können die Kleinen im Alltag die einfachsten Grundsätze vergessen. Deshalb gilt: „Den Kindern klar machen, dass sie sich voll und ganz auf den Verkehr konzentrieren müssen. Keine Spökskes unterwegs.“
Denn natürlich sieht die Welt deutlich anders aus, wenn man sie aus einer Augenhöhe von etwa 1,20 Meter betrachtet. Da können parkende Autos auf dem Seitenstreifen zum echten Hindernis beim Überqueren einer Straße werden. Was also tun, wenn die Sicht versperrt ist? „Man sollte den Kindern beibringen, besser einen längeren Weg bis zur kommenden Ampel oder dem nächsten Zebrastreifen in Kauf zu nehmen, als dass man sie an einer solchen Stelle die Straße überqueren lässt“, rät Kehr mit Blick auf die Duisburger Straße. Kinder, die zum Beispiel vom Thyssendreieck kommend ihren morgendlichen Weg zur Grundschule an der Gartenstraße bewältigen, müssen die viel befahrene Straße zwangsläufig queren.
Über den Zebrastreifen
„Deshalb nehmen wir im Kreisverkehr am Krankenhaus den Zebrastreifen und fahren dann eben die paar Meter auf der falschen Seite“, gesteht Anja Hillmann, die auf dem Fahrradweg unterwegs ist. Ihre Töchter Kyra und Andra besuchen die Gartenschule. Ihren Schulweg bestreiten die zwei Schwestern aber längst nicht allein. „Wir gehen morgens mit sechs Kindern los“, erklärt die neunjährige Kyra, die ihre sechsjährigen Schwester in den ersten Wochen unterstützend an die Hand nahm.
Doch auch diese Konstellation ist für Dieter Kehr alles andere als optimal. Mehr als zwei Kinder sollten seiner Meinung nach nicht zusammen den Schulweg antreten. „Weil dann unterwegs getobt wird und selbst die sichersten Kinder die Konzentration verlieren.“ Es heißt ja nicht umsonst, mit der Schulzeit beginne der Ernst des Lebens.
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