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Dinslaken: Alle 500 Meter ein Haus

VON TOBIAS KLÖPPELS - zuletzt aktualisiert: 20.10.2007

Dinslaken (RPO). Tobias Klöppels ist 19 Jahre alt, hat sein Abitur gebaut und leistet jetzt Zivildienst. Soweit, so unspektakulär.

Außergewöhnlich freilich ist der Ort, wo er seinen Zivildienst ableistet – Ecuador. Von dort berichtet er für die RP.
Info

Experiment

Tobias Klöppels hat das Otto-Hahn-Gymnasium besucht, schließlich am Sophie-Scholl-Berufskolleg das Abitur gemacht. Ein Freund hat ihm von der Möglichkeit erzählt, Zivildienst auch im Ausland zu machen.

Auf der Internet-Seite des Bundesamtes für Zivildienst ist er dann auf etliche Institutionen gestoßen, die Stellen vermitteln. Bei „Experiment e. V.“ hatte seine Bewerbung Erfolg.

Ecuador Jetzt ist auch schon der zweite Monat hier in Ecuador vorbei, und man hat das Gefühl, dass die Zeit rasend schnell vorbei geht. Als ich am Anfang des Monats ins Projekt geschickt wurde, um zu arbeiten, hab ich zuerst einen riesigen Schrecken bekommen als ich mein neues Zuhause kennen gelernt hab. Ich wohne jetzt in einem Dorf mit nur einer Hand voll Einwohnern, wo es nicht mal einen einzigen Laden gibt, um etwas einzukaufen. Internet ist hier schon fast ein Fremdwort und von einer warmen Dusche kann ich nur träumen.

Viele Kontake

Das ganze Dorf liegt an nur einem einzigen Weg, an dem sich etwa alle 500 Meter ein Haus befindet. Somit war es in den ersten Tagen eine180 Grad Wendung zu dem Lebensstandard, den ich in Quito hatte. Jedoch hab ich mich schnell dran gewöhnt, und jetzt sind es die wenigen Dinge, die einen an das Leben hier fesseln und es so interessant machen. Somit gefällt mir das Leben hier viel mehr als in Quito. Dazu tragen andere Faktoren bei, wie die mit nichts zu vergleichende Gastfreundschaft der Familien und das fast tägliche Treffen mit den Kindern aus dem Dorf um Fußball, Volleyball, Basketball zu spielen oder einfach miteinander zu reden.

Beschäftigt bin ich hier damit, bei der Aufforstung zu helfen. Meine Arbeit besteht im Wesentlichen daraus, Beete anzulegen, Samen zu säen, Pflanzen groß zu ziehen und natürlich auch zu pflanzen. Bisher haben ich und der andere Zivi um die 600 Bäume gepflanzt. Unsere Hände sehen auch dem entsprechend mitgenommen aus. Des Weiteren bring ich jeden Morgen die frisch gemolkene Milch von den Kühen meiner Gastfamilie runter ins nächste Dorf. Ab und zu kommt es auch vor, dass ich mich aufraffe und um 5 Uhr aufstehe um selbst auch zu melken.

Abgesehen von dem Wegbringen der Milch, leg ich hier alle Wege zu Fuß zurück. Meine Arbeitsstelle befindet sich am untersten Punkt des Dorfes und mein Haus leider am obersten Punkt. Jedoch gewöhnt man sich recht schnell an die zu zurücklegenden Strecken mit samt ihren Höhenmetern.

In der vergangenen Woche gab es hier im Dorf eine Minga, was bedeutet dass alle Dorfbewohner, die Zeit haben, an einer Sache arbeiten. Die Arbeit bestand daraus einen 2500 Meter langen Schlauch zu verlegen, um die Felder zu bewässern und den Kühen Wasser zu geben. Das Anstrengende an der ganzen Sache war, dass man jeden Morgen um halb sechs aufstehen musste, um auf einen 3500 Meter hohen Berg zu steigen, weil dort die Wasserquelle war. Gereist bin ich diesen Monat nicht, weil es einfach immer viel zu tun gibt und ich das Leben hier wirklich genieße. Erlebt hab ich trotzdem einiges, beispielsweise war ich bei zwei Stierkämpfen, habe im Stadion mit der Fußballmannschaft meines Dorfes gespielt und habe eine Taufe besucht. Eigentlich ist hier jeder Tag für mich ein einzigartiges Erlebnis. Ich bin schon gespannt, was alles im Laufe des nächsten Monats passieren wird.

Quelle: RP

 
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