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Dinslaken: Allergie raubt jede Energie

VON HENDRIK GAASTERLAND - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009

Dinslaken (RPO). Es begann mit einem Jucken auf dem Rücken, heute klagt Ralf Tollkien über viele weitere Beschwerden. Der Dinslakener hat MCS – eine "Multi-Allergie", die sein gesamtes Leben zum Hindernislauf macht.

Info

In den USA bekannt

In Deutschland steckt die Diagnose und Hilfestellung vom MCS noch in den Kinderschuhen. Während die Krankheit in den USA längst bekannt ist, gibt es hier nur drei Kliniken mit ganz wenigen Betten. Auch deshalb wäre Ralf Tollkien bereit auszuwandern, um wieder beschwerdefrei leben und arbeiten zu können. Einen Umzug in ein wärmeres Land, in dem er fast immer an der frischen Luft sein kann oder ein ökologisches Haus in einer schadstoffarmen Wohnlage, kann er sich aber nicht leisten.

Als Trainer in Fitnessstudios hatte Ralf Tollkien immer viel Kontakt zu Menschen. Als Sportwissenschaftler verfügte er über das nötige Wissen und stand seinen Kunden mit Rat und Tat zur Verfügung. Das ist nun mehrere Jahre her. Heute lebt Ralf Tollkien zurückgezogen in seiner Wohnung in Dinslaken und hat kaum noch Kontakt zur Außenwelt. Sein körperlicher Zustand lässt dies nicht mehr zu. "Es ist eine traurige Geschichte, aber man zieht sich einfach zurück. Ich habe keine Energie mehr. Es ist ein ekelhaftes Gefühl", sagt der 52-Jährige, wenn er über seine Krankheit spricht. Ralf Tollkien ist seit neun Jahren MCS-Patient, doch die genaue Diagnose stellte ihm ein Arzt erst im Mai 2008.

MCS ist die Abkürzung für "multiple chemische Sensibilität". Ralf Tollkien beschreibt es auch als eine "Multi-Allergie", weil er auf fast alle chemischen Substanzen, die ausdünsten, reagiert. Vor neun Jahren fing es bei ihm mit einem Hautjucken auf dem Rücken an, heute klagt er über Beschwerden wie Atembeklemmungen, chronische Müdigkeit, Erschöpftheit, Übelkeit, Kopfschmerz und vieles mehr. Ein normaler Einkauf für den Haushalt wird für den Patienten schon zum Hindernislauf. "Es war eine achtjährige Odyssee, weil mir kein Arzt sagen konnte, was es ist", meint der 52-Jährige. Das Spektrum von Symptomen ist bei dieser Krankheit so breit gestreut, dass sie nur von den wenigen Fachleuten in Deutschland, es sind spezialisierte Umweltärzte, sicher diagnostizierbar ist. "Bei mir war es ein Riesenzufall, dass ein Arzt in Süddeutschland MCS dann erkannt hat. Da habe ich diesen Begriff zum ersten Mal gehört, zuvor hatte man meine Beschwerden schon für psychisch gehalten", so der ehemalige Fitnesstrainer.

Dauerbelastung über Jahre

Die Ursache für die Krankheit liegt bei dem Dinslakener darin, dass der Bodenkleber in seiner Wohnung giftige Substanzen ausgedünstet hat. Es war zwar nur eine geringe Dosis, doch die Dauerbelastung über viele Jahre hinweg führte zum Immunknacks, wovon sich der Körper nicht mehr erholen wird. "MCS ist nicht therapierbar und es gibt nur ein Medikament, das aber nicht jeder verträgt. Man kann eigentlich nur Schadstoffe meiden, was aber in unserer künstlichen Umwelt, besonders im Wohn- und Arbeitsbereich, so gut wie unmöglich ist", erklärt Ralf Tollkien. Er kann zum Beispiel seine Wäsche nicht dauerhaft in einem herkömmlichen Kleiderschrank lagern: "Die Spanplatte ist mit einem Kleber behandelt, dessen Ausdünstungen in die Kleidung einziehen würden. Darauf würde ich allergisch reagieren."

Was Ralf Tollkien bei seiner Krankheit aber besonders verärgert, ist das Verhalten der Krankenkasse. Die Kosten für notwendige Dinge, wie ein spezielles Bett oder ein Schrank für den täglichen Gebrauch, werden nicht übernommen, stattdessen lässt ihn seine Kasse allein dastehen. "Die haben nur aus ihren Vorschriften zitiert. Es interessiert die gar nicht, obwohl es lebenswichtig ist. Bei einer anderen Krankenkasse konnte ich mich gar nicht informieren, weil mir dazu mittlerweile einfach die Kraft fehlt."

Quelle: RP

 
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