Dinslaken: Angeklagte belasten einander
VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010Dinslaken (RPO). Die Männer, die am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Dinslakener Gastwirt brutal überfallen haben, schilderten am Donnerstag vor dem Landgericht Duisburg ihre Version der Tat. Einer soll alle anderen angestiftet haben.
Tag drei in der Verhandlung vor dem Duisburger Landgericht gegen acht Männer zwischen 23 und 25 Jahren, sechs von ihnen türkischer Herkunft oder Nationalität sowie ein Libanese: Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2009 hatten sie einen Dinslakener Gastwirt brutal überfallen und dabei knapp 17 000 Euro erbeutet.
Nachdem am zweiten Prozesstag bereits ein Verteidiger eine Erklärung über den Tathergang für seinen Mandanten abgegeben hatte, zogen die übrigen Rechtsanwälte am Donnerstag nach.
Richter Dr. Günter Elschner hatte dieses Vorgehen angeregt, da eine Befragung aller Angeklagten, die fast alle in Lohberg wohnen, mehr Zeit verschlungen hätte. Zudem hatte er darum gebeten, dass mittels der Erklärungen nicht die Schuld einem anderen Angeklagten zugeschoben, sondern der eigene Anteil an der Tat geschildert würde – ohne Erfolg. Mit ihren Erklärungen belasteten die Angeklagten sich teils gegenseitig.
Fortsetzung folgt
Weiter geht es mit dem Prozess am Montag, 13. September, um 9.15 Uhr in Saal 201.
Auf der Tagesordnung stehen die fehlenden Vorstrafen und Briefe, die Befragung der Angeklagten und die Plädoyers. Ob es dann bereits zu einem Urteilsspruch kommt, ist noch offen.
Die Sitzung ist erneut öffentlich.
Klar scheinen für Richter Elschner jetzt die Rollenverteilung und der Tathergang. Zwei der Täter hatten ihr Opfer in dessen Disco überwacht und den übrigen Beteiligten Bescheid gegeben, als sich der 52-jährige Gastwirt mit den Tageseinnahmen auf den Heimweg machte. Einer stand in einem Auto "Schmiere", um vor Polizei warnen zu können.
Die übrigen Täter verteilten sich vor dem Haus ihres Opfers: zwei hinter einer Hecke, zwei hinter einem Baum. Als der 52-Jährige ankam, griffen zunächst die beiden Angeklagten hinter der Hecke an. Die beiden anderen kamen hinzu, als sie bemerkten, dass ihre Kollegen den Gastwirt nicht alleine überwältigen würden.
Ersichtlich wurde hingegen nicht, wer einen Teleskop-Schlagstock benutzt haben soll. Vielmehr war von einem Tischbein aus Holz die Rede. "Das macht mich stutzig – wenn ich mich nicht irre, kann man ein Tischbein aus Holz nicht ausziehen", merkte der Richter an. Außerdem ist noch unklar, ob es einen Anführer gab.
Fünf der Erklärungen machten jenen Angeklagten als Initiator aus, der bei dem Opfer als Gläsersammler gearbeitet und ihn am Tattag vor Ort ausspioniert hatte. In den übrigen drei Erklärungen klang es eher so, als hätten zwei der türkischen Angeklagten, die dringend Geld benötigten, nach einer Lösung für ihr Problem gesucht – und der Sammler erst dann berichtet, dass der Gastwirt seine Einnahmen nach Ladenschluss immer selbst mit nach Hause nehme.
Entlastet wurde hingegen der Libanese – drei der Angeklagten bestätigten, dass er nicht dabei war. "Ich hatte nicht den Mut, die Tat durchzuziehen." Daher versteckte er sich in einem Café in Marxloh.
Der Richter ging die Vorstrafenregister von sechs der Angeklagten durch – die vor dem Raub alle "sauber" waren. Außerdem verlas er vier Entschuldigungsbriefe von Angeklagten in Richtung des Opfers. Der Gastwirt war gestern nicht zugegen. Interessiert hätten ihn die Briefe aber ohnehin nicht, wie er am zweiten Verhandlungstag deutlich machte: "Erst hauen sie einen kaputt, dann wollen sie sich entschuldigen." Seine Forderung: "Hauptsache, die gehen in den Knast."
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