Voerde: Asseln auf dem Weg nach Kanada
zuletzt aktualisiert: 24.03.2007Voerde (RPO). Johanna Rische hat’s geschafft: Die Schülerin des Gymnasiums Voerde hat sich für die 4. Runde der Internationalen Biologieolympiade 2007 in Kiel qualifiziert. Dort kämpft die Beste aus Nordrhein-Westfalen um den Einzug ins Finale in Kanada.
Die besten 13
Jedes Jahr finden in Deutschland vier Auswahlrunden statt, um aus interessierten Biologieschülern die vier Besten auszulesen, die zur internationalen Runde in das jeweilige Austragungsland reisen und dort Deutschland vertreten.
Die 45 besten Teilnehmer der zweiten Runde durften für eine Woche ans Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel reisen.
Die NRW-Beste Johanna Rische vom Gymnasium Voerde hat zusammen mit drei weiteren Teilnehmern aus NRW an der dritten Runde teilgenommen und die Mitbewerber auf die Plätze verwiesen.
Als einzige Vertreterin Nordrhein-Westfalens gehört sie nun zu den den 13 Besten der Bundesrepublik Deutschland.
Am Anfang war der Crashkurs. Drei Runden à 75 Minuten sollten in Kiel auf die Prüfungen vorbereiten. „Der erste brachte uns einige Laborgeräte näher. Und dann mussten wir eine Assel bestimmen“, erzählt Johanna Rische. In Botanik stand exaktes Präparieren auf dem Stundenplan. Auch „Statistik“ muss sein, ein Kursus, den viele mit einem mulmigen Gefühl verließen.
Am Dienstagmorgen wurde es ernst, die praktischen Klausuren standen an. Zum Beispiel in Zoologie: Bestimmen Sie eine afrikanische Heuschrecke, hieß es dort. Präparieren inklusive. Obendrauf gab’s etwas Theorie. Botanik: Hier fand das berühmt-berüchtigte „Wettrennen“ statt. Den Prüflingen blieb nur eine Minute Zeit, um das Objekt unter dem Mikroskop verschiedenen Kategorien zuzuordnen. War die Zeit um, wartete bereits das nächste Mikroskop. Danach mussten die Prüflinge Querschnitte anfertigen und entscheiden, welche Zelltypen auf dem Objekt zu sehen waren. Gar nicht leicht. Vor allem ohne Telefonjoker. Viele kreuzten wahllos Wahrscheinliches an.
Proteinbestimmung
Die letzte Klausur : zwei Versuche zur Proteinbestimmung. Dass das nicht einmal ein guter Doktorand in 75 Minuten schaffen kann, tröstete kaum. Am Mittwoch wartete eine viereinhalbstündige Theorieprüfung, Darin ging es Stressreaktionen bei Pflanzen, die Auswirkungen von Asthma, die Wirkungsweise verschiedener Enzyme, Genetik und Ökologie.
Im Tropeninstitut in Hamburg wartete die geballte Information. Und ein Selbstversuch. „Einige haben sich von Anophelesmücken stechen lassen“, berichtet Johanna Rische. „Die waren natürlich nicht mit Malaria infiziert. Und da die Mücken nicht tief stechen, fühlte es sich eher wie ein leichtes Kitzeln an.“ Höhepunkt des Besuchs: selbst einen Blutausstrich anfertigen und präparierte Malaria- und andere Krankheitserreger unter dem Mikroskop untersuchen. Freitag ging’s zur Siegerehrung. „Zu meiner Überraschung und großen Freude kam ich auf Platz 12“, sagt Johanna Rische. Im Juni darf sie nun mit weiteren zwölf Olympioniken, darunter elf junge Männer, noch einmal nach Kiel reisen. Dort geht’s dann um die Wurst. Nur die vier Besten kommen weiter. Sie werden das deutsche Team bilden, das dann im kanadischen Saskatoon um den Sieg kämpft.
Stipendien und Praktika
Gelohnt hat sich die Teilnahme für Johanna Rische bereits jetzt. Jeder Teilnehmer der 4. Runde bekommt 500 Euro, es werden Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes und weitere Praktika, unter anderen eines in Israel, vergeben. Als Anerkennung für die bisherigen Leistungen gab’s zudem die Aufnahme in den Verband deutscher Biologen.
Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Biologieolympiade: www.biologieolympiade.de / www.biologieolympiade-nrw.de
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