Dinslaken: „Auch alte Kippe kann Waldbrand“
VON ROMINA KETTNER - zuletzt aktualisiert: 12.08.2008Dinslaken (RPO). Wenn Doktor Stratmann zur Sprechstunde bittet, gibt’s tosenden Applaus schon vor der ersten Diagnose. So auch im Dinslakener Burgtheater, wo er das Fantastival-Publikum mit „Hochverehrte Dinslakener Kulturelite“ begrüßt. Sein viertes Solo-Programm „Machensichmafrei, bitte!“ beginnt – wo sonst? – in der Kleingartenanlage Bottrop-Batenbrock-Süd. Der Kabarettist lässt die vergangene Gartensaison Revue passieren, klärt über die Krankheiten anderer Gartenbesitzer und Ungeziefervernichtungsmethoden auf. Das Publikum schont er kein Stück. Als Ludger Stratmann die Rolle des Patienten im Wartezimmer annimmt, wird ein Besucher aus der ersten Reihe kurzum zum Kollegen.
Humoristisch berichtet der promovierte Allgemeinmediziner von Oma Schwalzigs Atemtechnik, die im Krankenhaus für Verwirrung sorgt und seinen posttraumatischen Erlebnissen mit Tante Lillis „Bussi-Bussi“-Begrüßung. Kein Auge bleibt trocken, denn jeder kennt mindestens eines der Szenarien, die Stratmann Comedy tauglich macht. Dabei scheut er sich nicht, selbst mitzulachen, was den Mann aus dem Ruhrpott, der Genitiv und Dativ nach dem Zufallsprinzip gebraucht, noch authentischer macht. Sei es die Geschichte von Omas tschechischem Gebiss, das nicht richtig hält oder die Anekdote von der Rehaklinik für Kettenraucher Erwin Kutscha – das Publikum klatscht und johlt begeistert.
Jugend von heute
Neben der leichten Komik schlägt der Doktor auch sozialkritische Töne an. Der zweifache Vater philosophiert über die „Jugend von heute“, die, von MTV und Türstehern erzogen, nicht bereit sei die Renten der Älteren zu zahlen. Am Ende stellt der 60-Jährige jedoch die rhetorische Frage, ob „diese“ Jugend nicht vielmehr ein Produkt der Medien sei, die die eigentliche Rüge verdienten.
Der Kabarettist Ludger Stratmann pflanzt seine Pointen in die Komik des alltäglichen Lebens. So zum Beispiel, wenn er erzählt, dass Männer in seinem Alter noch einen „hohen Marktwert“ genießen. Diese These bekräftigt er damit, „dass alte Kippe auch Waldbrand machen kann“, was das kollektive Anspannen der Lachmuskeln der Zuschauer ein weiteres Mal garantiert.
Autogramme auf Rezept
Am Ende des humorvollen Abends lobt er das Publikum und freut sich über so viel Zuspruch und die fröhlichen Gesichter. Klar, dass die Zugabe nicht lange auf sich warten lässt. Und nachdem das Publikum Ludger Stratmann mit einem langen Applaus und vielen euphorischen Pfiffen ein letztes Mal verabschiedet hat, setzt er sich seelenruhig an ein kleines Tischen am Bühnenrand um Autogramme zu geben. Auf Rezept, versteht sich.
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