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Dinslaken: „Ich habe mich gewehrt“

VON WOLFGANG HOPPE - zuletzt aktualisiert: 29.05.2008

Dinslaken (RPO). Seit gestern muss sich Nadine S. wegen Totschlags vor dem Landgericht Kleve verantworten. Die 29-Jährige Dinslakenerin hat gestanden, am 22. Juli 2007 Jens Targacz in einem Wohnwagen in Emmerich erstochen zu haben.

Ein Filmteam war gestern ebenfalls im Gericht. Nadine S. berichtete dort unter Tränen von der Mordnacht.  Foto: RPO
Ein Filmteam war gestern ebenfalls im Gericht. Nadine S. berichtete dort unter Tränen von der Mordnacht. Foto: RPO

KLEVE/dinslaken Zu Beginn der Verhandlung stellte Nadine S., die seit damals in U-Haft sitzt, den Antrag, das Verfahren auszusetzen. Sie habe nur einmal Gelegenheit gehabt, mit ihrem Pflichtverteidiger zu sprechen.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Knickrehm verwarf den Antrag und befragte die Angeklagte zunächst zu ihrem Lebenslauf. Mit kaum hörbarer Stimme berichtete sie von ihrer Kindheit in Dinslaken bei den Großeltern, die für sie die Eltern waren. Vater und Mutter habe sie nie kennengelernt.

Täglich betteln

Mit 15 Jahren verließ sie die Hauptschule ohne Abschluss und kam in Kontakt mit Drogen. Wegen des Ärgers mit den Großeltern verließ sie ein Jahr später deren Wohnung und versuchte, sich mit verschiedenen Jobs durchzuschlagen.

Als sie schwanger wurde, suchte sie mit Jens Targacz eine gemeinsame Wohnung. Mit 21 Jahren bekam sie eine Tochter, die jedoch nach drei Monaten starb. Nach „mehr oder weniger“ gemeinsam verbrachten Jahren ging es seit 2005 täglich nur um die Frage: „Wie kommen wir an Geld für Drogen?“

Während ihr Freund für einen Emmericher Dealer Stoff in Düsseldorf verkaufte, ging die junge Frau betteln. Dabei nahm sie täglich 60 bis 90 Euro ein.

Als sie gestern an diesem Punkt ihres Lebens angekommen war, schilderte sie alle weiteren Vorgänge nur noch unter Tränen. Eine gemeinsame Wohnung gab es nicht mehr, man lebte auf der Straße oder in der Wohnung des Dealers. Dann fand Jens Targacz im Emmericher Stadtteil Praest den Wohnwagen, den er nachts und zunehmend gemeinsam mit der Frau bewohnte. Nadine S. fiel das Betteln immer schwerer, es kam häufig zum Streit mit beiden Männern.

Am 22. Juli, gegen 22 Uhr, befand sie sich mit ihrem Freund im Wohnwagen. Nachdem sie beide Heroin gespritzt hatten, sei sie eingeschlafen. Nach ihrer Schilderung wurde sie wach, als ihr Freund auf sie einschlug und „Gib mir das Zeug!“ rief. Dann sei alles sehr schnell gegangen. Sie habe sich instinktiv gewehrt und dann nichts mehr realisiert. Erst als sie sich von dem Angreifer befreit und neben dem Wohnwagen gestanden habe, sei ihr das Messer in der Hand aufgefallen. „Es war das Messer, mit dem wir immer unsere Butterbrote schmierten.“ Sie will sich auch daran erinnern, dass der Freund sein Klappmesser in der Hand gehalten habe. Sie sei bei einsetzendem Tageslicht zur Bäckerei gelaufen, um von dort aus einen Krankenwagen zu rufen. Vom Brand des Wohnwagens wisse sie nichts.

Caravan in Flammen

Der Hintergrund: Der Caravan war in Flammen aufgegangen. Nachdem die Feuerwehr ihn gelöscht hatte, entdeckten die Helfer die verkohlte Leiche von Jens Targacz.

Quelle: RP

 
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