Dinslaken: „Realität zur Kenntnis nehmen“
zuletzt aktualisiert: 28.09.2006Dinslaken (RPO). SPD-Urgestein Horst Dwenger zur Kostenexplosion beim Umbau des Lohberger Ledigenheims und zu seiner Einschätzung der Erfolgsaussichten, die das Projekt hat.
Horst Dwenger
Seit 1951 lebt Horst Dwenger in Lohberg. Seit 1969 ist der heute 70-Jährige im Rat.
Innerhalb weniger Monate sind die Kosten für den Umbau des Lohberger Ledigenheims zweimal erheblich gestiegen. SPD-Urgestein Horst Dwenger hat sich im Rat als einziger dagegen ausgesprochen, erneut zusätzliches Geld für das Projekt bereitzustellen. Jörg Werner sprach mit ihm.
Herr Dwenger, alle anderen Mitglieder Ihrer Fraktion haben sich der Stimme enthalten, um das Vorhaben nicht zum Schluss noch zu gefährden Warum haben Sie anders gestimmt?
Dwenger Ich lasse mich nicht einschüchtern. Die Drohung, dass wir die Fördermittel automatisch an das Land zurückgeben müssten, wenn wir jetzt das zusätzliche Geld nicht bereitstellen, glaube ich nicht. Ich habe von vorneherein gesagt, dass ich der festen Überzeugung bin, dass das Projekt Ledigenheim ein Flop wird. Und es ist nichts geschehen, weswegen ich diese Überzeugung ändern müsste. Im Gegenteil. Jetzt werden, weil Geld gespart werden muss, auch noch die Ausbaustandards gesenkt. Das wird es noch schwieriger machen, die Räume zu vermieten.
Es ist bereits so viel Geld in das Ledigenheim gesteckt worden. Ist nicht doch der Zeitpunkt erreicht, wo man gar nicht anders kann, als den Erfolg zu wollen?
Dwenger Zunächst einmal glaube ich, dass es im Rat auf jeden Fall eine Mehrheit gegeben hätte, die die zusätzlichen Mittel bewilligt hätte. Ich bin aber der Meinung, dass die SPD, die von vorneherein gegen das Vorhaben war, dabei nicht mitmachen muss. Und selbst, wenn das Projekt gescheitert wäre, wäre dies nicht unsere Verantwortung. Die Verantwortung für das, was mit dem Ledigenheim geschieht, haben eindeutig CDU und Grüne. Aus dieser Verantwortung will ich sie nicht entlassen.
Gesetzt den Fall, dass das Projekt entgegen Ihrer Prognose ein Erfolg wird, wird es dann nach Ihrer Einschätzung tatsächlich die Bedeutung für den Stadtteil Lohberg haben, der ihm immer zugeschrieben wird?
Dwenger Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Sehen Sie, ich lebe jetzt seit 40 Jahren hier in meiner Wohnung an der Haldenstraße in Lohberg. Ich habe in dieser Zeit erlebt, wie die alten Lohberger immer mehr verdrängt worden sind. Und das geht ungebremst so weiter. Ich habe in Sachen Integration immer sehr liberale Positionen vertreten, habe als junger Bergmann hier die ersten türkischen Arbeiter empfangen. Aber man muss doch die Realitäten zur Kenntnis nehmen. Der Stadtteil hat sein Gesicht verändert, und das wird auch so weitergehen. Daran wird auch das Ledigenheim nichts ändern. Deswegen bin ich ja auch der Überzeugung, dass letztlich die Stadt Räume anmieten muss oder die Mieten subventionieren muss, weil ansonsten nichts läuft beim Ledigenheim.
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