Dinslaken: Beverly singt den Sommer zurück
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 02.09.2008Dinslaken (RPO). Die nass-kalte Fantastival-Nacht vor zwei Jahren ist vergessen. Dinslaken empfing Beverly Daley diesmal mit einem der schönsten Sommerabende, den sich eine Jazzsängerin vorstellen kann. Das Kulturcafé im Burginnenhof verabschiedete die DIN-Tage mit einem kleinen, feinen Open-Air-Konzert.
Ira Gershwin hat einmal gesagt, ihm sei nicht klar gewesen, wie gut ein Song sein kann, bis er von Ella Fitzgerald gesungen wurde. Ähnlich dürften es die gut 300 Zuhörer empfunden haben, als Beverley Daley am Sonntagabend Cole Porters "Mrs. Otis regrets" anstimmte.
So viel Gefühl, so viel Sensibilität, Leichtigkeit, musikalische Beweglichkeit – einfach wunderschön, wie verspielt die kleine Frau diesen großen Song in die Nacht hauchte. Begleitet von den "Up Town Four", einem Quartett, das dabei wie selbstverständlich in den Flüstermodus schaltete, wurde das Stück zu einer der großen Überraschungen dieses an schönen Erlebnissen so reichen Abends.
Oase der Ruhe
Es war warm, es war windstill. Beinahe schien es so, als wolle der August noch einmal beweisen, dass er die Bezeichnung Sommermonat nicht völlig zu unrecht trägt. Der von gelben Leuchtstelen und milchigweißen Lichtschläuchen illuminierte Burginnenhof machte seinem Namen als Oase der Ruhe im DIN-Tage-Rummel alle Ehre. Er verwandelte sich in eine Insel des Jazz, auf die sich all jene retteten, die dem Geschiebe, Gedrängel und Getöse des Stadtfestes längst nichts mehr abgewinnen können oder aber denen der Sinn ganz einfach nach einem entspanntem Ausklang stand.
Das Publikum hatte auf Stühlen und Holzbänken Platz genommen, die einen swingten an Stehtischen, andere fingerschnippten auf Strohballen, die sie ganz dicht vor die Bühne gewälzt hatten um Beverly Daley nahe zu sein. Die aus Jamaica stammende und in Großbritannien aufgewachsene Sängerin wandelte diesmal eher auf Ella Fitzgeralds als auf Diane Reeves Spuren. Beide zählen zu ihren großen Vorbildern.
Statt karibischer Gefühle gab's vornehmlich Swing und Mainstream. Agil und verspielt, anmutig, manchmal auch ein wenig elegant, sang Daley Balladen wie "Georgia on My Mind", schickte ein heftig groovendes "The Lady is a Tramp" in die Nacht und ein leicht dahingetänzeltes "Route 66". Daleys Gefühl für Timing ist erstaunlich.
Wenn sie zur Scat-Woman wird und in die freie Improvisation wechselt, um sich ein paar Takte lang vokalistischen Turnübungen hinzugeben, spürt das Publikum ganz besonders, wie viel Energie und Können in dieser Sängerin stecken. Beverly Daley steht seit 25 Jahren auf der Jazz-Bühne, hat mit großen Bands zusammengearbeitet und ist mit kleinen Formationen getourt. Die Up Town Four webten ihr mit Kontrabass und Piano, Saxofon und Schlagzeug einen behaglichen Rhythmusteppich, auf der sie sichtlich wohl fühlte.
Drei Zugaben
So wohl, dass sie die in der Menge aufblitzende Hellebarde des Dinslakener Nachtwächters, der "zum Abschließen" kam, schlichtweg ignorierte und dem Publikum gab, was es mit kräftigem Applaus einforderte: Zugaben. Dreimal klatschten die Jazzfreunde Beverly Daley zurück auf die Bühne. Die entließ die Besucher mit "Summertime" in die Nacht. Eine gute Wahl. Das Leben kann auch in Dinslaken sehr "easy" sein.
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