Dinslaken: Bis der Globus eiert
VON BETTINA PIELKA - zuletzt aktualisiert: 08.02.2010Dinslaken (RPO). Die Eppinghovener Karnevalsgesellschaft "We sind wer dor" ließ im Gasthaus Möllen die Wände wackeln. Tänze, Büttenreden, massenweise Helau und ein gutgelauntes Dreigestirn sorgten für Stimmung.
Irgendwann hielt es niemanden mehr auf seinem Platz. Hippies, Vampire, Pinguine und all die anderen bunt kostümierten Gestalten tanzten, klatschten, sangen und schunkelten, was das Zeug hielt. Zum ersten Mal brachte Simon Krebs mit seinen Oldie-Gesängen die Jecken in Fahrt. Mit "Crocodile rock" von Elton John oder Frank Sinatras "New York, New York". Er wolle gerne den Tanz eröffnen, doch das sei nicht möglich, "sonst landen Sie noch alle auf den Tischen", erklärte der Stimmungsmacher..
Volles Haus
Die Karnevalsgesellschaft "We sind wer dor" machte mit ihrem Motto ernst: "Eppinghoven feiert bis der Globus eiert". Das Gasthaus Möllen war mit 320 verkauften Karten restlos voll. Der älteste Karnevalsverein Dinslakens hatte sich einiges ausgedacht, um die Jecken bei Laune zu halten. Carolin Kirchner und Jessica Denter heizten mit deutschen Schlagern wie "Du hast mich tausend Mal belogen" von Andrea die Stimmung an. Dann hieß es: Bühne frei für die Gardetänzer. Kleine wie Große zeigten ihr Können, wobei besonders die Mariechen mit akrobatischen Beinwürfen beeindruckten. Unter der Leitung von Stefanie Golinski legten sie eine feine Tanzeinlage auf die Bühne. Auch Golinski selbst trat als Tanzmariechen auf und begeisterte die Besucher mit Radschlägen, Spagaten und anderen Kunststücken.
Das Dreigestirn
So etwas hat es im Dinslakener Karneval noch nicht gegeben: ein Dreigestirn. Prinz Fabian I., Bauer Michael I. und Jungfrau Gerlinde I. regieren zusammen die Jecken. Ein Bauer mit mächtiger Pfauenfederpracht auf dem Kopf, die Jungfrau mit langen blonden Zöpfen und einem kleinen Krönchen.
Das Dreigestirn hat seine Wurzeln in Köln. Es in Eppinghoven zu installieren, entsprang einer Bierlaune. Das Trio hatte die Jecken voll im Griff und spülte jede Menge gute Laune ins Gasthaus.
Auch das Männerballett trumpfte auf. Gekleidet im Stil der 70-er Jahre, die Männer mit Lederjacken und Fönfrisur, die "Frauen" in gepunkteten Kleidern und mit Dauerwelle, boten mit "Summer Lovin'" aus Grease eine tolle Nummer für Augen und Ohren. Auch die Bauchmuskeln der Jecken wurden kräftig strapaziert. Markus Krebs, Gewinner des Niederrheinischen Comedypreises, erzählte von seinem Buch über Siegfried und Roy, geschrieben aus der Sicht des Tigers mit dem Titel "Seh nicht alles immer so verbissen".
Aber die eigentliche Geschichte drehte sich um seine Kneipe an Karneval. Unter den Gästen eine Frau mit einem Gesicht wie Spongebob – aufgrund eines leichten Leberschadens ebenso gelb. "Und wer hat sie angegraben?", fragte Krebs. "Natürlich mein Freund." Die Beziehung stand unter keinem guten Stern. Den ersten Krach hatte das Paar, weil die Frau nicht mit auf das Hochzeitsfoto durfte. Tataa! Tusch. Helau! Und noch 'nen Kracher. Werner Völlings stieg mit Herzluftballon und Sektglas in die Bütt und gab den angeheiterten Charmebolzen, der stets die Wahrheit spricht: "Da kommt man raus, da sieht man euch. Ihr habt's gut, denn ihr seht nur einen Doofen." Jecke dieses Formats kennen selbstverständlich alle Stammtische Dinslakens. "Die meisten aber nur von unten", bekannte Völlings und grinste.
Den Jecken gefiel's. Und weil es Tradition ist, ging es nach dem offiziellen Programm selbstverständlich noch weiter mit Musik und Tanz und Schunkeleinlagen – bis der Globus eierte.
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