Dinslaken: Bitter-süße Sommernacht
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 16.08.2008Dinslaken (RPO). Tango schmeckt nach Sommer und duftet nach bitter-süßem Milchkaffee, zumindest wenn „Quadro Nuevo“ ihn spielen. Bei der Fantastival-Jazznacht im Burginnenhof lud das Quartett zu einer sinnlichen Reise durch Europa ein.
In Polen hat die Sonne den Blues. Sie ist müde, und so schwermütig, dass der anschließende Spaziergang durch die engen Gassen Neapels im beinahe verklungenen Italien der 20er Jahre geradezu verträumt daher kommt, federleicht, warm, zärtlich.
Mulo Francel wird den Zuhörern später erklären, dass das Lied den Titel „Un sorriso d’amore“ trägt. Auch wer des Italienischen nicht mächtig ist, hat längst verstanden: Das kann nur „Das Lächeln der Liebe“ bedeuten. Denn genau so hat es geklungen, was die vier Instrumentalisten da soeben in die – zugegeben etwas kühle – Dinslakener Sommernacht haben schweben lassen.
Neue Jazzreihe
Die Jazz Initiative Dinslaken hat mit der Fantastival-Jazznacht zugleich den Startschuss für die neue Konzertreihe 2008/2009 gegeben.
Als erster Gast kommt am Mittwoch, 24. September, das Sabine Kühlich – Sheila Jordan-Quartett nach Dinslaken.
Dass das Publikum magische Moment erlebt, liegt an den „magnetischen Melodien“, die Quadro Nuevo auf seinen Reisen quer durch Europa gesammelt haben. Daraus entstanden Lieder, an denen der Staub der Straße klebt, die mit Elementen des Flamenco, der Valse Musette, des Balkan-Swing und einer unvergleichlichen mediterranen Leichtigkeit durchwirkt sind. So entsteht Tonpoesie auf höchster emotionaler Ebene. Quadro Nuevo trägt sie mit einer solchen Hingabe vor, dass das Publikum immer wieder begeistert applaudiert.
Reise nach Antakya
Robert Wolf an Gitarre und Bouzouki, D. D. Lowka an Kontrabass und Trommel, Andreas Hinterseher am Akkordeon und Mulo Francel an Klarinette, Bass-Klarinette und Saxophon sind zu vielseitig, als dass sie in eine der üblichen Genre-Schubladen hineinpassen würden. Sie machen ihr ganz eigenes Ding. Gerade noch haben sie auf Zehenspitzen und leise gehauchten Tönen das Land durchquert, in demdie Zitronen blühn, schon stehen sie im fernen Antakya im Südosten der Türkei just auf dem Felsen, in den Apostel Petrus vor langer Zeit die erste christliche Kirche schlug. Ein schöner Ort, um Sehnsuchtsmusik genussvoll in die vor Hitze flirrende Luft steigen zu lassen.
Die vier Virtuosen lieben ihre Musik, und das Publikum liebt es, sie musizieren zu hören. Ganz gleich, ob sie liebevoll Filmklassiker entstauben oder alten Schlagern wie Dalidas „Paroles, Paroles“ neues Leben einhauchen, ob sie Leichtes, Verträumtes, Sehnsuchtsvolles oder Melancholisches in die Ohren der gut 300 Zuhörer träufeln – jeder Ton zeugt von Einfühlungsvermögen, ist Können gepaart mit Spielfreude.
„Säbeltanz“ auf dem Xylophon
Am Ende eines großartigen Konzerts gönnen sich die phantastischen Vier noch einen musikalischen Spaß. Sie spielen – ach was: verwirbeln – Khatchaturians berühmten „Säbeltanz“ auf dem Xylophon, und das achthändig.
Tosendem Applaus folgt die fragilste Zugabe der Welt. „Bitte atmen Sie ganz leise“, verabschiedet Quadro Nuevo das Publikum. Die Zuhörer verstummen. Ein letztes lyrisches Säuseln schwebt ins Dunkel, und die 14 Grad kalte Nacht fühlt sich plötzlich ganz warm an. Buona Notte.
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