Dinslaken: Bukowski in der Bude
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 05.06.2010Dinslaken (RPO). Bei der Aktion "Hol dir die Bude" konnten sich Lyrikfreunde den Kiosk422 für eine Lesung mieten – und die Schauspieler der Burghofbühne gleich mit dazu. Einige Besucher hörten sich mehrere Texte an.
Kerzen leuchten im Kiosk422. Die Wände des Büdchens an der Lohberger Zechenmauer sind mit schwarzem Stoff bedeckt. Auf einer kleinen Bühne steht Stefanie Obermaier-Staltmeier. Die Schauspielerin der Dinslakener Burghofbühne liest ein Gedicht vor. Die Anzahl der Zuschauer ist dabei überschaubar. Gerade mal drei Personen sitzen auf der weißen Couch im Kiosk und lauschen der Lyrik. Die anderen müssen draußen bleiben, einige schauen durchs Fenster in die Lese-Bude, versuchen etwas aufzuschnappen.
Die geringe Anzahl der Gäste ist gewollt. Denn für ein oder zwei Euro – je nach Länge des Textes – können sich die Gäste den Kiosk mieten oder – wie das Motto der Aktion besagt: Sie holen sich die Bude. Für einige Minuten dürfen sie eine exklusive Lesung genießen. Einen von 30 verschiedenen Texten, von Brecht über Goethe bis Bukowski, dürfen sich die Gäste auswählen. Dann einfach den fälligen Geldbetrag in die bereitstehende Spardose werfen und schon geht es los. Dabei ist egal, ob man sich alleine auf die Couch setzt, oder noch ein paar Freunde oder die Familie mitnimmt.
Rund um die Bude
Vorleser Die verschiedenen Texte wurden vorgelesen von Stefanie Obermaier-Staltmeier, Lars Helmer, Carsten Caniglia und Marco Pickart Álvaro. Jedes der vier Burghofbühnenmitglieder hatte dabei mehrere Texte zur Auswahl.
Kultbude Die Aktion "Hol dir die Bude" fand im Rahmen der "Kulturbude"-Veranstaltung statt, die von Volker Bellingröhr und der Künstlerin Britta L.QL im Kiosk organisiert werden.
Infos Weiteres zum Kiosk422 gibt es unter www.kiosk422.de
Kultur total
"Das ist eine tolle Idee. Es ist so, als würde das Gedicht nur für einen selbst gelesen", sagt Walter Born, der sich mit seiner Ehefrau Doris sowie mit Achim und Dagmar Aschenbruck in einer kleinen Hörergruppe direkt mehrfach ein paar Gedichte à la carte bestellt. Die Vier haben einen klaren Favoriten: "Der Zwischenfall an der Tiefkühltruhe von Charles Bukowski hat uns besonders gut gefallen", erklärt das Quartett unisono. Gelesen hat die Geschichte Lars Helmer. Der Dramaturg der Burghofbühne ist auf die Texte des "Dirty Old Man" spezialisiert. Regelmäßige Besucher der "Kneipenlyrik im Bräustüb'l" wissen das.
Nach der Lesung geht es nach draußen. Hier wartet noch ein weiterer kultureller Leckerbissen auf die Besucher. Mit Akustikgitarre und Gesang unterhält Sebastian Müller aus Oberhausen unter dem Namen "Captain's Diary" die Zuhörer. Auf ein ganz besonderes Erlebnis freut sich Sigrun Hansen vor der Bude. Sie ist eine der Autorinnen, die einen eigenen Text für die Lesung in der Bude eingereicht haben. "Abschied" heißt das Werk, das sie vor zehn Jahren geschrieben hat. Auf die Idee, es für die Lesung anzubieten, ist sie gekommen, als sie durch ihre Freundin Walburga Schild-Griesbeck von der Aktion hörte. Gespannt sitzt die 73-Jährige auf der Couch, während Lars Helmer von der Burghofbühne ihren Text vorliest. "Ich bin ganz gerührt", sagt Sigrun Hansen nach dieser Lesung. "Wenn man es vorgelesen bekommt, dann ist es etwas ganz anderes, als wenn man es selbst liest", sagt sie.
Gratislesung
In der "blauen Stunde" kommen alle Besucher auf ihre Kosten. Gratis dürfen sie sich die eingesandten Texte von mehreren Autoren im Kiosk422 anhören. Viel Applaus von den begeisterten Zuschauern.
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