Dinslaken: "Cool bleiben"
VON HENNING RASCHE - zuletzt aktualisiert: 26.05.2011Dinslaken (RPO). Willi Kassen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) hat jungen Müttern der Gruppe "Frühstarter" im Kursus "Erste Hilfe am Kind" Grundlagen zur Erstversorgung bei kleineren Unfällen vermittelt. Sein Motto: Immer ruhig bleiben.
"HELD" steht groß auf dem Bild, das der Beamer an die Wand wirft. H - wie Hilfe leisten, E - wie Ermutigen, L - wie lebenswichtige Funktionen sichern und D - wie Decke unterlegen. Die Abkürzung steht am Anfang an der Wand, kommt aber im laufenden Kursus immer wieder zum Einsatz. Kurz und prägnant soll es das Wichtigste zusammenfassen.
Neun junge Mütter unter 23, die sich sonst bei der Gruppe "Frühstarter" treffen, haben an den vergangenen beiden Dienstagen einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. "Erste Hilfe am Kind" hieß die Veranstaltung, die von Willi Kassen vom DRK geleitet wurde. Was tun, wenn das Kind nicht mehr atmet? Was passiert, wenn das Kind einen Gegenstand verschluckt hat? Wie geht man als Mutter mit Schürfwunden um? Und wie beugt man Elektrounfällen vor, also dem Griff in die Steckdose? Das alles waren Fragen, die bei der Schulung im Mittelpunkt standen und Willi Kassen beantwortete.
Die Frühstarter
Die Gruppe "Frühstarter" ist aus einer Kooperation zwischen der Awo und dem Jugendamt entstanden. Inzwischen trifft sich die gruppe regelmäßig einmal in der Woche dienstags um 17 Uhr im Familienzentrum der Awo auf der Douvermannstraße 7. Die Teilnahme ist kostenlos und die Gruppe offen für neue Teilnehmer.
Kindergeschrei stört nicht
"Frühstarter", das ist eine Gruppe von Müttern mit Kindern bis zu zwei Jahren, die sich einmal wöchentlich mit der Erzieherin Petra Strehlau trifft. Dort können die Frauen Erfahrungen austauschen, Fragen stellen und zusammen Spaß haben. Annette Berger vom Jugendamt Dinslaken unterstützt die Gruppe, in dem sie regelmäßig vorbeikommt. "So trauen die Mütter sich eher Kontakt zu mir aufzunehmen", sagt Berger. Ihre Kinder nehmen die Mütter auch manchmal mit, sodass sich eine heitere Mischung ergibt.
Willi Kassen ist vollkommen gelassen bei dem Lehrgang. Dass unter den Tischen Kleinkinder hin und her rennen, mit Spielzeugautos werfen oder Gläser fallen lassen, stört ihn wenig. Der erfahrene Großvater kennt sich wohl aus. Locker stellt er den Teilnehmern Fragen, um sie bei der Sache zu halten: "Was geht ab?" oder "Na, wer hat Ahnung davon?" Bei der zweiten Schulung steht vor allem das Thema Beatmung im Vordergrund. Kassen hat dazu drei Puppen mitgebracht, um die Reanimierung zu üben. Doch in der Gruppe der Teilnehmer hält sich die Begeisterung zur aktiven Teilnahme in Grenzen. Mutter Jennifer sitzt am Rand und versucht wegzugucken. "Nein, ich lieber nicht", sagt sie. Kassen ist das egal, er zwingt niemanden zum Mitmachen. Es geht ihm um das grobe Verständnis. "Hauptsache wir haben das alles mal gehört und müssen es nie anwenden", sagt er. Beim Thema Insektenstiche macht sich in der Gruppe Aufregung breit. Warum hat Kassen auch nur so ein alltägliches Beispiel gewählt? Von Erdbeerkuchen auf der Terrasse und Wespen, die sich in der Sahne verstecken und allergischen Reaktionen hat er gesprochen. "Mein Kind muss erst gestochen werden, damit ich sehe, ob es allergisch ist?", ruft Anna, die Mutter von Samy, in den Raum. "Mensch, bleiben Sie doch mal cool", sagt Kassen. Ein Satz, den er immer wiederholt. Er gilt wohl in jeder denkbaren Situation.
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