Dinslaken: Das etwas andere Aschenputtel
VON SEBASTIAN MÜHLEIS - zuletzt aktualisiert: 03.12.2010Dinslaken (RPO). In der Kathrin-Türks-Halle präsentierte die Rheinische Post "Aschenputtel – das Musical". Bei der Umsetzung wich das Theater Liberi von herkömmlichen Kindertheater-Standards ab – und begeisterte die kleinen Zuschauer.
Spätestens nach der ersten Verfolgungsjagd des Prinzen auf Aschenputtel war das Eis gebrochen. Vor allem die Kinder unter den Zuschauern in der gut gefüllten Stadthalle mussten laut lachen, viele Eltern konnten sich ein Schmunzeln ebenfalls nicht verkneifen. Zu diesem Zeitpunkt war allen klar, dass "Aschenputtel – das Musical" mit den üblichen Kindertheater-Produktionen nicht viel gemein hat.
Fetzig und rockig
Die Umsetzung des Märchens der Brüder Grimm vom Theater Liberi hatte am Ende das Attribut "innovativ" verdient. Dies galt zum einen für die schauspielerische wie musikalische Umsetzung, die eher fetzig bis rockig daher kam, zum anderen auch für das Bühnenbild. Von den klassischen Märchenbüchern inspiriert, wollte Regisseur Helge Fedder das Bühnenbild als eine Art Schattenriss oder Scherenschnitt darstellen. Die Umsetzung gelang Bühnenbildner Sebastian Schlecht mit einer so genannten Opera-Folie, die den Effekt hat, dass sie Schatten erzeugt, wenn sie von hinten angeleuchtet wird – wenn etwas zwischen ihr und der Lichtquelle ist, was einen Schatten werfen kann.
Theater Liberi
"Aschenputtel – das Musical" ist die erste Produktion des 2008 gegründeten Theaters Liberi, dessen Angebot sich speziell an Kinder richtet.
Obwohl mit "Schneewittchen – das Musical" und "Dornröschen – das Musical" zwei weitere Umsetzungen von Märchen der Gebrüder Grimm ihre Premiere feierten, entschloss sich Liberi, auch die Premierenproduktion wieder durchs Land zu schicken.
So war die Szenerie, etwa der Wald, auf die Folien selbst aufgetragen, hinzu kamen wie gewünscht Schattenriss- und Scherenschnitt-Elemente, sobald die Darsteller hinter den Folien verschwanden, und nur noch als Schatten zu erkennen waren, etwa bei der Verfolgungsjagd.
Dank dieser Elemente nahm die Geschichte der ungeliebten Stieftochter, die am Ende das Herz eines Prinzen erobert, schnell Fahrt auf – und gestaltete sich derart kurzweilig, dass die knapp zwei Stunden Spieldauer wie im Fluge vergingen. Dies lag auch an der passenden Besetzung der Charaktere: Julia Lowack als Aschenputtel raubte nicht nur dem Prinzen (Christopher Przibylla) den Atem. Zudem gelang es ihr hervorragend, die Tugenden Freundlichkeit, Bescheidenheit und Tapferkeit herauszuarbeiten, die ihre Rolle trotz der Unterdrückung durch die Stiefmutter ausmachen.
Diese böse Rolle interpretierte Michaela Schober ebenso stark wie Sylvia Andiel, die die nervende leibliche Tochter spielte, die ihre. Zum Abschluss tanzten, sangen und klatschten die vier Darsteller noch einmal, nachdem das Publikum sie zuvor bereits mit minutenlangen Ovationen bedacht hatte. Die Kinder ließen sich nicht zweimal bitten, und gingen sofort mit, hüpften umher und klatschten im Takt.
Und schnell machte das Wort "cool" die Runde, als Antwort auf die Frage vieler Eltern, wie ihren Kindern das Stück denn gefallen habe. Darstellerin Michaela Schober sagte vor der Aufführung, dass Kinder das kritischste Publikum seien, das es gibt, da sie rein und ehrlich sind. Beim Blick in die vielen strahlenden Gesichter dürfte sie zufrieden gewesen sein.
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