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Dinslaken: "Das kriegen wir schon hin"

VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 08.10.2008

Dinslaken (RPO). Ruth Wendt ist 80 Jahre alt. Und ein echtes Energiebündel. Als alleinerziehende Mutter von acht Kindern, Mitglied der Senioren Union, Autorin und Herausgeberin feierte sie ihre größten Erfolge. Nun will sie langsam kürzer treten.

Ruth Wendt (dritte von links) im Kreise ihrer Lieben. Dazu zählt nicht nur ihre große Familie, sondern auch die Weggefährten der CDU: Senioren-Union-Vorsitzende Ulrike Giesen-Simon, Sohn Rainer Wendt, Bürgermeisterkandidat Heinz Wansing, Bürgermeisterin Sabine Weiss und CDU-Stadtverbandsvorsitzende Renate Seidel (von links nach rechts) gehörten zu den Gratulanten an ihrem 80. Geburtstag.   Foto: RPO
Ruth Wendt (dritte von links) im Kreise ihrer Lieben. Dazu zählt nicht nur ihre große Familie, sondern auch die Weggefährten der CDU: Senioren-Union-Vorsitzende Ulrike Giesen-Simon, Sohn Rainer Wendt, Bürgermeisterkandidat Heinz Wansing, Bürgermeisterin Sabine Weiss und CDU-Stadtverbandsvorsitzende Renate Seidel (von links nach rechts) gehörten zu den Gratulanten an ihrem 80. Geburtstag. Foto: RPO

Ruth Wendt sitzt im Kreise der Menschen, die ihr die Welt bedeuten und blickt fröhlich drein. Es ist ihr 80. Geburtstag, was keiner glauben mag, der der rüstigen Dame so zusieht, und es ist auch ein Tag, an dem sich in aller Ruhe reflektieren und gemeinsam erinnern lässt.

Immer alles positiv sehen

„Sie hat unbeschreiblich viel Energie und Lebensfreude“, sagt Bürgermeisterin Sabine Weiss mit Blick auf Ruth Wendt. Ebenfalls aufgewachsen in Duisburg-Hamborn kennt sie die Mutter von acht Kindern schon ihr Leben lang. „Auch wenn sie es schwer hatte, hat sie sich immer durchgeboxt und stets alles positiv gesehen.“ So verwundert es kaum, dass einer der Sätze, die Sabine Weiss aus Ruth Wendts Mund am häufigsten gehört hat „Ach, das kriegen wir schon irgendwie hin“ lautet.

Info

Poesie des Krieges

Pünktlich zu ihrem runden Geburtstag erschien gestern der Band „Poesie des Krieges“, in dem Feldpostbriefe ihres Großvaters aus dem ersten Weltkrieg versammelt sind.

Das literarische Geschick liegt wohl in der Familie: Hermann Kammrath formulierte seine Briefe in Versform. Ruth Wendt übersetzte seine schönsten Grüße an die Heimat aus der Sütterlinschrift und fungierte außerdem als Herausgeberin.

Rosig war das Leben der 80-Jährigen dabei wahrlich nicht immer. Als allein erziehende Mutter von acht Sprösslingen lastete viel Verantwortung auf ihr. Viele Jahre stand sie jeden Morgen um vier Uhr auf, ging Zeitungen austragen, machte dann das Frühstück für ihre Kinder, brachte sie zu Schule, kümmerte sich um den Haushalt und ging Putzen.

„Aus all meinen Kindern ist etwas geworden; keiner ist auf der Strecke geblieben“, kann sie heute zufrieden sagen. Das wiederum, betont Sohn Rainer, sei vor allem ihr Verdienst. „Zwei Dinge haben sich wie ein roter Faden durch das Leben meiner Mutter gezogen: Sie hat uns keine Reichtümer, aber die Fähigkeit unser Leben selbst zu gestalten bieten können. Sie hat uns lebenstüchtig gemacht. Und sie strotzt nur so vor Kreativität.“

Schreiben als Stütze

Diese Ader entdeckte Ruth Wendt jedoch erst, als auch ihr letztes Kind aus dem Haus war. „Damals bin ich regelrecht ins Leere gefallen“, erinnert sie sich 25 Jahre zurück. Neue Aufgaben mussten her. Und so begann sie mit dem Schreiben. Erst im Blick zurück, auf die eigene Kindheit, später auch aus der Fantasie heraus. Entstanden sind zahlreiche Geschichten, Sketche, Theaterstücke. Beim Seniorentag in Hiesfeld Ende Oktober wird sogar Wendts eigene Enkelin im Stück „Das darf doch nicht wahr sein“ ihrer Großmutter mitspielen.

Als sie 1989 nach Dinslaken zog, suchte sie sich sofort Aufgaben. Als Mitglied der Senioren Union, von 2003 bis 2005 war sie dort Vorsitzende, engagierte sie sich genauso wie bei der Frauenhilfe der evangelischen Kirche. Selbstbewusst packte sie alle Aufgaben an – nur beim Schreiben war sie zunächst gehemmt. „Die Schreibwerkstätten der Volkshochschule haben mir damals geholfen.“

Die Erfindung des Computers sei ihr dabei gerade recht gekommen. Seither hämmere sie regelmäßig auf die Tasten. Und will damit auch noch lange nicht aufhören. Nur bezüglich ihrer vielen Ehrenämter wolle sie langsam etwas kürzer treten. „Aber Aufhören mit dem Schreiben?“, fragt die Oma von 14 Enkeln und achtfache Urgroßoma, „Niemals!“

Quelle: RP

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