Dinslaken: Das Leben der Malocher
VON ANGELIKA RITZKA - zuletzt aktualisiert: 27.10.2007Dinslaken (RPO). Wie der Bergbau Menschen aus fremden Länder ins Ruhrgebiet und auch in Lohn und Brot brachte, werden Schüler des THG erforschen. In einer Kooperation mit dem Dinslakener Stadtarchiv widmen sie sich dem Thema „Migration in Dinslaken und Umgebung.“ Dafür gab’s 2000 Euro vom Land.
Jetzt kann die Arbeit losgehen: 2000 Euro hat das Gemeinschaftsprojekt von Stadtarchiv Dinslaken und Theodor-Heuss-Gymnasium beim Landeswettbewerb „Archiv und Jugend“ gewonnen (RP berichtete). Ein Grund zur Freude für Stadtarchivarin Gisela Marzin und Dennis Neumann, derzeit Referendar am THG. Als die Stadtarchivarin von der Auslobung des Wettbewerbs erfuhr, suchte sie an den Schulen nach Kooperationspartnern.
Referendar war begeistert
Bei Dennis Neumann stieß sie sofort auf Begeisterung, erzählte Gisela Marzin. Schnell war auch das Thema gefunden: Migration in Dinslaken und Umgebung“. Weil die Stadt im 20. Jahrhundert maßgeblich von Bergbau und Zeche geprägt wurde, es immer noch Zeitzeugen gibt und auch auf viele Quellen zurückgegriffen werden kann, entschlossen sich Marzin und Neumann dieses Thema beim Landeswettbewerb als förderungswürdig vorzustellen.
Zeitzeugen gesucht
Wer über seine Zeit im Bergbau den Schülern etwas erzählen möchte, kann sich bei Gisela Marzin melden, Tel. 02064/66-629. Die Stadtarchivarin stellt den Kontakt her.
So sah es auch Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, der die Gewinner bekannt gab. Das Dinslakener Vorhaben ist eins von 24 Projekten, die sich bei dem Landeswettbewerb um eine Förderung bemüht hatten. 19 Archiv-Themen wurden als förderungswürdig angesehen. Insgesamt werden 100 000 Euro an Fördergeldern verteilt. „Archive dokumentieren unsere Vergangenheit in Wort und Bild“, sagte Grosse-Brockhoff. „Ich wünsche allen Projekten, dass sie Kindern und Jugendlichen zeigen, wie spannend Archive wirklich sind und welche Schätze sich dort heben lassen“, so der Kulturstaatssekretär.
Für die THG-Schüler, die sich für die Arbeitsgemeinschaft begeistern, gibt es also jede Menge zu entdecken. 15 bis 20 Schüler können mitmachen. Die Gruppe hat sich noch nicht formiert, soll sich aber aus Gymnasiasten der Jahrgänge Sieben bis Zehn zusammensetzen.
Noch in diesem Monat wollen Gisela Marzin und Dennis Neumann starten. Zu den Aufgaben der Schüler wird nicht nur die Recherche in Archiven und im Internet gehören, sondern auch das Befragen von Menschen, die im Bergbau gearbeitet haben – sei es auf der Zeche Lohberg, sei es auf anderen Bergwerken. Deutsche wie ausländische Mitbürger sollen zu Wort kommen. Denn im Bergbau waren viele Nationen beschäftigt, sagt Gisela Marzin: Neben Türken kamen im vergangenen Jahrhundert beispielsweise auch Italiener, Griechen und Koreaner ins Ruhrgebiet, um hier unter Tage zu malochen. „Damals begann die Migration“, sagt die Stadtarchivarin. Denn: „Hier gab es Arbeit.“
Fremdes schätzen lernen
Die Erinnerungen der Einzelnen sollen die Schüler in einen geschichtlichen Gesamtzusammenhang setzen. Ziel ist es, den Schülern über die Arbeit eine Akzeptanz für andere Kulturen zu vermitteln und sie kritisch werden zu lassen gegenüber Stereotypen, so Marzin. Ganz nebenbei hofft die Stadtarchivarin natürlich noch, dass die Jungen und Mädchen beginnen, sich für Archive zu begeistern. „Das ist hier nämlich eine sehr interessante Arbeit“, so Gisela Marzin.
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