Voerde: "Deichgräf nicht mehr tragbar"
VON HEINZ SCHILD - zuletzt aktualisiert: 24.03.2009Voerde (RPO). Nach dem Debakel bei der schließlich abgesagten Wahl des Erbentages haben zehn Mitglieder des Deichverbandes Mehrum sich zusammengefunden und einen offenen Brief verfasst. Darin fordern sie den baldigen Rücktritt von Hans-Dieter Langenfurth als Deichgräf.
Hans-Dieter Langenfurth ist nach Ansicht von zehn Mitgliedern des Deichverbandes Mehrum als Deichgräf nicht mehr tragbar. Deshalb hat die Gruppe, zu der auch Dr. Helmut Lang gehört, einen offenen Brief geschrieben, der an Bürgermeister Leonhard Spitzer und Bert Mölleken, Vorsitzender der Voerder CDU-Fraktion, gerichtet ist. Die beiden Christdemokraten sollen auf ihren Parteikollegen einwirken, dass er endlich die Konsequenzen aus dem Erbentagswahl-Debakel zieht und zurücktritt.
In dem offenen Brief werden dem Deichgräfen ein "dilettantischer Angang und eine vermeidbare blamable Fehlleistung" bei der Vorbereitung der Wahl des Erbentages attestiert. Die Veranstaltung musste abgebrochen werden, da an die 450 Deichverbandsmitglieder erschienen waren und die Registrierung der Wahlberechtigten auch nicht annähernd zeitgerecht mit Hilfe eines einzigen Computers durchgeführt werden konnte.
Rechtsgültig
Die Bezirksregierung Düsseldorf hat Hans-Joachim Schwan von der IG Mehrum-Götterswickerhamm-Löhnen geantwortet, der Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Deichverbandssatzung hat, da Erbentagsmitglieder nur bis 65 Jahren wählbar sind. Für Schwan ein Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Nein, sagt die Bezirksregierung, denn bei der Mitgliedschaft im Erbentag handelt es sich um ein Ehrenamt, auf welches das Gleichbehandlungsgesetz nicht anzuwenden ist.
Die Unterzeichner des Briefes greifen die Frage auf, "was unter der koordinierenden Leitung dieses Deichgräfen wohl passierte, wenn einmal bei einer realen Hochwasserkatastrophe spontanes zielgerichtetes Handeln gefordert würde?" Langenfurth halten sie vor, angesichts der von ihm "praktizierten hilflosen Inkompetenz" das Vertrauen vieler Deichverbandsmitglieder verspielt zu haben. An den Bürgermeister und den CDU-Fraktionsvorsitzenden richten sie den Appell, den Deichgräf zum Rücktritt zu bewegen, um den Deichverband und seine Mitglieder vor weiterem Schaden zu bewahren.
Inzwischen hat die Gruppe um Ingo Hülser, die für die Erbentagswahl mit einer eigenen Kandidaten-Liste angetreten ist, nochmals die Änderung der Deichverbandssatzung gefordert. Denn das gültige Wahlsystem werde den Anforderungen einer demokratischen Wahl nicht gerecht. Als undemokratisch wird die Ausübung der Wahl mit einer Vollmacht durch eine große Gruppe von Menschen angesehen, die dem Deichverband nicht angehören. In der nächsten Erbentagssitzung am 27. März soll per Satzungsänderung ein neues Wahlsystem eingeführt werden, das die Stimmabgabe in einem Wahllokal und die Möglichkeit der Briefwahl vorsieht. Die Kandidaten der "Wahlliste der engagierten Deichverbandsmitglieder" hoffen, die Satzungsänderung zusammen mit den Erbentagsmitgliedern und der BiB-Liste umsetzen zu können.
Den Plan, die Wahlvollmachten abzuschaffen, lehnt die Gruppe um Dr. Lang ab. Sie sieht darin den Versuch, durch die Satzungsänderung ein zu erwartendes unvorteilhaftes Wahlergebnis in ein "vorteilhafteres umzumanipulieren".
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