Dinslaken-Hiesfeld: Delfine helfen Noah und Leon
VON HENDRIK GAASTERLAND - zuletzt aktualisiert: 28.07.2010Dinslaken-Hiesfeld (RPO). Die elf Jahre alten Zwillinge Noah und Leon Bedrina erhalten die Möglichkeit, im kommenden Jahr zum zweiten Mal eine Delfintherapie auf Curacao zu machen. Die behinderten Brüder werden mit 15 000 Euro unterstützt.
Diesen Glücksmoment wird Silvano Bedrina so schnell nicht vergessen: Der Fahrlehrer saß gerade mit einem Schüler im Auto, als er einen Anruf von der Vereinswirtin der Weseler Zebras, Uschi Dagott, erhielt. Sie teilte dem ehemaligen Kicker über Handy mit, dass er eine Spende von 15 000 Euro erhalten würde, um seinen geistig und körperlich behinderten Zwillingen zum zweiten Mal in ihrem Leben eine kostspielige Delfintherapie auf Curacao zu ermöglichen. "Ich war total perplex und hatte 1500 Euro verstanden. Auch über diese Summe hätte ich mich riesig gefreut. Aber als sie zweimal 15 000 Euro wiederholt hatte, war ich geplättet", erzählt Silvano Bedrina.
An die Geschwister erinnert
Das von Uschi Dagott versprochene Geld entstammt dem mit 100 000 Euro gefüllten Spendentopf für den Weseler Joel Rademacher, weil der Zwölfjährige das Geld für eine Behandlung nicht mehr braucht (siehe Info-Box). Die MSV- Vereinswirtin kennt Silvano Bedrina noch aus der Zeit, als er für die Zebras stürmte. Der Kontakt war lange abgerissen, bis Uschi Dagott vor einigen Wochen beim Benefizspiel der TuS Drevenack gegen die Bernard-Dietz-Auswahl zu Gunsten der Zwillinge Noah und Leon dabei war. Die elfjährigen Geschwister blieben ihr in Erinnerung.
Spendentopf
Um dem schwer kranken Joel Rademacher aus Wesel eine Operation in den USA zu ermöglichen, hatte sich nicht nur der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Obrighoven-Lackhausen ins Zeug gelegt. 100 000 Euro wurden insgesamt gesammelt, wovon nun die Hälfte an die zwei Familien aus Dinslaken und Xanten, zwei Kinderhospize in Gelsenkirchen und Bad Oeynhausen, die Kinderklinik im Weseler Marien-Hospital und an die Hospizinitiative Wesel verteilt wurden. Denn Joel kann in einigen Jahren auch in Deutschland behandelt werden, und die Kosten übernimmt voraussichtlich die Krankenkasse der Familie.
Die restlichen 50 000 Euro wurden "eingefroren", falls die Kasse doch nicht alle Kosten in vier oder fünf Jahren übernimmt.
Seiner Ehefrau Sonja erzählte der Fahrlehrer erst nach getaner Arbeit am späten Abend von dem Telefonat. Häufig kämen Zusagen für Spenden, doch da die sich auch oft zerschlagen würden, überwog zunächst noch die Skepsis. Erst als eine Familie aus Xanten mit zwei behinderten Kindern, der ebenfalls 15 000 Euro aus dem Joel-Spendentopf versprochen worden waren, den Bedrinas vom Eingang des Geldes auf ihrem Konto berichtete, konnte auch das Dinslakener Ehepaar sich freuen.
Geplant ist nun, dass beide Familien gemeinsam mit ihren Kindern im November 2011 auf die Antillen fliegen. Die Bedrinas waren mit Noah und Leon schon einmal vor zwei Jahren dort und wollen den Xantenern mit ihrer Erfahrung weiterhelfen – denn ein Urlaub wird die zweiwöchige Reise weder für die Kinder, noch für die Eltern. "Eine Delfintherapie ist keine Spaßtherapie. Das sind jeden Tag drei Stunden harte Arbeit für die Kids, die aber dadurch eine unglaubliche Eigenmotivation entwickeln", erklärt Silvano Bedrina.
Enorme Fortschritte
Experten arbeiteten mit Noah und Leon an einem individuell abgestimmten Programm, und die Kinder machten darauf enorme Fortschritte in ihrem Problemfeldern. Von einer zweiten, aber aus Altersgründen auch letzten Delfintherapie erhoffen sich die Bedrinas weitere Verbesserungen. Rund 21 000 Euro wird der komplette Trip pro vierköpfige Familie nach Curacao verschlingen, doch Sonja Bedrina rät von billigen Therapien beispielsweise in der Türkei ab: "Natürlich ist das eine stolze Summe, aber auf Curacao sind nur professionelle Topleute, die neue Therapievorschläge für zu Hause machen und sich auch mit den deutschen Ärzten in Verbindung setzen."
Weil sie selbst so viel Unterstützung in den vergangenen Jahren erhalten haben, möchte Silvano Bedrina in Zukunft mit seiner Hilfe einer anderen Familie mit ähnlichen Problemen eine Therapie ermöglichen: "Ich habe durch den Fußball noch so viele Kontakte, dass wir bestimmt bei einer Familie, die es genauso wichtig braucht wie wir, etwas bewegen können."
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