Dinslaken: Den Kohlehafen verhindern
VON RALF SCHREINER - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009Dinslaken (RPO). Der Widerstand gegen den geplanten Kohlehafen der Evonik Steag wächst. Beim Ortstermin am Stapp wurde deutlich: Immer mehr Menschen wollen das Projekt verhindern. Einige Politiker haben sie auf ihrer Seite.
Dinslaken/voerde Es war voll auf der Emscherbrücke. Radfahrer, die gestern Nachmittag das Nadelöhr Am Stapp passieren wollten, mussten absteigen und sich schiebend einen Weg durch die Menschenmenge bahnen. Weit über 100 Anwohner, Politiker und Naturschützer waren der Einladung von Petra Schmidt-Niersmann, Ratsfrau der Dinslakener Grünen und Gründungsmitglied der Bürgerinitiative Kohlehafen, gefolgt. Sie wollten hören, wie die Dinslakener Bürgermeisterkandidaten zum geplanten Kohlehafen stehen. Oder besser: wie man ihn verhindern kann.
Versorgung fürs Ruhrgebiet?
Energiepolitik
Die Diskussion um Sinn und Zweck des Voerder Kohlehafens südlich der Rotbachmündung geriet teilweise zur Grundsatzdebatte über Energiepolitik und regenerative Energiequellen.
Oliver Kischkel, Energieexperte der Grünen im Düsseldorfer Landtag: "Wenn wir die Aussagen der Bundesregierung zum Klimawandel ernst nehmen, sind Kohlekraftwerke nicht vertretbar."
Da das Ganze nicht nur eine Info-, sondern zugleich Wahlkampfveranstaltung der Grünen war, schlug Bürgermeisterkandidatin Birgit Emmerich auf. "Wir können es uns nicht leisten, ein Naherholung- und Landschaftsschutzgebiet kaputt zu machen." Jede zusätzliche Feinstaubbelastung sei nicht hinnehmbar. Und Vorsicht: Hinter den Hafenplänen stecke die Idee, das Kraftwerk zu erweitern. Oliver Krischer, Experte für Energie der grünen Landtagsfraktion, ging weiter: "Hier soll die Infrastruktur für Kohlekraftwerke im gesamten Ruhrgebiet geschaffen werden." Kräftiger Applaus.
Auf den wartete SPD-Kandidat Dr. Michael Heidinger vergeblich. Das lag daran, dass er die Notwendigkeit des Hafens nicht grundsätzlich in Frage stellte. Das Kraftwerk sei auf Kohle angewiesen, müsse somit beliefert werden. Alle alternativen Standorte für einen Kohlehafen würden einen noch stärkeren Eingriff in die Natur bedeuten. Nun müsse man prüfen, wie die zu erwartende Staubbelastung sich auf ein Mindestmaß reduzieren lasse.
CDU-Kandidat Heinz Wansing hält den Eingriff in die Natur für unverhältnismäßig hoch. Wenn dies der einzige Weg sei, den Kraftwerkstandort zu versorgen, sei es der falsche. Es gebe andere Lösungen, wie etwa Emmelsum, die verträglicher seien.
Wansing sprach aus, worüber viele Bürger sich große Sorgen machen: Auf der Rheinschiene zwischen Voerde und Walsum könnten weitere Kraftwerke angesiedelt werden. Das neue Kohlelager, in dem jährlich 6,5 bis neun Millionen Tonnen Importkohle umgeschlagen werden sollen, diene der Bevorratung. Würden doch im Kraftwerk selbst pro Jahr nur 3,5 Millionen Tonnen verstromt.
Heinz Brücker, Kandidat der ubv, wie auch FDP-Fraktionschef Bernd Helmut Minzenmay wiederholten ihre Kritik an der Dinslakener Verwaltung. Sie habe die Politik nicht rechtzeitig informiert. Brücker regte an, alle Alternativen zu dem jetzigen Standort noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Es könne nicht sein, dass die Steag die für sie günstigste Lösung durchdrücke und die Bevölkerung damit vertröste, es gebe kein Feinstaubproblem, weil der Wind meist aus Westen wehe. "Wir haben Kraftwerke, wir brauchen sie, und sie müssen auch versorgt werden", fügte Minzenmay hinzu. Es gebe allerdings viele unbeantwortete Fragen: Warum transportiere man die Kohle nicht über Walsum nach Voerde? Dort gebe es bereits einen Kohlehafen. Und wenn es denn schon die jetzt angedachte Lösung sein müsse, warum dann in dieser Dimension? Soll das Kraftwerk ausgebaut werden? "Wir wollen Informationen", so Minzenmay.
Mehr Informationen
Die verlangen auch die Bürger. Was sie außerdem wollen, brachte Wilfried Mohr von der Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord auf den Punkt: "Wir sollten uns gar nicht erst auf den Kohlehafen einlassen. Wir müssen darauf hinarbeiten, dass er nicht kommt."



