Voerde: Der Arbeiter unter den Philosophen
VON FLORIAN LANGHOFF - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009Voerde (RPO). Schon vor Beginn der Veranstaltung ist Frithjof Bergmann in ein Gespräch mit einigen Zuschauern vertieft. Als Pfarrer Matthias Jung dann die Gäste begrüßt und den Philosophie-Professor bittet, seinen Vortrag zu halten, setzt der Gast sich salopp auf den für ihn bereitgestellten Tisch und lässt fröhlich die Beine baumeln.
Da sitzt er nun mit Vollbart und fährt sich mit der Hand durch das Haar. "Ich bin zwar Professor, dazu noch einer der Philosophie, aber ich versuche trotzdem, irgendwie nützlich zu sein", richtet er die ersten Worte an sein Publikum und hat damit auch schon einige Lacher auf einer Seite. Dabei sind seine Themen doch eher ernst: Finanzkrise, Arbeit und Wirtschaft.
Zentrale These von Frithjof Bergmann ist, dass Menschen bei der Arbeit etwas machen sollten, was ihnen nicht nur Spaß macht, sondern sie erfüllt. Eine Arbeit, die von ihren Begabungen und Neigungen lebt und an die sie glauben. "Eine Arbeit, die sie wirklich wirklich wollen", beschreibt Bergmann diese Anforderungen an den Beruf. Aber natürlich ist ihm auch klar, dass nicht jeder nur machen kann, was er möchte. "Irgendjemand muss ja die Rechnungen bezahlen", stellt er ganz pragmatisch fest. Deshalb macht er sich auch für ein anderes Wirtschaftssystem stark.
Nach seinen Vorstellungen sollen die Menschen in der Woche rund zehn Stunden in der "Grundwirtschaft" arbeiten. Darunter versteht er Arbeit, die in einer lokal beschränkten Gemeinde stattfindet. Es folgen weitere zehn Stunden in einem gut bezahlten, normalem Beruf. Den Rest der Wochenarbeitszeit könnten die Arbeitnehmer dann damit verbringen, etwas zu machen, das ihnen Freude macht, ihren Bedürfnissen und Begabungen entspricht. "Das könnte der Weg hin zu humaneren, zufriedeneren und fröhlicheren Welt sein", meint Bergmann. Und er selbst hat dieses System schon mehrfach erprobt – zum Beispiel in Afrika und in Asien.
"Ich bin kein hochgeistiger Theoretiker", sagt Frithjof Bergmann von sich selbst, wenn es um Arbeit geht. Tatsächlich wanderte er als 19-Jähriger in die USA aus, schlug sich dort als Preisboxer, Tellerwäscher sowie Hafen- und Fabrikarbeiter durch, lebte zwei Jahre lang als Selbstversorger im Wald und unterrichtete nach seinem Philosophie-Studium an renommierten Universitäten wie Stanford oder Princeton. Als Mann der Praxis suchte Bergmann dann auch das Gespräch mit den Zuschauern, erläuterte wirtschaftliche Zusammenhänge und auch einige seiner Ideen genauer. Das Publikum war fasziniert von den Thesen und der Person des Professors.
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