Dinslaken: Der doppelte Lazarus
VON HENRIK EICKELKAMP - zuletzt aktualisiert: 18.11.2008Dinslaken (RPO). Der Bach-Chor und der Madrigalchor präsentierten „Die Auferweckung des Lazarus“ in der Sankt-Vincentius-Kirche als Gemeinschaftskonzert mit dem Kammerorchester Dinslaken.
So hat Pastor Theo van Doornick es gerne: Die Sankt-Vincentius-Kirche war am frühen Sonntagabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt, und alle waren gekommen, um Texte aus der Bibel zu hören. „Die Auferweckung des Lazarus“ hatte Sebastian Rakow, Leiter des Dinslakener Kammerorchesters, diesmal für das Gemeinschaftskonzert mit dem Bach-Chor und dem Madrigalchor ausgewählt.
Gleich zwei Oratorien zu der selben bekannten Stelle des Neuen Testaments, in der Jesus seinen guten Freund Lazarus von den Toten auferstehen lässt, haben die Musikerinnen und Musiker seit Mitte vergangenen Monats gemeinsam einstudiert: Die erste aus dem Jahr 1773, komponiert von Johann Christoph Friedrich Bach, die zweite aus der Feder von Carl Loewe aus dem Jahr 1863. Doch auch wenn beide Kompositionen auf der gleichen Geschichte aufbauen, die textlichen und musikalischen Unterschiede waren für Rakow groß genug, um sie für eine Aufführung am gleichen Abend auszuwählen.
Applaus für die Beteiligten gab es bereits vor Beginn des Konzerts. Als Rakow gemeinsam mit den Solisten Annette Müller (Sopran), Schirin Partowi (Alt), Andres Felipe Orozco Martinez (Tenor) und Harald Martini (Bass) den Altarraum betrat, komplettierten sie das ansehnliche Bild eines perfekt aufgestellten Chors und Orchesters. Es schienhöchstens ein wenig eng für die Vielzahl an Instrumenten und Chorsängern zu sein, auf das Spiel hatte das aber keinen hörbaren Einfluss. Ganz im Gegenteil wurden die erstklassige Vorbereitung und das Können des Kammerorchesters von der ersten bis zur letzten Sekunde an deutlich.
Solisten überzeugten
Auch die Solisten überzeugten zu jeder Zeit und stellten ihre professionelle Ausbildung unter Beweis. Die von dem Dichter Johann Gottfried Herder verfassten Texte zu Bachs Oratorium, die von vielen Wiederholungen und starken Wechseln in Tempo und Tonlage gekennzeichnet sind, intonierten alle vier ebenso souverän wie den originalen Bibeltext, der bei Loewes Version Verwendung findet. Auch der Gemeinschaft der beiden Chöre gelang es hörbar, ihre jeweiligen Stärken miteinander zu kombinieren.
Darum war auch sicherlich nicht die Leistung der Musiker, sondern das untypisch ruhige Ende von Bachs Komposition der Grund dafür, dass das Publikum beim Zwischenapplaus zunächst ein wenig zögerte. Am Schluss von Carl Loewes Version sind derartige Missverständnisse hingegen ausgeschlossen. Dirigent Rakow hatte buchstäblich alle Hände voll damit zu tun, mit dem gesamten Orchester musikalisch den Stein von Lazarus’ Grab zu rollen und den Chor das abschließende, durchdringende Halleluja singen zu lassen.
Ein kräftiger, minutenlanger Applaus ließ nicht lange auf sich warten.
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