Dinslaken: Der Glimmstängel brennt weiter
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 07.07.2008Dinslaken (RPO). Die Aschenbecher sind vom Tisch, die Luft in den Dinslakener Kneipen ist ungewöhnlich klar und geraucht wird höchstens vor der Tür oder im Biergarten. Würde man meinen. Doch auch nach dem offiziellen Startschuss des Nichtraucherschutzgesetzes wird fleißig gequalmt.
Am vergangenen Donnerstag trat das Nichtraucherschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen offiziell in Kraft, um allen Gastronomiegästen ein unverqualmtes Feierabendbier und den Servicekräften eine gesunde Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten. Doch wer an diesem ersten, vermeintlich rauchfreien Wochenende die quälende Wahl zwischen Glimmstängel und frisch Gezapftem erwartete, wurde überrascht: Die Dinslakener Wirte drückten öfter als erwartet ein Auge zu. Des lieben Friedens und der vollen Kasse wegen.
Wer nicht rauchen darf, der geht
„Die Gäste interessiert das nicht; die stecken sich eine an und wenn man ihnen sagt, dass das nicht mehr erlaubt sei, gehen sie woanders hin.“ Kristian Knauff blickt der Umsetzung des Raucherschutzgesetzes ratlos entgegen. An den Säulen um die Theke des „Ulcus“ hat der Pächter Zettel geklebt, die auf die neue, provisorische Aufteilung der Bar hinweisen: Im Fachwerkhaus, dem linken Ulcus-Flügel, dürfe fortan nicht mehr geraucht werden, im Thekenbereich schon, im Biergarten sowieso. „Da muss man mal sehen, ob man eine Tür einbaut, zwischen den Bereichen. Aber wie soll das an vollen Tagen funktionieren; da bräuchten wir nebenan ja eine zusätzliche Bar .“
Sanktionen abschätzen
Über mögliche Sanktionen hat sich „Mocca“-Besitzer Harald Höppken schlau gemacht. Der Verfechter einer „traditionellen Rauchkultur“ und Inhaber des Tabakladens am Altmarkt weiß: „Auf 1000 Verstöße kommt durchschnittlich nur eine Anzeige; und selbst da wird ja zunächst nur eine Verwarnung ausgesprochen.“
Eine Alternative sei die Gründung eines Raucherclubs. Mit der behelfen sich die umliegenden Kneipen seit dem 1. Juli größtenteils, um die Abwanderung der Stammkundschaft zu verhindern. Das freut auch „Ulcus“-Stammgast Reinhold van Deest. Er sitzt bei einem kühlen Bierchen an der Theke und drückt seinen Zigarettenstummel in den halb vollen Aschenbecher. „Bisher hat mich noch niemand aufgefordert, nach draußen zu gehen.“ Seine Reaktion auf eine solche Bitte steht jedoch schon fest: „Dann veranstalte ich Abstimmung mit den Füßen – ich würde gehen.“ Eine Schreckensvision, der auch Hannes Holtbrügge seit Ende der Woche entgegenblickt. Seine Prognose: „An diesem Gesetz werden 80 Prozent der Wirtschaften kaputt gehen.“ Heute hat eine geschlossene Gesellschaft seine Kneipe gebucht; der Auftraggeber plädierte dafür, das Rauchen während seiner Feier zu gestatten. „Das ist doch eine Farce; meine Mitarbeiterinnen, die durch das Gesetz angeblich geschützt werden, müssen sich in dem Fall doch auch dem Willen der Gäste beugen.“
„Wir ziehen die strikte Einhaltung neuen Regeln noch nicht konsequent durch“, gesteht auch „Mocca“-Inhaber Harald Höppken. Seiner Meinung nach befinde sich die Umsetzung überall noch in der Schwebe; selbst die Hoffnung darauf, dass das Gesetz im Nachhinein gekippt wird, hat der Gastronom noch. Dennoch wird er sich in den nächsten Tagen mit der Eröffnung eines Raucherclubs befassen. Denn selbst die Wasserpfeifen, die dem „Mocca“ seinen typisch orientalisch-süßen Duft verleihen, fallen streng genommen unter die Richtlinien des Gesetzes. Ein Gast vom Nebentisch schaltet sich in das Gespräch ein: „Wäre das Rauchen hier heute tatsächlich verboten, hätte ich mir lieber einen Kasten Bier besorgt und meine Freunde nach Hause einladen.“ Klare Ansage.
Konsequent in die Hand genommen hat die Umsetzung des Gesetzes das „Matrix“ an der Bahnstraße. Hier wurden bis Ende der vergangenen Woche schon 60 Raucherpässe für den neuen Club verteilt. Jeder Gast ab 18 kann sich solch eine „Dauer-Eintrittskarte“ für die Linzenz zum Rauchen ohne Probleme aushändigen lassen. 16-jährige Jugendliche brauchen das Einverständnis der Eltern.
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