Dinslaken: Der gute Geist vom Bahnhof
VON JESSICA BADER - zuletzt aktualisiert: 17.09.2007Dinslaken (RPO). Manfred Reiners sorgt am Dinslakener Bahnhof täglich für Sauberkeit und Ordnung. Unermüdlich räumt der Rentner den herumliegenden Müll weg, schneidet Sträucher und meldet Schäden. Und das alles ehrenamtlich.
Bahnhofspaten
Auch an anderen Bahnhöfen gibt es so genannte Bahnhofspaten. Sei achten darauf, dass an ihren Stationen alles funktioniert und melden defekte Lampen oder stehen gebliebenen Uhren. Um den Müll und die Sauberkeit kümmern diese Paten sich allerdings nicht. Damit dürfte das Engagement von Manfred Reiners wohl ziemlich einzigartig sein.
Wenn die Reisenden und Pendler nachmittags durch den Dinslakener Bahnhof zum Zug eilen, fällt ihnen meist nicht auf, wie sauber es hier ist. Keine überquellenden Mülleimer, kein Bonbonpapier in den Ecken und keine Sträucher, die die Sitzbänke überwuchern. Dafür sorgt Bahnhofspate Manfred Reiners. Seit sieben Jahren schon hält der Rentner ehrenamtlich das Bahnhofsgelände sauber.
Meist macht Reiners schon morgens den ersten Rundgang. Dann kontrolliert er, ob irgendetwas kaputt ist oder es grobe Verschmutzungen gibt. Am Nachmittag kommt er dann wieder und räumt auf. Der 68-Jährige leert die Mülleimer, fegt Zigarettenkippen weg und sammelt auf, was andere wegwerfen. „Da kommt jeden Tag ein großer Müllsack voll zusammen“, erzählt Reiners und hebt noch schnell ein Bonbonpapier auf, das auf dem Boden nichts zu suchen hat.
Der Rentner hat sogar mit einer Handschere die Sträucher auf dem Bahnsteig geschnitten, damit die Äste nicht über den Bahnsteig hängen. Er meldet auch Graffiti oder Schäden, damit sie schnell beseitigt werden können. Der 68-Jährige legt auch selbst Hand an. Unermüdlich, auch wenn er dabei manchmal gegen Windmühlenflüge kämpfen muss. „Eine Wand habe ich bestimmt schon 50 Mal gestrichen.“ Und das alles privat, nur am Wochenende ist er offiziell im Dienst der Bahn unterwegs. „Ich nehme hier aber keine Arbeitsplätze weg“, betont der Rentner. Die angestellten Reinigungkräfte reinigen den Bahnhof nachts, Manfred Reiners kommt tagsüber zusätzlich.
Großer Eisenbahnfan
Warum er sich die ganze Mühe macht? „Ich war schon immer Eisenbahnfan und wollte auch immer Lokführer werden“, verrät Reiners. Mit seinem Berufswunsch hat es jedoch nie geklappt. Der 68-Jährige war bei der Stadt Dinslaken beim Bauhof tätig. Als Rentner kümmert er sich jetzt darum, dass „sein“ Bahnhof sauber und ansehnlich ist. Er versteht sich als eine Art guter Geist des Dinslakener Bahnhofs. Dabei stört ihn auch nicht, dass die Leute immer wieder ihren Müll auf den Boden werfen, anstatt ihn im Mülleimer zu entsorgen. „Da habe ich ein dickes Fell“, sagt Reiners. Außerdem sei die Hemmschwelle viel höher etwas zu verschmutzen, wenn der Bahnhof sauber und ordentlich ist, weiß der Rentner aus Erfahrung.
Bei seinen Säuberungsarbeiten hat Reiners auch schon einige Portmonees im Müll oder in den Sträuchern gefunden. Die waren Fahrgästen im Zug gestohlen worden. Die Diebe nahmen das Geld raus und warfen die Geldbörsen fort. Manfred Reiners hat sie abgegeben. „So bekommen die Leute wenigstens ihre Papiere wieder“, sagt er. Der gute Geist vom Bahnhof eben.
Dass viele das Rauchverbot im Bahnhof nicht einhalten, ärgert den Saubermann. Seit kurzem ist der Dinslakener Bahnhof rauchfrei, das heißt im ganzen Gebäude und auch auf dem Bahnsteig ist der Zug an den Glimmstängeln verboten. Trotzdem muss Reiners jeden Tag unzählige Zigarettenstummel wegfegen. Wenn er die Raucher auf das Verbot anspricht, reagieren sie meist mit Unverständnis. „Manche werden sogar frech“, beschwert sich Reiners.
Ansonsten bekommt der Rentner meist sehr positive Resonanz und Anerkennung. Besonders ältere Leute sprechen ihn auf seine Arbeit an und freuen sich über seine gründlichen Aufräumarbeiten. Auch Bürgermeisterin Sabine Weiss dankte dem Rentner bereits für sein Engagement. Solange Manfred Reiners noch kann, will der 68-Jährige weitermachen: „Das macht mir einfach Spaß.“
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